#WorldSuicidePreventionDay

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War es Zufall oder bewusst gewählter Zeitpunkt, dass Ex-DSDS-Gewinner Daniel Küblböck am Vorabend des Internationalen Tages zur Selbstmord-Prävention (10.09.) auf einer Kreuzfahrt mit einem Sprung ins kalte Wasser seinem Leben offenbar ein selbstbestimmtes Ende bereitet hat? Selbstmörder handeln selten im Affekt und denken sehr genau und lange darüber nach, wie und wo und wann sie sich das Leben nehmen, um damit ein bestimmtes Schlusssignal zu setzen.

Ich weiß, wovon ich rede. Denn ich habe mich selbst schon unzählige Male mit solchen Gedanken getragen, seit meiner Jugend und bis ins fünfte Lebensjahrzehnt. Immer mal wieder, und dann wieder lange gar nicht. Und so dürfte es vielen Menschen gehen. Das Leben bietet ja auch genug Gelegenheiten, zu verzweifeln: an der eigenen Situation, an dem Zustand der Welt, an den Mitmenschen.

Ich empfinde daher zwangsläufig eine große Sympathie und ein tiefes Mitgefühl für jeden Selbstmörder. Und beklage und bedauere ihn/sie zugleich.

Man kann über das Für und Wider des Selbstmordes auf hohem Niveau tiefgründige Debatten führen. Ethiker, Juristen, Philosophen und Theologen haben es bereits getan.

Aber am Ende bleibt es doch eine sehr einsame, individuelle Entscheidung, nach Abwägung aller Argumente.

Und niemand der Hinterbliebenen wird jemals ganz nachvollziehen und verstehen können, wie es dazu kam. Zumal nicht einmal ein Abschiedsbrief als endgültige Erklärung herhalten kann, denn auch er ist Teil der Inszenierung, die der Selbstmörder für sein Großes Finale ersonnen hat.

Ich finde es falsch, Selbstmörder von vornherein zu verurteilen, wie z.B. die Kirche es tat und tut. Andererseits wäre es falsch, potenzielle Selbstmörder zu ermutigen oder gar zu bestärken.

Der von mir sehr verehrte österreichische Philosoph Ludwig Wittgenstein (1889 – 1951) rettete sich mit einem logischen Kniff aus seinem suizidalen Dilemma: Der Freitod sei gewissermaßen eine Selbstüberrumpelung, weil man seine Lebenskraft dazu benutzen würde, sich selbst den Tod zuzufügen. Mit einem solch eklatanten Widerspruch wollte das Logik-Genie sich nicht ins Jenseits verabschieden.

Aber in der Stunde der tiefsten Verzweiflung spielen solche Gedanken wohl kaum eine Rolle.

Es gibt auch Selbstmörder aus tiefster Überzeugung. Sie finden es in keinster Weise unethisch und völlig legitim, als selbstbestimmtes Lebewesen über die Art, den Ort und Zeitpunkt des Todes selbst zu bestimmen. Schließlich waren wir an der Entscheidung, in diese Welt geworfen zu werden, nicht beteiligt. Wenn wir schon nicht über unsere Geburt selbst bestimmen durften, dann doch wenigstens über den eigenen Tod!

Eine Argumentation, die rein vom Aspekt der Selbstbestimmung und Vernunft stichhaltig ist.
Der ebenfalls österreichische Schriftsteller Stefan Zweig nahm sich dieses Recht heraus, befand sich jedoch in einer tiefen Depression. Trotz seines weltweiten Ruhms musste er vor Hitler-Deutschland fliehen, weil er Jude war. Er fand sein letztes Refugium während der Wirren des Zweiten Weltkrieges in Brasilien, in der ehemaligen Kaiserresidenz Petrópolis.

Obwohl er sich in Brasilien ausgesprochen wohl fühlte und das Land in einem berühmten Buch als „Land der Zukunft“ pries, fühlte er sich mit 61 Jahren zu alt und schwach, um nochmal von vorn anzufangen. Der leidenschaftliche Humanist war angesichts der Hitler-Barbarei im tiefsten Innern zerbrochen und sah keine Hoffnung mehr für die Welt. 1942 sah er den Zeitpunkt gekommen, gemeinsam mit seiner jungen Frau Lotte den Freitod zu wählen.

Eine tragische Fehlentscheidung? Hätte er nur drei Jahre durchgehalten, hätte er die Morgenröte erblickt, die er in seinem Abschiedsbrief für seine Freunde ersehnte. Aber man steckt da nicht drin. Für Außenstehende werden immer Fragen offen bleiben.

Und das ist wohl auch der tiefere Grund, wieso wir den Selbstmord instinktiv ablehnen. Denn wer am Ende leidet oder gar daran zerbricht, sind die Angehörigen oder gar völlig Unbeteilgte, die mit hineingezogen werden. Möchte man die Menschen, die einen geliebt haben oder nichts für unser Schicksal können, tatsächlich mit so einer Belastung zurücklassen??

So oft ich selbst mich schon mit dem Gedanken getragen habe, bin ich heilfroh, dass ich ihn nicht in die Tat umgesetzt habe.

Denn so oft ich auch in Situationen war, die wirklich sehr hart und extrem schwer waren (ich bin kein Weichei), ging es irgendwann immer wieder bergauf und ein Licht erschien am Ende des Tunnels. (Und das war kein entgegenkommender Zug…)

Und wenn ich sehe, wo ich hier und heute gelandet bin, hätte ich mir echt in den Arsch beißen müssen, das verpasst zu haben.

Nein. Ich bin überzeugt, der Liebe Gott (ja, es gibt ihn) hat mit jedem von uns seinen Plan. Wir alle sind – meist im Kleinen, manche im Großen – Teil eines gigantischen Puzzles, in dem jeder sein Plätzchen und seine Funktion hat. Und wir sollten es Ihm überlassen, wann und wo und wie er unser Ende vorbestimmt hat.

Wir sollten bei allen Problemen und Hindernissen immer im Hinterkopf haben, dass sie uns in den Weg gelegt wurden, um sie zu überwinden. Je mehr wir diese Herausforderungen meistern, desto größer und stärker und unbesiegbarer fühlen wir uns und werden wir tatsächlich.

Es ist ein großartiges Gefühl, nach all den Schlachten auf sein Leben zurückzublicken, sich selbst auf die Schulter klopfen zu dürfen und sich zu sagen: Geschafft! Gut gemacht!

Das Leben ist kein Ponyhof und nichts für Feiglinge. Nur die Harten kommen in den Garten.

Denn für die Guten und Gerechten hat Gott immer einen Platz in seinem Garten.

Es ist dieser Glaube, diese Überzeugung, die einen Vieles aushalten und überstehen lässt. Der Glaube an Gott gibt Kraft, übermenschliche geradezu, unabhängig davon, ob es ihn nun gibt oder nicht. Wer diesen Glauben nicht hat, ist eindeutig im Nachteil.

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