Belo Horizonte: Deutscher Journalist in Autounfall verwickelt

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Am Abend des 2. März wurde ein deutscher Journalist in der brasilianischen Metropole Belo Horizonte in einen Autounfall verwickelt. Verletzt wurde niemand. Nur am geliehenen Auto des Deutschen entstand ein größerer Blechschaden.

Der Deutsche, der aus Köln stammt, aber in Berlin lebt, fuhr das Auto einer brasilianischen Tante, in dem sich außerdem ein brasilianischer Onkel sowie ein Freund des Onkels befanden. Sie hatten am Nachmittag die Avenida Fleming im Stadtteil Ouro Preto besichtigt, ein bei gut situierten Brasilianern beliebtes Ausgehgebiet. Angelehnt an den für seine Bars und Restaurants bekannten Stadtteil Savassi wird die Avenida Fleming auch das Zweite Savassi von Belo Horizonte genannt.

Der Deutsche und seine zwei Begleiter wollten am späteren Abend dort hin zurückkehren, machten sich aber nun im Auto auf den Weg zur Unterkunft im Stadtteil Tupí, wo sie anlässlich des Geburtstages des Deutschen eine leckere Lasagne erwartete.

Als der Deutsche im Stadtteil Ouro Preto gegen 19 Uhr eine verkehrsberuhigte Nebenstraße hinunterfuhr, kam ihm ein schwarzer Geländewagen entgegen. Auf der entgegengesetzten Fahrbahn hielt ein Auto am Straßenrand. Statt den Deutschen zunächst passieren zu lassen, überholte der Geländewagen das parkende Auto und fuhr auf die Spur des Deutschen. Da es nach rechts keine Ausweichmöglichkeit gab, rammte der Geländewagen somit das Auto des Deutschen am linken Frontflügel. (Fotos auf meiner Facebook-Seite.)

Beide Fahrzeuge hielten unmittelbar nach dem Aufprall ihre Autos an. Der Deutsche war außer sich und fragte den Verursacher des Unfalles, wie er sowas machen könne. Er hätte wegen des Hindernisses auf seiner Seite gefälligst warten müssen, bis die Fahrbahn in Gegenrichtung frei sei. Außerdem sei das Auto von einer Tante  und nur geliehen. Der Unfallverursacher sagte, ebensowenig der Halter seines Fahrzeuges zu sein. Es gehöre seiner Dienstherrin. Er zeigte sich reuig, war aber nicht bereit sich auszuweisen, um den Vorfall später bei der Polizei anzuzeigen.

Also rief der Onkel des Deutschen die Polizei an, um den Unfall vor Ort aufzunehmen. Da es keine Verletzten gab, wies die Polizei darauf hin, dass es eine Weile dauern könne, bis ein Polizist vor Ort sei.

Ein Beamter der örtlichen Militärpolizei traf  dann per Motorrad aber schneller ein als erwartet. Er bat um die Ausweispapiere und Auto-Dokumente der beteiligten Fahrer.

Der Deutsche, der fließend Portugiesisch sprach, hatte sowohl seinen europäischen Führerschein im Scheckkartenformat sowie den Personalausweis zur Hand. Der Beamte war irritiert, weil er weder das eine noch das andere Dokument kannte. Er nahm über Funk Rücksprache mit der Zentrale und klärte den Deutschen darüber auf, dass sein Führerschein hier in Brasilien nicht gültig sei. Er müsse bei einer beliebigen Wache der Bundespolizei ins Portugiesische übersetzt werden. Auch forderte er den Reisepass des Deutschen, um zu überprüfen, ob er sich legal in Brasilien aufhielt.

Der Deutsche, der an diesem Tag seinen 46. Geburtstag vollendete, entgegnete, der Reisepass befinde sich im Haus von Verwandten im Bezirk Tupí, weil er zu wichtig sei, um geklaut oder geraubt zu werden. Außerdem wies er darauf hin, dass er in den vergangenen Jahren schon tausende Kilometer in Brasilien mit dem Auto zurückgelegt habe und nie Probleme mit dem Führerschein gehabt habe. Im Gegenteil: Die beiden Male, wo er von der Polizei kontrolliert worden sei und einen Internationalen Führerschein vorzeigte, hätten die Beamten damit noch viel weniger anfangen können, weil er sich noch viel mehr von dem brasilianischen unterscheide und alles auf Englisch drin stehe.

Der Deutsche erläuterte dem Militärpolizisten die Daten, die auf dem europäischen Führerschein vermerkt sind: Name, Geburtsdatum, Geburtsort, Ausstellungsdatum auf der Vorderseite und die mit Symbolen dargestellten Lizenzen für die jeweiligen Fahrzeuge. Der Beamte bestand dennoch darauf, dass dieser Führerschein in Brasilien keine Gültigkeit besitze.

Für die Schuldfrage im konkreten Fall sei das allerdings nicht relevant, beruhigte er den auf Brasilien spezialisierten Blogger.

