Wieso ich an Wunder glaube

Noa Luna posiert

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Es gibt Geschichten, die müssen einfach erzählt werden, auch wenn man damit sehr viel von sich preisgibt. Weil sie so ungewöhnlich, so aussergewöhnlich, so unerhört, so spannend, so aufregend, so grossartig, so einzigartig, so wunderbar – so interessant – sind, dass man sie der Welt nicht vorenthalten kann und möchte. Dies ist eine von diesen Geschichten.

Schaut euch dieses Foto an!

Meine Tochter
Noa Luna im Mai 2010

Würde irgend jemand auf die Idee kommen, dass dieses bezaubernde Mädchen als Frühchen auf die Welt kam? Und nicht nur ein paar Tage oder Wochen zu früh. Nein, Monate! Um genau zu sein: Nach 26 Schwangerschaftswochen plus drei Tagen! (Eine Schwangerschaft dauert regulär 40 Wochen.) 26 Wochen: Das sind gerade mal sechseinhalb Monate!

Es hätte aber noch schlimmer kommen können…

Denn meine Frau wurde schon zwei Wochen zuvor mit Blaulicht ins Virchow Klinikum gebracht. Da waren der Muttermund schon so weit auf und die Fruchtblase so ausgestülpt, dass unser Baby jeden Moment per Kaiserschnitt hätte herausgeholt werden müssen.

Das wäre fatal gewesen. Denn in SSW 24 auf die Welt zu kommen, hätte in jedem Fall bleibende Schäden bedeutet, wenn nicht gar den Tod.

Jeder Tag, jede Stunde, um den/die man die Geburt hinauszögern konnte, waren ein Gewinn.

Durch absolute Ruhelage und dank Wehenhemmern gelang es meiner Frau, unser Baby noch zwei ganze Wochen im Bauch zu halten. Auch wenn Noa es ihr nicht leicht machte. Denn sie stellte ihre Füßchen ausgerechnet in die Ausstülpung der Fruchtblase und strampelte fröhlich vor sich hin. Sie schien ihre Frühgeburt geradezu provozieren zu wollen! Sie wollte raus! Sie hielt sich offenbar für reif genug.

Am 10. Juli um 15:30 Uhr war dann kein Halten mehr. Meine Frau hatte unerträgliche Schmerzen. Sie war sicher, jetzt war es so weit. Ärzte und Schwestern nahmen sie aber zunächst nicht ernst. Doch ein Ultraschall zeigte, dass nun allerhöchste Eisenbahn war. Per Notkaiserschnitt kam Noa auf die Welt!

Frühchen im Brutkasten
Noa im Brutkasten

 

Sie wog bei der Geburt 910 Gramm und war gerade mal 37 cm groß. Hatte aber schon dichtes schwarzes Haar.

Der Schock war erstmal groß. Das hatten wir nicht gewollt. Lieber hätten wir sie noch länger im Bauch gesehen.

Aber immerhin: Sie lebte. Und ihr Zustand war den Umständen entsprechend stabil.

Die beste Nachricht war, dass ihre Lunge schon so reif war, dass sie nur in den ersten Lebensminuten beatmet werden musste. Danach brauchte sie nur noch einen sogenannten CPAP, das ist ein Nasentubus, der einen mit Sauerstoff angereicherten Luftstrom ausstößt und so die Lunge zum Atmen animiert.

Neun Wochen blieb Noa im Krankenhaus, davon gut drei im Brutkasten.

Es war eine harte Zeit. Denn durch ihre Frühgeburtlichkeit war sie gerade mal acht Monate jünger als ihr Bruder. Und jeden Tag nach der Arbeit ins Krankenhaus zu gehen, während man noch einen acht Monate alten Jungen zu versorgen hat – das war beileibe kein Zuckerschlecken.

Doch Noa ist von Anfang an eine große Kämpferin. Nach drei Wochen akzeptiert sie keine Infusionen mehr und streift den lästigen Nasentubus ab. Ihre Mutter schreibt Mitte August ins Tagebuch:

Wann immer du ein Problem in deinem Leben hast, verzweifle nicht, sondern begib dich in die Hände Gottes, des Allmächtigen. Denn nur er hat die Macht. So hat es die mamae mit dir gemacht und er hat dich beschützt und beschützt dich immer noch und wir dich immer beschützen. Gott ist mit uns, daran habe ich überhaupt keinen Zweifel.

Die Ur-Oma
Donna Marcelina und Enkelin

Es sind vor allem die Gebete von Noas brasilianischer Ur-Oma, die uns in dieser schweren Zeit Kraft gegeben haben.

Ihre Ur-Oma ist eine sehr bemerkenswerte Frau: Sie hat sechs eigene Kinder großgezogen, zahlreiche Enkelkinder (darunter meine Frau) sowie 16 fremde und Findelkinder. Und das als Witwe und dem wenigen Geld, das sie als Landarbeiterin verdiente. Donna Marcelina ist tief im Glauben verwurzelt: Gott und Jesus sind in ihrem Leben allgegenwärtig.

Während wir uns im fernen Deutschland sorgten, ging sie jeden Tag von morgens bis abends in ihre Freikirche (Assembléia de Deus) und betete auf Knien für uns und ihre Ur-Enkelin. Sie betete und kniete so viel, dass sie Wasser in den Beinen bekam und kaum mehr laufen konnte.

Doch ihre Gebete wurden erhört.

Am 12. September 2007 wurde Noa Luna aus dem Krankenhaus entlassen.

Und sie ist das süsseste und bezauberndste Geschöpf, das man sich vorstellen kann.

Wir haben ihr nicht umsonst den Beinamen Marcelina gegeben, den Namen ihrer Ur-Oma.

Wir danken den Schwestern und Ärzten der Station 32 im Virchow Klinikum für ihre großartige Arbeit!

Wir danken Gott für seine Güte und seine Gnade und dieses wunderbare Geschenk, das er uns gemacht hat!

Und wir wünschen allen, die in einer ähnlichen Lage sind:

Verzagt nicht!

Verzweifelt nicht!

Seid guten Mutes!

Eine Frühgeburt ist keine Katastrophe. Die heutige Medizin ist sehr weit fortgeschritten. Und wenn man dem Frühchen viel Liebe, Kraft, Geborgenheit und Wärme gibt, dann kann alles gut werden!

Mit Gottes Hilfe!

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6 Gedanken zu „Wieso ich an Wunder glaube“

  1. Hallo lieber Bruder und Adriana,

    da spricht aber der stolze Vater ! :))

    Und ich würd sagen die Kraft von Kindern aud Mischehen, hier deutsch und brasilianisch, ist nicht zu unterschätzen.

    Aber Noa hatte und hat einen unglaublich starken Lebenswillen und Durchsetzungsvermögen, und Intelligenz.

    Ich wünsche auch allen Eltern deren Kinder zu früh geboren werden, dass sie ihrem Kind ganz viel Kraft vermitteln und ausserdem einen Frühchenstation erwischen die bestens ausgestattet ist.

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