#WIRSINDMEHR

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Im Zuge der rechtsradikalen Ausschreitungen in #Chemnitz hat die deutsche Debatte um Migration, Rassismus, Faschismus, Fremdenfeindlichkeit, AfD etc. eine neue Eskalationsstufe erreicht. Aus dem fernen Brasilien lässt sich mit dem gehörigen Abstand beobachten, was sich im fernen Deutschland und Europa und der Welt so zusammenbraut und wie der Kanonendonner anschwillt.

Aufgrund meiner über 50 Lebensjahre und entsprechenden Lebenserfahrung erlaube ich mir die Prognose, dass sich die Dynamik solcher Entwicklungen nicht aufhalten lässt, höchstens in die Länge ziehen. Je mehr sich der Kessel erhitzt, umso mehr steigt der Druck, der sich ein Ventil sucht und es braucht, um nicht zu explodieren. Zur Zeit des Mauerfalls war das nicht anders. Es war allenthalben spürbar und sehbar, dass sich da etwas zusammenbraute. Jenes Mal kam es zum positiven Wunder des Mauerfalls, der auch ganz anders hätte ausgehen können, wenn nur einer der damals herrschenden Politiker eine andere Wahl getroffen hätte. Das Ereignis selbst des Mauerfalls wäre damit mittelfristig zwar nicht aus der Welt geschaffen worden, aber es hätte später stattgefunden.

Welche Kräfte und Strömungen sich am Ende durchsetzen, liegt zwar nicht in der Hand eines Einzelnen. Aber genau so wie ein Fluss sich einfach den richtigen Weg bahnt, so unterliegen auch menschengeschaffene Massenphänomene den naturgegebenen Gesetzen der Dynamik. Und da setzt sich das Richtige und Notwendige immer durch.

Auf kurze Sicht gibt es keine vernünftige, friedliche Lösung zwischen den Konfliktparteien und wird es auch nicht geben. Wer auf Krawall gebürstet ist, trägt nichts zur Lösung bei. Es gibt eine radikale Minderheit in Deutschland und überall auf der Welt, die mit lautem Geschrei auf sich aufmerksam macht und Dinge propagiert, die sich schlichtweg außerhalb jeden Rechtsverständnisses befinden.

Aber halten wir klar und deutlich fest: Es ist eine Minderheit, wenngleich sie mit potenziell bis zu 25 Prozent einer Gesellschaft nicht zu vernachlässigen ist.

Dass die sogenannte RECHTE gerade soviel Auftrieb verspürt, hat damit zu tun, dass die ökonomischen und kommunikativen Verhältnisse unseres Zeitalters eben so sind, dass sie diese Auseinandersetzung befördern. Kein Thema eignet sich global derzeit so gut zur Polarisierung wie das Thema Migration/Flüchtlinge.

Es ist ja statistischer Fakt (und keine Fake News), dass es in der gesamten Menschheitsgeschichte keine so großen Migrationsbewegungen auf diesem Planeten gab wie heute. Angesichts der Bevölkerungsexplosion der vergangenen Jahrzehnte ist das in absoluten Zahlen aber ohnehin keine Überraschung. Das ist eine klare Ursache-Wirkung-Kausalität. Über sonstige Ursachen bzw. Symptome (Krieg, Hunger, etc.) kann man jetzt spekulieren und debattieren, aber das hilft zunächst auch nicht weiter.

Vor Ort, im Alltag von uns allen ist die Veränderung, die das mit sich bringt, allenthalben spürbar, sehbar, hörbar, erfahr- und erlebbar. Auch das ist Fakt und dürfte von keiner Seite bestritten werden.

Jetzt ergibt sich daraus die rein praktische Frage: Wie gehen wir mit diesem Umstand um?

John Lennon singt in seinem Song „Watching The Wheels“, den er kurz vor seinem tragischen Tod auf seiner letzten Langspielplatte „Double Fantasy“ (1980) veröffentlichte, die Zeile: „There’s no problem, only solutions!“

Das ist ein genialer und sehr weiser und hellsichtiger Satz. Es gibt keine Probleme, bloß Lösungen! John Lennon wollte damit nicht bestreiten, dass wir im Leben nicht ständig und dauernd mit Problemen zu kämpfen hätten. Aber er hat eine andere Perspektive eingenommen und dem Wort „Problem“ die genau entgegengesetzte Bedeutung als Etikett angeheftet. Das ist, als würdest du das Essig-Etikett von einer Essigflasche abmachen und ein neues Etikett draufkleben, auf dem „Wein“ steht. Weiter übersetzt heißt das: Wenn Du ein Problem nicht als Problem betrachtest, sondern als eine Aufforderung und Herausforderung, eine LÖSUNG zu suchen und zu finden, dann öffnet sich plötzlich eine riesige Tür voller Möglichkeiten. Du lässt dich von dem Problem nicht mehr opfermäßig unterdrücken, sondern freust dich über diesen neuen Test, mit dem du deine Erfahrung, Tapferkeit und Klugheit unter Beweis stellen darfst. Denn am Ende zählt, was hinten rauskommt, und nicht das, was du dir so zurechtfantasierst in deiner Scheinwelt voller Illusionen und Selbstbetrügereien.

