Werkstattbericht: Highlights Brasilien

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Es ist vollbracht. Mein Manuskript zum Bildband „Highlights Brasilien“ ist fertig. Jetzt geht der Text beim Verlag durch’s Lektorat. Außerdem müssen noch Fotos ausgewählt und mit dem Text zusammengeführt werden. Für Ende September ist die Veröffentlichung geplant.

Meine Hauptarbeit zumindest ist getan. Und sie war aufwändiger und zeitintensiver als gedacht. Das fing schon damit an, sich überhaupt auf 50 Highlights festzulegen. Brasilien ist so riesig (das fünfgrößte Land der Erde) und so reich an kulturellen und historischen Höhepunkten und vor allem an Naturwundern und -schönheiten, dass die Auswahl gar nicht so einfach war. Sicher wird es Leser und Brasilienkenner geben, welche den einen oder anderen Ort vermissen werden, zumal jeder Brasilien-Fan so seine eigenen Lieblingsorte hat, zu denen er immer wiederkehrt oder zumindest gerne wiederkehren möchte. Alles in allem bin ich aber überzeugt, daß wir eine kluge und ausgewogene Auswahl getroffen haben.

Angesichts der bevorstehenden Fussball-WM 2014 waren die zwölf Austragungsorte ohnehin gesetzt. Darüber hinaus sollten die wichtigsten Natur- und Kulturerbestätten der UNESCO darin vorkommen (es gibt insgesamt 19) sowie die wichtigsten Nationalparks. Bei den Nationalparks war erst recht eine Auswahl notwendig, schließlich gibt es insgesamt 62, die allein schon den Rahmen des Buches gesprengt hätten. Darüber hinaus gibt es noch Orte, die weder zur einen noch zur anderen Kategorie gehören und trotzdem nicht fehlen sollten. Daraus ergab sich die Gelegenheit, hier und da Akzente zu setzen.

Die größte Herausforderung waren dann die Texte selbst. Angesichts des begrenzten Umfangs der Kapitel musste ich mich bei den meisten Orten auf das Wesentliche konzentrieren, es überhaupt aus der Fülle der Sehenswürdigkeiten und Eigenheiten herausfiltern. Dabei habe ich mich immer von der Frage leiten lassen: Was macht das Besondere an diesem Ort aus? Was unterscheidet ihn von anderen? Manche Sehenswürdigkeit oder Aktivität oder Besonderheit musste aus Platzgründen unter den Tisch fallen. Aber das Buch erhebt ja auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es soll im besten Fall Appetit auf mehr machen und einen Überblick verschaffen.

Nehmen wir z.B. Rio de Janeiro. Das berühmteste und beliebteste Touristenziel Brasiliens ist im Buch umfangreich vertreten. Dennoch ist die Stadt an der Guanabara-Bucht so reich an Sehenswürdigkeiten und Stränden und es gibt eine solche Vielzahl an möglichen Ausflügen und Aktivitäten, dass man mühelos ein ganzes Buch damit füllen könnte. Man könnte ja auch mühelos vier Wochen nur in Rio verbringen und trotzdem das Gefühl haben, gerade mal an der Oberfläche gekratzt zu haben. Brasilien ist aber nicht nur Rio und Rio ist nicht Brasilien. Das Land hat noch unendlich viel mehr zu bieten.

Ich persönlich bin bei meinen Reisen nach Brasilien ohnehin nie darauf aus, mich länger als nötig in den Metropolen aufzuhalten und Sehenswürdigkeiten abzuklappern und den touristischen Trampelpfaden zu folgen. Ich bin immer auf der Suche nach dem Kontakt mit Einheimischen, nach den besonderen Orten, die nur die Einheimischen kennen und die eine besondere Magie ausstrahlen. Und davon gibt es viele. So viele, dass ein Leben nicht reicht, sie alle kennenzulernen.

