Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten

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Was ist Glück? Wenn man das Gefühl hat, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein und eines zum anderen passt. So geht es mir hier in Porto Seguro gerade. Und während mein Leben in Deutschland als Journalist praktisch perspektivlos ist, öffnen sich mir hier Türen und Tore.

Brasilien ist ein Schwellenland. Das heisst: Es ist noch nicht voll entwickelt (wenngleich mir Brasilien in manchen Bereichen sogar entwickelter erscheint als Deutschland…). Es gibt also noch viel zu tun. Und das, was zu tun ist, liegt auf der Hand und ist offensichtlich. Man muss also nicht sonderlich einfallsreich oder geschäftstüchtig sein, um einen Bereich zu finden, in dem man etwas auf die Beine stellen kann.

Ich habe hier die letzten Tage viele neue Kontakte geknüpft und viele Gespräche geführt. Nichts ist einfacher als das in Brasilien, wenn man die Landessprache beherrscht und den Menschen offen und aufgeschlossen begegnet.

Brasilien lebt, Brasilien pulsiert, Brasilien entwickelt sich. Die Regierung von Präsidentin Dilma packt an, trifft weitreichende Entscheidungen, setzt sie konsequent um. Das sind alles in allem ermutigende Rahmenbedingungen, die für Vertrauen und Verlässlichkeit sorgen (bei allen Unzulänglichkeiten, die es trotzdem nach wie vor gibt, aber wo gibt es die nicht?).

Hier in Porto Seguro jedenfalls spürt man nichts von globaler Finanz- und Wirtschaftskrise. Der Tourismus (zum ganz überwiegenden Teil aus dem Inland) spült haufenweise Geld in die Kassen. Und der Immobilienmarkt ist sehr profitabel.

Die Immobilienpreise sind hier in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Und es ist vorerst kein Ende in Sicht. Das hat auch mit der Verknappung des Angebotes zu tun.

Neue Grundstücke werden nicht so ohne weiteres erschlossen und freigegeben, weil der Schutz des Ambientes an vorderster Stelle steht. Die Nachfrage ist daher größer als das Angebot.

Man sieht hier allenthalben absolute Traumhäuser in Traumlage. Manche benutzen sie für sich selbst, andere vermieten sie an Dritte und holen sich auf diese Weise ihr investiertes Geld mit Zins und Zinseszins wieder zurück. Wieder andere verfolgen rein spekulative Ziele, indem sie etwas kaufen, nur um es in absehbarer Zeit mit Traumrenditen wieder zu verkaufen.

Man kann hier durchaus noch „Schnäppchen“ finden, genauso wie es (v.a. im benachbarten Trancoso) absolut hochpreisige Luxusvillen gibt, von denen man sich in dieser Ansammlung als Deutscher gar keine Vorstellung macht.

Alles was in Brasilien Rang und Namen hat, ob Unternehmer, Politiker oder Größen aus dem Medien- und Showgeschäft, hat in Trancoso ein Anwesen oder lässt sich dort mal blicken.

Für Superreiche gibt es den all-inclusive-Urlaub in der Luxusvilla, mit Chauffeur, Hubschrauberservice, Dienstpersonal und allem erdenklichen Schnickschnack.

Es geht aber auch einige Nummern kleiner, zu einem erschwinglicheren Preis, und man wohnt trotzdem in einem tollen Haus mit allem Komfort in wunderschöner Umgebung.

Was will man mehr?

Freizeit- und Shoppingmöglichkeiten gibt es zu Genüge. Aktiv-Urlauber und Öko-Touristen kommen hier genauso auf ihre Kosten wie Partygänger oder Müßiggänger. Alles ist möglich oder wird möglich gemacht.

Ich bin hier nolens volens, aber mit wachsender Begeisterung zum Mountainbiker mutiert.

Da die Verkehrslage, wie schon an anderer Stelle erwähnt, dank des Ansturms alles andere als befriedigend ist, mache ich alles mit dem Rad.

