TV-Kritik: Konny und Manu Reimann in Brasilien (RTLII)

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RTL II ist ja nicht gerade für weltbewegende Dokumentationen bekannt. Aber das Brasilien-Spezial von Die Reimanns, das am 9. Juni – drei Tage vor Beginn der WM in Brasilien – lief, war sehr sehenswert und vermittelte mittels seiner grundehrlichen Protagonisten einen wahrhaftigen Eindruck von dem WM-Gastgeberland.

Konny Reimann gilt als „Deutschlands bekanntester Auswanderer“. Die RTL-Senderfamilie begleitete ihn und seine Frau Manuela nebst den beiden Kindern seit 2004 dabei, wie sie ein neues und erfolgreiches neues Leben in Texas/USA begannen.

Nun hat RTL II das Ehepaar nach Brasilien geschickt, um mal zu checken, wie das Land so ist und tickt und ob es auf die WM gut vorbereitet ist.

Konny ist gelernter Klimaanlagenmonteur, klein und kräftig, mit Cowboyhut und Schnäuzer schon ganz Texaner geworden. Geboren wurde er in Hamburg. Und diesen Akzent hat er nicht abgelegt. Er ist in seinen Aussagen und seiner Haltung klar und ehrlich und rund heraus, in seinen Taten zupackend und tatkräftig. Seine Frau Manuela („Manu“) ist gelernte Schneiderin, hat wie er das Herz am rechten Fleck, ist aufgeschlossen und neugierig und begeistert sich für alles, was schön ist.

Sie landen in Rio de Janeiro und werden am Flughafen von ihrer deutschsprechenden, brasilianischen Reiseführerin Luciana schon erwartet. Konny – ganz Deutscher – meckert erstmal rum, dass hier am Flughafen alles so lange gedauert hat. Sein erster Eindruck: Pünktlich und gut organisiert sind die Brasilianer schonmal nicht.

Luciana bringt sie im Kleinbus mit Fahrer zum Hotel an der Copacabana. Günstig ist es nicht: Im Schnitt 345 EURO kostet laut Einblendung ein Zimmer pro Nacht. Das findet Konny „unglaublich“. Vor 30 Jahren sei er mal in Brasilien gewesen. Da war alles noch ganz anders.

Seine Frau Manu sagt etwas später, dass sie froh sei, mit Luciana von Anfang an eine ortskundige Begleiterin zur Seite gehabt zu haben. Alleine wäre sie aufgeschmissen gewesen – ohne Orts-, Sprach- und Landeskenntnisse. Sie merkt gleich: Brasilien ist völlig anders als Europa oder die USA.

Auf dem Programm ihres zweitägigen Rio-Besuches steht vor allem das WM-Final-Stadion Maracanã. An einer Busstation erklärt eine Tafel gut verständlich, welche Linien dort hin führen. Fahrpläne gibt es zu ihrer Verwunderung aber nicht. Luciana erklärt, entweder man habe Glück, und komme gerade rechtzeitig, wenn der Bus käme, oder man warte eben auf den nächsten. Es fahren viele Busse vorbei, aber offenbar nicht der Richtige. „Soll ich etwa auf die Straße und ihn anhalten?“ fragt Konny. (Ja, wäre die Antwort gewesen. Man muss zwar nicht auf die Straße, aber man sollte winken, wenn man will, dass der kommende Bus anhalten soll.)

Konny und seine Frau geben auf. Sie machen sich zur Metro-Station auf und müssen dafür über einen Markt mit Kunsthandwerk und Klamotten. Manu und Luciana sind begeistert, gucken und stöbern. Konny will weiter.

Als sie endlich bei der Metro-Station sind, müssen sie feststellen, dass sie geschlossen ist. Bauarbeiten. Für die WM.

Sie hätten ein Taxi nehmen können, aber sie wollen zu Fuß zum Maracanã. Das ist ein ziemlich langer Fußweg und nicht unbedingt zur Nachahmung empfohlen. (Ein Fahrrad wäre eine gute Idee gewesen!) Aber er führt entlang der Strandpromenaden, mit Blick auf Zuckerhut, Christusstatue und schöne Körper. Konny und Manu genießen es.

