Rio de Janeiro – Das Weltwunder

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Rio de Janeiro – wen überkommt beim Lesen und Hören dieses Namens nicht ein wohliges Gefühl voller wunderbarer Bilder im Kopf! Rio de Janeiro ist ein kollektiver Menschheitstraum, der selbst kleine Kinder infiziert. Sowas wie das Idealbild einer paradiesisch schönen Stadt in einem paradiesisch schönen Land.Nach sechsjähriger Abstinenz  habe ich dieser Cidade Maravilhosa, wie sie zurecht genannt wird, einen viertägigen Besuch abgestattet. Und ich muss sagen: Die Stadt und ihre Menschen haben mich wieder einmal umgehauen – diesmal so stark wie nie zuvor!

Ich lebe ja seit bald zwei Jahren in der Nähe von Paraty, an der südlichen Spitze des Bundesstaates Rio de Janeiro. Die gleichnamige Landeshauptstadt ist gar nicht so weit: 226 km, an der wunderschönen und gut ausgebauten Küstenstraße entlang eine entspannte Autofahrt von weniger als vier Stunden Dauer. Also eigentlich keine große Sache.

Dennoch habe ich lange gezögert, bis ich den schon lange gehegten Plan, die berühmt-berüchtigte Landeshauptstadt zu besuchen, in die Tat umsetzte. Ein nicht unerheblicher Faktor dabei war die Sicherheitslage in der Millionenmetropole, die laut Medienberichten und auch Augenzeugenberichten von Einheimischen ziemlich prekär zu sein scheint. Von einem regelrechten Ausbruch von Gewalt ist die Rede, von vielen unschuldigen Toten, von aggressiven Polizeieinsätzen in den Favelas und undundund. Auch wirtschaftlich soll Krise herrschen: viele alt eingesessene Lokale haben die Pforten geschlossen, die Staatskasse ist leer, öffentliche Einrichtungen wurden oder werden geschlossen. Das Image könnte aktuell schlechter nicht sein und soll bereits negative Auswirkungen auf den Tourismus haben.

Nun hatte sich aber im Laufe der Monate bei mir eine Liste von Dinge angesammelt, die ich unbedingt brauchte, um mit meinen Plänen voran zu kommen, hier in der Region aber beim besten Willen nicht auftreiben oder regeln kann. Das geht nur in solchen Metropolen wie Rio oder São Paulo (ebenfalls nur 300 km von mir entfernt).

Mein Auto war – nach etlichen ärgerlichen Verschleißerscheinungen und erforderlichen Reparaturen – nun im Großen und Ganzen endlich verlässlich reisefähig. Ich brauchte meinen Pickup, um eventuell größere Besorgungen problemlos nach Hause befördern zu können. Das Auto selbst wollte ich in der Stadt möglichst gar nicht nutzen, sondern an einem sicheren Platz am Stadtrand abstellen, um mich mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder anderweitig durch die Stadt zu bewegen.

Aber sollte ich das alles alleine tun? Ohne Hilfe?

No. Never. Trotz all meiner Erfahrung – oder gerade deswegen – habe ich Rio immer an der Seite von Einheimischen erkundet, die ihre Stadt eben wie ihre Westentasche kennen und dich an Orte führen, die in keinem Reiseführer stehen. Die aber auch wissen, wie man an die berühmten Orte kommt, ohne mehr als nötig dafür aufzuwenden. Insider eben.

Ich habe zwar in Rio einen langjährigen, persönlichen Kontakt. Aber ich wollte diesen Freund nicht mit meiner Anwesenheit behelligen, weil er zu beschäftigt ist (das würde er mir auf Anfrage niemals bestätigen und sich alle Zeit der Welt nehmen, mich zufriedenzustellen. Aber genau diese eigenlose Hilfsbereitschaft mochte ich nicht provozieren und ausnutzen!).

Im Idealfall wollte ich aber einen verlässlichen Begleiter dabei haben, der die Stadt und etliche Leute dort kennt und mir hilft, meine To-Do-Liste schnellstmöglich und effizient abzuarbeiten, um Zeit zu gewinnen, diese wunderbare Stadt bestmöglich zu erkunden.

