Belo Horizonte – Austragungsort der Fussball-WM 2014

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Nun bin ich schon fast eine Woche auf Familienbesuch in Belo Horizonte, der Hauptstadt des Bundesstaates Minas Gerais. Die Millionenmetropole ist das Wirtschaftszentrum des rohstoffreichen Bundesstaates und Austragungsort sowohl des Confederations Cup in diesem wie der FIFA Fussball-WM im nächsten Jahr.

Ich bin seit 2004 schon x-mal hier gewesen, würde aber trotzdem nicht behaupten, hier alle Ecken zu kennen. Die Verwandtschaft wohnt im Außenbezirk Tupí und meidet wegen des großen Verkehrsaufkommens das Zentrum, wenn es irgend geht.

Als ich im Jahr 2004 mit einem Mietwagen das erste Mal nach Behaga (so nennen die Einheimischen ihre Stadt nach den Initialien BH) reinfuhr, wurde ich schier wahnsinnig. Ich wollte ein bestimmtes Hotel in der Nähe des zentralen Busbahnhofes ansteuern, wäre an dieser Aufgabe aber fast gescheitert. Grund ist die komplizierte Verkehrsführung.

Einst nach amerikanischen Vorbildern wie Washington D.C. auf dem Reißbrett entworfen, sind die Straßen symmetrisch angelegt. Die Haupttangenten kreuzen sich im rechten Winkel, die Nebenstraßen dagegen kreuzen die Avenidas in spitzen Winkeln. Als Belo Horizonte 1897 eingeweiht wurde (damals noch unter dem Namen „A Cidade de Minas“), war sie für 200.000 Einwohner gedacht. Den heutigen Massenverkehr gab es nicht. Heute platzt Belo Horizonte mit mehreren Millionen Einwohnern und Fahrzeugen aus allen Nähten.

Um den Massenverkehr irgendwie zu kanalisieren, sind die meisten Nebenstraßen Einbahnstraßen. Da man von den Avenidas selten nach links abbiegen kann, muss man nach rechts abbiegen und linksherum um den Block, um in die Gegenrichtung zu gelangen. Ist der Straßenabschnitt, in den man möchte, eine Einbahnstraße in Gegenrichtung, muss man auch dort wiederum einmal um den Block fahren.

Man kann sich leicht vorstellen, zu welcher Verzweiflung dies bei Ortsfremden ohne Navigationshilfe führt.

Als ich damals nach unzähligen Ehrenrunden endlich mein Hotel gefunden hatte, erwies es sich als so mies, dass ich mich wieder ins Auto setzte und Reißaus nahm. Gott sei Dank kam man schneller raus als rein und so landete ich schließlich im wunderbaren Kolonialstädtchen Ouro Preto, wo ich mich verliebte.

Heute sehe ich das mit dem Verkehr entspannter. Ich habe meine Orientierungspunkte und habe keine Scheu mehr, mich in das Getümmel zu stürzen, sofern ich mein Ziel ungefähr kenne.

Trotzdem würde ich jedem empfehlen, der sich in Belo Horizonte aufhalten will, einen großen Bogen um das Zentrum zu machen und sich lieber in den Außenbezirken einzuquartieren.

Abgesehen vom innerstädtischen Bezirk Savassi, der für sein Nachtleben mit zahlreichen Bars und Restaurants bekannt ist, ist vor allem Pampulha mit seinen Nachbarbezirken zu empfehlen.

Im Reiche-Leute-Viertel Pampulha steht das von Grund auf renovierte und Anfang Februar neu eingeweihte WM-Stadion Mineirão. Hier liegt der gleichnamige Flughafen mit vorwiegend inländischen Flugverbindungen. Um den leider ziemlich verschmutzten, ansonsten beschaulichen See herum finden sich die ersten wichtigen Bauten des weltberühmten und Anfang Dezember verstorbenen brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer, die den Beginn seiner einzigartigen Karriere markieren. Pampulha bietet darüber hinaus viele ausgezeichnete Ausgeh-, Shopping- und Freizeitaktivitäten.

Wer sich hier oder in der Umgebung niederlässt, kann das übervolle Zentrum getrost links liegen lassen.

Gestern habe ich mich mit dem öffentlichen Linienbus trotzdem ins Zentrum begeben, um nach einer touristische Besichtigungstour Ausschau zu halten.

Ich stieg an der Praça Sete de Setembro aus, steuerte das Tourismusbüro am Parque Municipal an, um dort zu erfahren, dass sie keine Bustouren anbieten. Dafür müsse ich eine der Tourismus-Agenturen aufsuchen, die sich in den Shopping-Centern befinden. Das nächstgelegene war das Shopping Cidade in der Rua Tupis.

In der Tat bot die dort befindliche Agentur des Quasi-Monopolisten CVC eine dreistündige Bustour an. Allerdings nur an zwei Tagen die Woche (mittwochs und sonntags ab 14 Uhr), für 65 Reais pro Person, Abfahrt bzw. Abholung an gleich welchem Hotel in BH.

Ich konnte es mir nicht verkneifen, der Agentin zu sagen, dass das doch ausgesprochen dürftig sei, gerade im Hinblick auf die bevorstehenden Sportereignisse und die Ankunft internationaler Touristen. Sie lächelte und zuckte mit den Schultern.

Dafür bin ich Anfang der Woche der Empfehlung einiger Leute gefolgt und habe zusammen mit einem ortskundigen Verwandten den Mercado Central in der Av. Augusto de Lima besucht und gefilmt. Der ist in der Tat einen Besuch wert. In den über 400 überdachten Ständen, Läden und Bars findet man alle Spezialitäten aus Minas Gerais: Vom Käse über Cachaça (Zuckerrohrschnaps), Pimenta (eingemachte Chilischoten), Carne de Sol (sonnengetrocknetes Fleisch), Gemüse, exotische Früchte bis hin zu Kunsthandwerk, Haushaltsbedarf und exotischen und einheimischen, lebendigen Tieren. Die Markthalle hat montags bis samstags von 7 – 18 Uhr geöffnet, an Sonn- und Feiertagen von 7 – 13 Uhr.

Schließlich führte mich der Onkel noch ins Rotlichviertel nahe des Busbahnhofs. Dort befindet sich ein namenloser Puff neben dem nächsten. Leicht bekleidete Damen bieten in einfachen Zimmern ihre Freudendienste an, je nach Haus von 10 bis 25 Reais für Verkehr (der Höchstpreis entspricht nicht einmal 10 Euro!). Das ist lächerlich wenig. Als wir dort am späten Nachmittag eintrafen, war die Hölle los. Nahezu alle Zimmer waren belegt und man konnte nur einen begrenzten Einblick in das „Angebot“ bekommen. Wir zogen „unverrichteter Dinge“ wieder davon.

Was ich allerdings zu sehen bekommen hatte, animiert nicht gerade dazu, diesen Ort noch einmal aufzusuchen. Der Onkel erzählte noch, dass die Stadtverwaltung das Rotlichtviertel wegen der WM hatte dicht machen wollen, um dort Touristen einzuquartieren. Der Plan wurde wegen des massenweisen Protestes der Kundschaft aber wieder verworfen…

Aufbruch zu neuen Horizonten

 

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