Der Deutsche fragte den Beamten, wie er sich ein solches Vorgehen während der Fussball-WM vorstelle, wenn hunderttausende Touristen aus aller Welt im Land unterwegs seien, manche auch in einem Mietwagen. Die würden wohl kaum zur Bundespolizei gehen um dort um eine Übersetzung zu bitten, geschweige denn, dass dies angesichts fehlender Fremdsprachenkenntnisse überhaupt kommunikationstechnisch gelingen würde.

Der Beamte seufzte und entgegnete lachend, sollte ihm bei der WM so etwas vorkommen, würde er den Touristen gleich an die Bundespolizei abschieben. Die solle sich gefälligst darum kümmern.

Der Deutsche wies darauf hin, dass er mit einer Brasilianerin verheiratet sei und diese Ehe auch in Brasilien registriert sei. Der Beamte erklärte daraufhin, das mache die Dinge deutlich einfacher. In diesem Falle handele es sich gewissermaßen um eine innerbrasilianische Angelegenheit.

Was den Reisepass anging, bestand der Polizist dennoch darauf, dass er beigebracht werden müsse. Da es im Haus der Verwandtschaft niemanden gab, der ihn bringen konnte, wurde der Onkel des Deutschen beauftragt, den Pass zu besorgen.

Aufgrund eines gerade zu Ende gegangenen Spiels der heimischen Fussball-Mannschaft Cruzeiro im künftigen WM-Stadion Mineirão war das Verkehrsaufkommen in der Region sehr hoch. Es dauerte daher über zwei Stunden, bis der Onkel im noch fahrtüchtigen Unfallauto den Reisepass gebracht hatte.

In der Zwischenzeit verwickelte der Deutsche den Beamten in ein Gespräch. Wie sich herausstellte, war der Polizist im Jahr 2002 für ein Jahr in Spanien gewesen. Nach drei Monaten legalen Aufenthaltes hatte er seinen Aufenthalt eigenmächtig verlängert und sich weitere neun Monate illegal in Spanien aufgehalten und schwarz gearbeitet – ein weit verbreitetes Delikt unter Brasilianern im Ausland.

Der Beamte fragte den Deutschen rhethorisch, wieso er nicht den Onkel als Fahrer angegeben habe, das hätte die Sache deutlich vereinfacht. Nun sei es dafür zu spät. Der Deutsche erwiderte, nicht erwartet zu haben, dass es mit seinem Führerschein ein Problem geben könne. Schließlich sei er in ganz Europa inklusive Portugal gültig und werde dort verstanden. Es sei schlichtweg nicht nachvollziehbar, wieso ausgerechnet die Brasilianer ihn nicht verstehen wollten. Es gebe ja praktisch nichts zu übersetzen.

Der Beamte fragte, wo sich zum Beispiel das Datum befinde, bis wann der Führerschein gültig sei. Er zeigte den brasilianischen Führerschein des Unfallverursachers, wo eine befristete Gültigkeit des Führerscheins notiert war. Der Deutsche erklärte, dass es eine solche Befristung in Europa nicht gebe, wenngleich das Thema in Europa schon länger diskutiert werde.

Der Beamte empfahl dem Deutschen, eine Dienststelle der Bundespolizei aufzusuchen und um eine Übersetzung zu bitten. Es könne durchaus sein, dass die Dienststelle dies verweigere und für unnötig halte. Dies solle er sich dann schriftlich bestätigen lassen und bei Bedarf vorzeigen.

Der Deutsche erfuhr außerdem, dass es ein vom Unfallverursacher nicht klar eingestandenes Problem mit dem Auto seiner Dienstherrin gab. Offenbar war es nicht versichert oder die KfZ-Steuer nicht bezahlt. Der Unfallverursacher gestand außerdem ein, schon des öfteren Unfälle verursacht zu haben.

Als der Onkel schließlich mit dem Reisepass am Unfallort eintraf, bestätigte der Polizist die Richtigkeit der Angaben des deutschen Journalisten, wonach dieser sich seit dem 9. Januar und somit legal in Brasilien aufhielt. Der Polizist wies den Deutschen darauf hin, dass er ganze sechs Monate (und nicht wie bisher drei plus dreimonatige Verlängerung) in Brasilien bleiben dürfe. Der Beamte überreichte beiden Unfallbeteilgten eine Bearbeitungsnummer und sagte, dass der Fall wohl vor Gericht geklärt werden müsse.

Als der Polizist den Unfallort verlassen hatte, kamen der Onkel des Deutschen sowie der Unfallverursacher ins Gespräch und vereinbarten, dass der Onkel am kommenden Montag in der Werkstatt eines Freundes den Schaden begutachten lassen würde. Einen früheren größeren Schaden habe dieser für 400 Reais beseitigt. Es sei also zu erwarten, dass die Kosten für diesen Schaden genau so hoch oder gar geringer ausfallen würden.

Das schien auch im Sinne des Unfallverursachers zu sein und so tauschte man die Handynummern aus, um Anfang der Woche miteinander zu telefonieren.

Welches Nachspiel die Geschichte mit dem Führerschein noch haben wird, ist derzeit nicht abzusehen.

Belo Horizonte – Austragungsort der Fussball-WM 2014

 

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