Mein Wunsch-Begleiter – mein inzwischen bester brasilianischer Freund hier in meiner Nachbarschaft – hatte kurzfristig ein offenes Zeitfenster von einer Woche, um mich (auf meine Kosten, versteht sich) nach Rio zu begleiten. Dort hatte er wiederum einen alten Schulfreund, der ganz versessen darauf war, uns zu treffen und uns seine Stadt zu zeigen.

Der Deal war perfekt und wurde sofort in die Tat umgesetzt!

Anreise – Von Taquari nach Jacarépaguá

Am Mittwoch, den 18. September 2019, brachen wir morgens von unserem Zuhause in Taquari Richtung Rio auf. Das Wetter war wunderbar sonnig, die Aussichten für Rio ebenfalls perfekt: sonnig, aber nicht zu heiß, teilweise bewölkt.

Ich hatte zuvor kurzfristig über Airbnb eine private Unterkunft am südlichen Küstenende von Rio de Janeiro gebucht: ein Apartment mit zwei Zimmern mit jeweils zwei Betten (bzw. Doppelbetten) in einem Condomínio (Wohnblock) mit kostenlosem, sicheren Parkplatz und WLAN. Entfernt genug vom Zentrum, um mich nicht in den Verkehr stürzen zu müssen, aber nah genug, um schnell und einfach an die Orte zu kommen, wo ich meine Besorgungen machen konnte, nämlich in dem schicken Viertel Barra da Tijuca, das eine gemeinsame, schier endlose Küste mit dem nachfolgenden Ipanema und Copacabana und Botafogo etc. hat. Ein sehr grünes Viertel, umgeben von Atlantischem Regenwald und dem Nationalpark da Tijuca.

Diese Region sollte diesmal meine Spielwiese werden, nachdem ich in früheren Jahren immer in Copacabana abgestiegen war (was eine sehr gute Option ist). Christusstatue und dergleichen kannte ich schon von früher, diese üblichen Tourismus-Attraktionen standen also nicht in meinem Fokus.

Gleich, nachdem wir unser Apartment gegen Mittag bezogen hatten, nahmen mein Freund und Begleiter und ich den Linienbus, um an den Strand zu kommen. Nach etwa einer Stunde Fahrt (meine Unterkunft erwies sich jetzt leider als etwas zu auswärtig, um gut erreichbar zu sein, mein Fehler) erreichten wir den Strand des südlichsten Viertels Recreio dos Bandeirantes und plumpsten mit einem Mal mitten hinein ins vitale Stadtleben. Wir staunten nicht schlecht, wie viele Brasilianer an einem gewöhnlichen Mittwochnachmittag seit Stunden offenbar nichts Wichtigeres zu tun hatten, als das Wetter und den Strand zu genießen. Es waren vor allem Einheimische, die hier abhängten, denn normale Touristen – geschweige denn aus dem Ausland – verlieren sich kaum hierher. Es war großartig und wir wussten, wir waren zur richtigen Zeit am richtige Ort!

Wir genossen den Rest dieses wundervollen Anreisetages, indem wir entspannt den Strand entlangschlenderten, mal hier mal dort Halt machten, um zu gucken, zu fotografieren oder einfach ein kaltes Bier zu trinken.

Gegen 18 Uhr ist es in diesen Breiten jedoch schon dunkel, also kam unweigerlich die Stunde, wo wir und alle anderen ihre Heimfahrt anzutreten hatten.

Die erwies sich für uns als schwieriger als gedacht, was auf einer Fehlinformation unseres ersten Busfahrers beruhte. Es war außerdem dichter Feierabendverkehr, die Busse kamen, wie die Verkehrslage es eben zuließ: ohne Fahrplan, mal öfter, mal weniger, mal gar nicht.

