Reaktion auf Quotentief: RTL will DSDS umkrempeln

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Das Finale der 9. Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ am vergangenen Samstag war das quotenschwächste in der Geschichte der Casting-Show. RTL zieht daraus seine Konsequenzen: „Außer Dieter Bohlen müssen ALLE gehen“, berichtet bild.de.

Konkret heißt das, dass Moderator Marco Schreyl das Mikro abgibt und die Jury-Mitglieder Bruce Darnell und Natalie Horler alias Cascada nach nur einer Staffel ersetzt werden.

Auch an dem Konzept wird gebastelt. So sollen die Kandidaten mindestens 18 Jahre alt sein (womit der diesjährige Sieger Luca Hänni schonmal durch’s Rost gefallen wäre), in den Mottoshows zu gleichen Teilen Mädchen wie Jungen vertreten und wieder eine Live-Band auf der Bühne sein.

Ob’s der 10. Jubiläumsstaffel auf die Sprünge helfen wird? Liest man die zahlreichen Kommentare auf bild.de, dann wird dort v.a. der Kopf von Dieter Bohlen selbst gefordert. Viele sprechen sich dafür aus, die Sendung generell abzusetzen.

Letzteres wäre aus Sendersicht natürlich Unfug. Auch wenn 4,71 Millionen Zuschauer beim Finale für DSDS ein Tiefstwert ist, hatte RTL am Samstag damit dennoch die Marktführerschaft, wie DWDL berichtet.

Was Dieter Bohlen angeht, ist er eine Person, die zweifellos polarisiert. Die einen hassen ihn, die anderen verehren ihn. Ich tue weder das eine noch das andere. Aber ich respektiere ihn. Auch wenn ich persönlich seine Musik nicht mag, muss man ihm zugestehen, dass er sein Geschäft als kommerzieller Musikproduzent versteht. Und er hat einen enormen Unterhaltungswert, eben weil er so polarisiert. Von allen Jury-Mitgliedern, die DSDS in seiner bald zehnjährigen Geschichte verschliessen hat, war er trotz allem der Beste.

DSDS leidet unter Sättigungserscheinungen und Kommerzialisierungswahn

Das Hauptproblem ist, dass die Mutter aller deutschen Castingshows inzwischen viele Nachahmer gefunden hat und selbst der dröge Eurovision Song Contest in der deutschen Vorauswahl inzwischen als Casting-Show inszeniert wird.

Eben weil DSDS so unglaublich erfolgreich war, jagt im deutschen Fernsehen inzwischen eine Casting-Show die andere. Das führt zwangsläufig zu Sättigungserscheinungen.

Von allen Castingshows ist DSDS dabei die Kommerziellste. Sie treibt das Prinzip der Musik-Industrie auf die Spitze, Eintagsfliegen zu produzieren und ihre Protagonisten nach Strich und Faden auszuschlachten. Da jedes Jahr ein neuer „Superstar“ gesucht wird, ist damit ja schon impliziert, dass bis dahin der Zenit des Vorgängers überschritten sein muss. Der Begriff „Superstar“ erweist sich als völlige Übertreibung.

Die gnadenlos kommerzielle Ausrichtung von DSDS bringt es zudem mit sich, dass nur diejenigen Kandidaten Aussicht auf Erfolg haben, die als Poster-Boy an den Zimmerwänden pubertierender Kreisch-Mädchen taugen. Nur sie sind so bekloppt, für ihre Kurzzeit-Idole kostenpflichtig zu voten und alle CDs und Marketingartikel zu erwerben, die von ihren Stars zu kriegen sind.

Es gab bei DSDS schonmal ernst zu nehmendere Sänger und Sieger, wie Thomas Godoj oder Tobias Regner. Doch mit ihnen ließ sich eben nicht so schnell und einfach Geld verdienen. Langfristige Förderung ist nicht Teil des Konzeptes, und eigenwillige Künstler werden nicht gesucht. Insofern werden die Kandidaten immer austauschbarer, langweiliger, kommerzieller.

Jury braucht Mitglieder, die Bohlen Paroli bieten können

Nun den Kandidaten ein Mindestalter von 18 Jahren vorzuschreiben, könnte dazu beitragen, wieder aus dieser reinen Teenie-Idol-Suche wegzukommen und auch für ältere Zuschauer wieder interessant zu werden. Das Dumme ist nur, dass die Teenies kommerziell die wichtigste Zielgruppe sind.

Es würde dem Format auch sicher gut tun, wenn es Jury-Mitglieder hätte, die das Standing und die Autorität besitzen, dem selbsternannten „Pop-Titan“ Dieter Bohlen Paroli zu bieten. In dieser Hinsicht ist Bohlen sicher ein Problem, denn er hat schon alle Jury-Mitglieder weggebissen, die es wagten, seine Ich-weiss -alles-besser-Attitüde anzukratzen.

DSDS ist und bleibt ein kommerzielles Format. Solange die Zuschauer nur für diejenigen Kandidaten voten und die Jury nur diejenigen Kandidaten in die Mottoshows lässt, die diesen kurzfristigen kommerziellen Erfolg garantieren, wird sich an dem Konzept nichts Grundlegendes ändern. Hier beißt sich die Katze selbst in den Schwanz.

Auf bild.de hat eine Leserin einen guten Vorschlag gemacht:

O.K., wenns schon weitergehen muss,dann bitte Verona und Naddel mit Dieter in die Jury,Moderation sollte thomas anders machen.dann guck ich!!!

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

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