#WJT in Rio: Franziskus erweckt Kirche zu neuem Leben

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Für die katholische Kirche war dieser Weltjugendtag in Rio de Janeiro ein riesiger Erfolg: Geschätzte drei Millionen Menschen nahmen am Schlussgottesdienst am Strand von Copacabana teil und machten ihn zum zweitgrößten aller Zeiten, getoppt nur vom Weltjugendtag 1995 in Manila auf den Philippinen mit etwa fünf Millionen Teilnehmern. Organisatorisch war er eher ein Fiasko und bestärkt die Zweifel an Brasiliens Fähigkeit, solche Großereignisse professionell zu managen.

Der Weltjugendtag 2013 war die erste Auslandsreise des im März neu gewählten Papstes Franziskus. Der Anlass und der Ort konnten nicht besser gewählt sein um der katholischen Kirche eine Frischzellenkur zu verpassen. Brasilien ist zwar immer noch das Land mit der höchsten Anzahl an Katholiken, doch immer weniger Menschen bekennen sich zu dieser Kirche und wenden sich den pfingstlerischen Freikirchen zu.

Gerade unter jungen Brasilianern ist die katholische Kirche immer unpopulärer geworden. Laut einer Umfrage von Data Popular bekennen sich nur noch 44,2% der 16- bis 24-jährigen zum Katholizismus, 37,6% bezeichnen sich dagegen als evangélicos/protestantes, 11,5% haben eigenen Angaben zufolge „keine Religion“.

Die Gründe für diesen Anhängerschwund sind sicher vielfältig. Wer Brasilien kennt und mal die Gottesdienste der Freikirchen wie Assembleia de Deus, Igreja Universal, Deus é Amor oder wie sie alle heißen besucht hat, dürfte vor allem einen Unterschied bemerken: Die Gottesdienste der Freikirchen sind lebendiger und emotionaler und näher dran an den Alltagsproblemen der Menschen, versprechen schnelle Lösungen und vollbringen wahre oder vermeintliche Wunder. Kernelement der Gottesdienste sind die Berichte von Gläubigen vor versammelter Gemeinde, wie der Glaube an Gott ihr Leben zum Positiven verändert hat, sie von Leiden und Krankheit befreit oder ihnen Wohlstand und Glück gebracht hat. Während in der katholische Kirche streng nach Liturgie zelebriert wird, erfahren die Gläubigen in den Freikirchen, dass der Glaube konkrete Wirkung haben kann.

Es war bemerkenswert zu sehen, wie dieses Element des persönlichen Zeugnisses beim Weltjugendtag in Rio aufgegriffen und bei der Abschlussmesse in Copacabana eingesetzt wurde. Der Aufruf von Papst Franziskus, die verstaubten Sakristeien zu verlassen und auf die Straßen zu gehen, sich einzumischen, kann ebenfalls als Reaktion auf den Erfolg der Freikirchen verstanden werden, die in ihrem Missionierungseifer viel mehr den Kontakt zur Bevölkerung suchen als die erstarrte katholische Kirche.

Es ist sicher dem Charisma und der Glaubwürdigkeit des neuen Papstes zu verdanken, dass er in Rio de Janeiro soviel Euphorie bei den jungen Christen auslösen konnte. Der Weltjugendtag dürfte dazu beigetragen haben, dass die katholische Kirche in Brasilien wieder an Boden gewinnt und sich wieder mehr junge Leute ihr zuwenden.

Im Hinblick auf die WM 2014 und die Olympischen Spiele 2016 haben sich mit dem WJT allerdings die Sorgen vergrößert, dass diese sportlichen Großereignisse zu einem ähnlichen Chaos führen werden wie der Weltjugendtag.

Auf der Fahrt vom Flughafen ins Zentrum geriet der Tross des Papstes zu Beginn des Besuches in eine ungesicherte Straße, sein Fahrzeug wurde von Menschen umzingelt, die seine Nähe suchten – eine Situation, die schnell hätte eskalieren können.

Am Dienstag fiel die Metro für mehr als zwei Stunden aus und verstärkte das ohnehin große Verkehrschaos noch. Pilger mussten lange Wege zu Fuß statt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen.

Wegen massiver Regenfälle musste der außerhalb Rios geplante Abschlussgottesdienst an die Copacabana verlegt werden, weil sich die dafür vorgesehene Fläche in Guaratiba in eine Matschlandschaft verwandelt hatte. Millionen Pilger mussten umdisponieren. Die Copacabana glich am Wochenende eher einem Flüchtlingslager als einer Edelmeile.

Rios Bürgermeister Eduardo Paes wollte seiner Stadt für die Organisation angesichts der organisatorischen Probleme keine Note geben, „weil ich nur die Note 10 mag, aber ich glaube, die Leute verdienen nicht die Note 10“, gestand er auf einer Pressekonferenz.

Brasilianer sind mit solch chaotischen Zuständen vertraut und können damit eher umgehen. Für Ausländer ohne Portugiesisch- und Ortskenntnisse dürften sie dagegen eher Panikattacken hervorrufen. Der öffentliche Transport ist damit die eigentliche Achillesferse für das Gelingen der WM 2014 und der Olympischen Spiele 2016.

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3 Gedanken zu „#WJT in Rio: Franziskus erweckt Kirche zu neuem Leben“

  1. Ich finde es toll, dass der neue Papst wieder frischen Wind in die Kirche bringt. Ich hoffe, dass er noch viele Impulse setzen wird.

    Was mir auch gut gefällt ist seine Bescheidenheit – das finde ich toll!

    Liebe Grüße

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