Gestern Vormittag hatte ich mich mit Tadeu zu einer Radtour am Strand von Arraial d’Ajuda verabredet. Der Strand ist endlos und man kann an ihm entlang bis Trancoso und Caraíva laufen oder bei Ebbe fahren (der Sand ist dann so fest und geschmeidig wie Asphalt).

Ich musste also erst einmal mit dem Rad bis Porto Seguro (7 km), dann weiter zur Anlegestelle der Fähre, welche Porto Seguro mit Arraial d’Ajuda verbindet (ca. 2-3 km).

Und das bei einem angenehm erfrischenden Nieselregen. Kaum war ich in Arraial angekommen, erhielt ich eine SMS von Tadeu, dass er krank sei und unseren Ausflug auf den Folgetag verschieben müsse.

Halb so schlimm. Ich nutze die Gelegenheit, mich in die 3 km entfernte Altstadt von Arraial aufzumachen und staunte an der Estrada da Balsa (Straße der Fähre) über die Anwesen, von denen eins schöner als das andere war. Alles wunderbar eingefügt in die üppige Natur.

Zur Altstadt ging es dann über eine steile Anhöhe hoch. Da hatte ich dann doch keine Lust drauf und kehrte um.

Auf der Fähre lernte ich zwei junge Männer aus São Paulo kennen, die, wie ihre Ausrüstung offenbarte, professioneller als ich als Mountainbiker unterwegs waren. Sie hatten genau diese Tour Richtung Trancoso gemacht. Ich fragte sie, ob sie mehr frei Schnauze unterwegs seien oder konkrete Touren verfolgten. Es war Ersteres, sie erkundeten die Gegend auf eigene Faust.

Und da bietet die Region hier weit mehr, als selbst Einheimischen bekannt ist.

Es wundert mich angesichts der Verkehrssituation überhaupt, wie wenig Radfahrer unterwegs sind.

Porto Seguro könnte ein Mekka für Radsportler werden (Rennräder ausgeschlossen), die gerne über Stock und Stein fahren.

Wie ich erfuhr, gibt es einige aktive Gruppen von Einheimischen, die entweder mit BMX-Rädern oder Mountainbikes unterwegs sind.

In Porto Seguro suchte ich einen sehr netten Fahrradladen auf, der mir empfohlen worden war und wo ich in Eluán schon wenige Tage zuvor einen sehr kompetenten, freundlichen und hilfsbereiten Mitarbeiter gefunden hatte.

Er erkannte mich wieder und war gleich zur Stelle. Ich wollte mein Mountainbike etwas auf Vordermann gebracht haben, vor allem die Gangschaltung musste feinjustiert werden.

Außerdem brauchte ich mindestens eine kleine Vorderlampe, damit ich im Dunkeln besser gesehen werden kann und an einzelnen dunklen Passagen selbst besser sehen kann.

Auf der Küstenstraße zwischen dem Zentrum und meinem Zuhause gibt es zu zwei Dritteln einen Rad- und Fußgängerweg. Den Rest fährt man auf der Standspur der Küstenstraße, die überwiegend aus Kopfsteinpflaster besteht mit gelegentlichen Hubbeln wie in verkehrsberuhigten Zonen.

Da ich nun doch viel Zeit auf dem Drahtesel verbringe, war auch eine gepolsterte Radlerhose zu empfehlen, denn mein Allerwertester machte sich schon bemerkbar.

Ich bekam alles, was ich brauchte: Schnell, mit bester Beratung und zu einem guten Preis (ich konnte einen Rabatt aushandeln).

Ich unterhielt mich mit Eluán über die hiesige Fahrradszene und er verriet mir, dass der Laden, in dem er arbeitet, jeden Dienstagnachmittag eine Tour veranstaltet. Jeder, der will, kann mitmachen. Manchmal machen sie auch Touren außer der Reihe. Er notierte sich meine Handynummer und versprach mir bescheid zu geben, wenn die nächste Tour ansteht. Valeu!

Das Land der Entdeckungen

 

3 Gedanken zu „Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten“

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