Ich war drauf und dran, endlich ein Taxi oder das viel beliebtere, weil günstigere Uber zu nehmen (war allerdings beides zu unserem Ziel zu teuer), da tauchte endlich unser Bus auf. Der erste war jedoch so pickepackevoll, dass wirklich niemand mehr hineinpasste! Glücklicherweise kam der zweite gleich im Gefolge. Zwar war auch dieser sehr voll, aber immerhin noch betretbar. Eng an eng standen wir im Flur und erlebten eine fröhliche, kommunikative Fahrgemeinschaft, die sich kontaktfreudig austauschte, ohne sich persönlich zu kennen. Sehr amüsant.

Wir kamen gut Zuhause an und machten uns sogleich bettfertig nach diesem wundervollen und trotzdem sehr anstrengenden Ankunftstag. Der nächste Tag sollte der Abarbeitung meiner To-Do-Liste gewidmet sein und weniger der Zerstreuung und dem Genuss dienen.

Zweiter Tag – Zona Sul

Eine meiner wichtigsten Anlaufstationen war von vornherein der einzige offizielle Apple Store in Rio de Janeiro im Shoppingcenter VillageMall. Mein Handy machte mir seit Monaten Probleme, ich brauchte unbedingt ein neues Aufladekabel sowie Kopfhörer. Außerdem funktioniert mein altes Mac Book Pro nicht mehr (ich nutze es schon länger nicht mehr), und ich wollte in Erfahrung bringen, ob sich da noch irgendwas machen ließe. Das alles war nur vor Ort zu erfahren und zu machen. Ein Termin war nicht nötig, wie ich im Vorfeld über die nationale Hotline erfahren hatte. Brasilien ist ein sehr serviceorientiertes Land und ein Mitarbeiter wird i.d.R. immer alles in seiner Macht stehende tun, deine Wünsche bestmöglich zu erfüllen. Ein riesiger Kulturunterschied zwischen Deutschland und Brasilien!! Ich könnte von unzähligen solchen persönlichen und positiven Erlebnissen berichten!!

Entgegen meiner vorherigen Absichten nahmen wir dafür doch das eigene Auto, weil die Möglichkeiten des öffentlichen Nahverkehrs sich als zu ungünstig erwiesen hatten, wir nun eine allgemeine Orientierung hatten und die Unhandlichkeit meines alten Laptops für den Rucksack nicht geeignet war.

Mein Begleiter stand unterdessen in engem Kontakt mit seinem alten Schulfreund, der sich den ganzen Tag frei genommen hatte, um uns durch die Stadt zu führen. Es musste ein geeigneter Treffpunkt zu einer vereinbarten Zeit gefunden werden, was sich als kompliziert erwies, weil sich nicht abschätzen ließ, wie lange es dauern würde, bis wir vor Ort wären und meine Aufgaben erledigt seien.

Außerdem vertrauten wir fahrlässig den Anweisungen des GPS von Google Maps, das ich wie die meisten Brasilianer nahezu ausschließlich nutze und generell sehr verlässlich ist – leider aber nicht in einer Großstadt wie Rio, wo der kürzeste oder schnellste Weg nicht unbedingt der Beste ist. Weil er dich nämlich in oder durch Viertel führt, die als unsicher gelten, weil Favela, Armenviertel.

Genau das passierte uns auch, obwohl mein Begleiter eine bessere Ortskenntnis hatte als ich. Der Navi forderte uns auf, die große Magistrale zu verlassen und in ein Viertel einzubiegen, das schon seiner bloßen Erscheinung nach dem einer Favela glich: unverputzte Fassaden, Müll und zwielichtige Gestalten auf den Straßen. Ein anarchisches Chaos, in dem aber  eine Menge Energie haust, und die ist knallhart und extrem realistisch.

Ich bin schon oft in solchen Vierteln gewesen, habe dort sogar gewohnt und Freunde und Verwandte (dank meiner brasilianischen Ex-Frau) besucht. Ist also durchaus etwas Normales in Brasilien. Aber für Fremde, Unbekannte, Auswärtige ist das ein Minenfeld, in dem man wissen muss, wie man sich bewegt. Wenn man es weiß, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass du ohne Probleme passieren kannst und darfst. Das kommt ganz darauf an, wie respektvoll du dich verhältst.