Zu diesen Illusionen und intellektuellen Selbstbetrügereien gehören Ideologien. Unsere Welt ist dank unserer langen Vor- und Ideengeschichte bereits überfrachtet mit all diesen Ideologien, diesen -ISMEN, wie man sagt, weil die Ideologien den -ISMUS (engl. -ism) schon im Namen als Endung tragen: Kommun-ismus, Kapital-ismus, Katholiz-ismus, Fasch-ismus und so weiter…

All diese Ideologien sind nichts anderes als verschieden gefärbte Brillen, die sich die Leute aufsetzen, um dann die Welt zu beschreiben und zu interpretieren. Ist dieses oder jenes jetzt „rechts“ oder „links“?, wird dann gefragt. Und ich würde antworten: hängt von der Perspektive ab. Was für mich rechts ist, mag für den anderen links sein, weil er mir mit dem Gesicht zugewandt gegenübersteht. Es ist aber völlig wurscht, wie wir es nennen und welches Etikett wir draufkleben: Es ist entweder die richtige oder die falsche Richtung. Und um über die richtige oder falsche Richtung zu entscheiden, brauche ich keine Debatte und keinen Streit über Wörter und ihre Bedeutung, sondern ich will eine eindeutige Himmelsrichtung und am besten noch eine Wegkarte haben.

Das Wissen darüber, welches der richtige Weg ist, erwerbe ich nicht dadurch, dass ich mit dem anderen darüber streite, ob etwas rechts oder links ist. Ich erwerbe es durch Information und Orientation. Je mehr ich über das Gelände Bescheid weiß und je besser ich mich orientieren kann, umso zielführender und treffender wird meine Entscheidung ausfallen. Nochmal anders gesagt: Mit Geschrei und Gegröle allein hat noch niemand ein Problem gelöst. Wer ein Problem lösen will, muss die Ärmel hochkrempeln und anpacken und mithelfen, eine pragmatische Lösung zu finden.

Und selbstverständlich haben alle in Erwägung gezogenen Ansätze auf einer humanen und die Natur respektierenden Basis zu stehen. Zu glauben, man könne Probleme aus der Welt schaffen, indem man Mauern errichtet und jeden mit Waffen ausstattet, der bis drei zählen kann, ist so offensichtlich schwachsinnig und bar jeden Realitätssinnes, dass man darüber gar nicht streiten braucht.

Und wer dann immer noch trotzig solchen offensichtlichen Schwachsinn von sich gibt, der darf gerne standrechtlich erschossen werden (im übertragenen Sinn…). Es hat keinen Sinn, mit solchen Vollpfosten zu diskutieren. Sie sind unbelehrbar. Und sie sind – das muss ihnen klipp und klar vermittelt werden – eine Minderheit. Wir respektieren sie nur solange, wie sie ihre Klappe halten. Sonst stopfen ausnahmsweise mal die friedfertigen und Gewalt ablehnenden Guten (die Mehrheit) den Bösen für immer das Maul. Ihr habt nicht die geringste Chance, diesen Kampf zu gewinnen. Da könnt ihr euch bis an die Zähne mit hochmodernem Zeug bewaffnen. Wir sind viel mehr. Größer als die Rote Armee (nur um euch mal eine konkrete Vorstellung für eure kriegslüsterne Phantasie zu geben). Ihr glaubt gar nicht, wie schnell ihr von dieser Erdoberfläche verschwunden sein könnt! Schwupps. Und weg.

Es wird, wie immer, Opfer geben. Auf beiden Seiten. Doch die Mehrheit wird am Ende siegen. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Naturgesetz. Also nicht verzagen. Arsch huh, Zäng ussenander. Wir haben keinen Grund, uns zu verstecken und uns die Freude am Leben nehmen zu lassen von irgendwelchen herumstreunernden Idioten. Die gibt es überall. Einfach nicht ernst nehmen. Abhaken. Und wenn nötig die Stirn bieten. Das ist am Ende das Einzige, was sie verstehen. Bumm. Paff. Zack. Tschüss. Das ist wehrhafte Demokratie 2.0

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