Ich kenne nicht alle Highlights persönlich, die in dem Buch vorkommen. Es dürfte angesichts der Größe des Landes auch kaum jemanden geben, der sich dessen rühmen könnte. Ein Umstand, den auch Stefan Zweig in der Einleitung zu seinem berühmten, 1941 erschienenen Buch Brasilien – Ein Land der Zukunft eingestehen musste, das auf einer sechsmonatigen Reise basiert, die er 1939 unternommen hatte:

Trotz allen Reisens, Schauens, Lernens, Lesens und Suchens bin ich nicht weit über den Rand der Zivilisation in Brasilien hinausgekommen und muß mich trösten mit dem Gedanken, daß ich kaum zwei oder drei Brasilianer traf, die behaupten konnten, die innere und fast undurchdringliche Tiefe ihres eigenen Landes zu kennen, und daß auch Eisenbahn, Dampfboot und Auto mich nicht viel weiter geführt hätten, auch sie machtlos gegen die phantastische Ausdehnung dieses Reiches.

Inzwischen gibt es zwar Flugzeuge, welche die größten Distanzen überwinden helfen. Doch einmal am Ziel-Flughafen angekommen, steht man erneut vor dem Problem, riesige Distanzen auf dem Landweg zurücklegen zu müssen. Zeit, Raum und das nötige Geld sind letztlich die größten Hindernisse bei einem solchen Unterfangen.

Dank Internet ist wenigstens das virtuelle Reisen ein Leichtes: Das Angebot an Videos, Fotos und Reiseberichten ist überwältigend, per Google Street View kann man die Straßen entlangschlendern und sich einen Eindruck von den Gegebenheiten vor Ort machen. In Bewertungsportalen wie TripAdvisor bekommt man eine Vielzahl von Erfahrungsberichten und eine Hierarchie der besten Sehenswürdigkeiten, Restaurants und Unterkünfte. Eine unentbehrliche Hilfe war mir außerdem der beste Reiseführer Brasiliens, der Guia Quatro Rodas, der jedes Jahr neu aufgelegt wird und umfangreiche Informationen und Bewertungen zu fast jeder beliebigen Destination bietet. Schade für ausländische Touristen, dass es ihn nur auf Portugiesisch gibt! Last but not least konnte ich auf ein großes Netzwerk an Brasilianern und Brasilien-Liebhabern zurückgreifen, die mit Tipps, Eindrücken und Anregungen zur Seite standen.

Für mich war es das Spannendste an dem Buch, mich imaginär an die Orte zu begeben, die ich noch nicht persönlich kenne und ihre Besonderheiten aufzuspüren. Es war sogar leichter, über diese Orte zu schreiben, weil sie nicht von meinen privaten Erlebnissen überlagert sind. Der Leser dürfte ohnehin kaum einen Unterschied bemerken. Nach all den Recherchen hat sich eine unbändige Lust eingestellt, die noch nicht bereisten Orte möglichst bald mit allen Sinnen zu erleben. Ich hoffe und glaube, dass sich diese Lust auch auf die Leser übertragen wird.

Um Brasilien kennenzulernen, muss man ohnehin nicht hektisch durch’s ganze Land reisen. Brasilien kann man überall erleben und erfahren. Den authentischsten Eindruck bekommt man, wenn man Freundschaft mit Einheimischen schließt, ihren Alltag erlebt, mit ihnen feiert, mit ihnen leidet. Portugiesisch-Kenntnisse oder gute Guides sind dafür allerdings kaum verzichtbar.

Dass die meisten Fussball-Fans davon träumen, die Fussball-WM in Rio de Janeiro zu verbringen, beruht auf einem Missverständnis. Rio dürfte in Wahrheit der schlechteste Ort sein, um die WM vor Ort zu erleben. Es wird unerträglich voll, teuer und chaotisch werden, die Kriminalität eine nicht zu unterschätzende Gefahr sein.

Besser, man sucht sich ein ruhigeres Plätzchen oder wenigstens eine andere WM-Stadt, die nicht so bekannt ist, sofern man ins Stadion will. Wer nur nach Brasilien will, um die Stimmung der Bevölkerung auf den Straßen und Plätzen zu erleben, der kann im Prinzip überall hin. Denn das ganze Volk wird dieses Ereignis auf den Bildschirmen verfolgen, auch das kleinste und abgelegenste Dorf.

Lieber, verehrter Stefan Zweig

In Paradise

 

2 Gedanken zu „Werkstattbericht: Highlights Brasilien“

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