Schließlich kommen sie am Stadion an. Konny ist geschockt von den Gegebenheiten um das Stadion herum. Alles noch Baustelle. In der Nähe ein offener Abwasserkanal, der bestialisch stinkt (Konny: „Das ist Gülle!“). Er macht sich Sorgen: Wenn hier tausende von Fussballfans unterwegs sind und eine Panik ausbricht, dann landen die am Ende hier in dieser Drecksbrühe.

Das Stadion selbst gefällt ihnen gut. Sie haben Glück, dass an dem Tag das Stadtderby zwischen Botafogo und Flamengo stattfindet. Doch das Stadion ist ziemlich leer, das Spiel langweilig. Lieber schauen sie sich etwas weiter im Stadion um.

Fazit: Stadion gut, das Drumherum besorgniserregend.

In Rio besuchen sie eine der „pazifizierten“ Favelas. Manu geht ins Haus einer Familie, die in ihrer Werkstatt selbst Mode designt, kauft aber nichts, weil sie noch ein soziales Fussball-Projekt mit Kindern besuchen wollen. Jedem der Kinder schenken sie zum Abschluss einen offiziellen Adidas-WM-Ball, die sie vorher in einem Sportshop gekauft haben.

Das war gut gemeint, aber falsch. Richtig wäre gewesen, das Geld für Produkte auszugeben, die in der Favela produziert werden (wie in der Familien-Schneiderei). Und den größten Nutzen vom teuren Kauf all dieser Bälle (oder war es eine Spende des Sportladens? Oder Product Placement?) hatte Adidas. Ein oder max. zwei Bälle für die Mannschaft hätten vollauf genügt. Die anderen werden/wurden am Ende im besten Fall zu Geld gemacht, im schlimmsten den Kindern geklaut.

Cui bono? Wem nützt das? Wer profitiert am Ende? Das sollte man sich vorher überlegen, wenn man etwas Gutes tun will. Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht.

Konny und Manu sind betroffen von diesen krassen Gegensätzen zwischen Arm und Reich in Brasilien. Manu hat den Eindruck, es gebe in Rio gar keine Mittelschicht (doch, gibt es. Aber im Wesentlichen gibt es eine Klasse von Reichen und Superreichen und eine Masse von Armen, das ist schon richtig).

Als Highlight zum Abschluss überrascht Konny seine Frau mit einem Helikopterflug über Rio. Manu hatte selbst diesen Wunsch geäußert, ist aber jetzt von Flugangst geplagt. Konny ist begeistert: Rio sei wirklich „oinmolig“, wie er auf Hamburgerisch sagt.

Konny gefällt Brasilien. Das Wetter. Dieses Leben auf der Straße. Das sei ganz sein Ding. Und Manu ist schon angesteckt von der Lebensfreude und Feierlaune der Cariocas.

Es geht auf nach Salvador da Bahia, wo Jogis Jungs in ihrem ersten Gruppenspiel auf Portugal treffen werden. Dort besuchen sie u.a. das WM-Stadion Fonte Nova, das ihnen sehr gefällt („besser als das Maracanã“), das Altstadtviertel Pelourinho und ein Capoeira-Projekt in einer Favela.

Bei ihren Favela-Besuchen haben sie immer einen ortsansässigen Guide dabei. Konny warnte schon in Rio: Alleine sollte man als Tourist nicht in eine Favela gehen. Und da hat er vollkommen recht. Wenn man aber einen ortskundigen Guide dabei hat, braucht man sich keine Sorgen machen.

Kleidungsmäßig verhalten sich Konny und Manu auch korrekt. Leichte, einfache Kleidung, Sandalen an den Füßen, keine Wertsachen am Körper. Mit seinem Cowboyhut und seiner Statur könnte Konny eh als Brasilianer aus dem Süden (Gaúcho) oder zentralen Mittelwesten (Sertanejo) durchgehen.

So lieferte die Doku alles in allem einen unterhaltsamen und informativen Eindruck von diesem Land, das denen, die noch nie dort waren, auf Anhieb erstmal völlig fremd erscheint.

In Brasilien ticken die Uhren anders, sagt Manu an einer Stelle. Da hat sie völlig recht. Aber wenn man sich erstmal eingelebt und eingegrooved hat, ist es einfach: Großartig. Spektakulär. Einzigartig. Sensationell.

Weitere Folgen folgen. Das Brasilien-Spezial gibt es auf RTL II Now auch online.

Mit allen 12 WM-Austragungsorten: Highlights Brasilien

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