Wir bogen also in das Viertel ein, das dank eines großartigen Filmes eine zweifelhafte Weltberühmtheit erlangt hat: In die

Cidade de Deus (City of God)

Die Einfahrt umkreiste einen runden Platz, an dem man sogleich sein Auto parken konnte. Wir hielten und mein Begleiter stieg sogleich aus dem Wagen, um Anwohner und Passanten nach dem richtigen Weg zu fragen. Sogleich fand sich ein Arbeiter, der uns beruhigte und sagte, wir könnten gefahrlos den GPS-Anweisungen folgen und die Favela passieren, um auf dem kürzesten Wege die Shoppingmall zu erreichen. Wir sollten jedoch langsam fahren, das Warnblinklicht einschalten und die Fensterscheiben herunterlassen. Das ist der Code, der für Auswärtige und Verwirrte/Verirrte Autofahrer innerhalb egal welcher Favela in Brasilien gilt:

  • Fahre langsam
  • schalte die Scheinwerfer auf Standlicht
  • schalte das Warnblinklicht an
  • fahre die Scheiben herunter
  • sei aufmerksam!
  • sei höflich!
  • sei freundlich!
  • Du wirst beobachtet!!

Wenn man das weiß, kann man also ganz entspannt in den Rachen des Löwen fahren. Trotzdem rate ich jedem Ausländer und Unwissenden dringend davon ab, es unbegleitet und unvorbereitet darauf ankommen zu lassen. Kommunikation ist ein sehr komplexes Konstrukt. Und ein kleines Missverständnis reicht, um dich das Leben zu kosten.

Also nur in kundiger Begleitung!!!

Trotz unserer gemeinsamer Erfahrung kamen Mario Jorge und ich an einen Punkt, der uns nicht gefiel. Er war zu unübersichtlich und die Straße nicht asphaltiert und mit Schlaglöchern übersät. Wir machten kehrt und fuhren zur Magistrale zurück, die uns in einem größeren, aber dafür komfortableren Bogen an den gewünschten Ort führte. Die Beschilderung war gut und beschränkte sich auf das Notwendige an strategisch optimalen Stellen. Es war später Vormittag. Die Straßen frei. Der Verkehr floss wie das Blut in einem gesunden Herzen. Auch ein Grund, wieso ich Brasilien so liebe. Weil es so pragmatisch organisiert ist – indem es sich dem Mantra unterwirft, dass sich möglichst alles in einem reibungslosen Fluss befinden sollte. Und wenn man diesen Vibe und Groove Brasiliens in sich aufgenommen hat (was mir Gott sei Dank schon bei meinem allerersten Besuch gelang) dann ist Brasilien ein geradezu unfassbar beschwingtes perfektes Vorbild, wie man ein Land von solch unfassbar großen Dimensionen dennoch ziemlich gut und angemessen administrieren kann, ohne die Freiheit zu sehr einzuschränken und ohne das dringend Notwendige zu vernachlässigen und zu unterlassen.

Angesichts der riesigen Fläche ist es dem Staat gar nicht möglich, in allen Regionen präsent zu sein. Und das ist durchaus gut so. Denn zuviel staatliche Präsenz – wie wir sie in den großen Industrienationen kennen – kann einem auch gehörig auf den Zeiger gehen, weil sie ständig deine persönlichen Pläne durchkreuzt und im Keim erstickt. Der Mangel an Entfaltungsfreiheit ist es, der mich – trotz aller Privilegien und Möglichkeiten – aus Europa und insbesondere Deutschland vertrieben hat. Kleinere, persönliche Projekte zu realisieren, ohne dass dir der Staat ständig Steine in den Weg legt, sind in unserem ach so fortschrittlichen und bürokratischen und wohlfahrtsstaatlichen Deutschland nahezu unmöglich, weil du für jeden Scheiß eine Genehmigung oder einen Businessplan oder eine Lizenz oder sonstwas brauchst. Vor allem Kapital. Ohne Kapital kannst du gleich einpacken. Und das bisschen Geld, dass du mühsam zusammengekratzt hast, um wenigstens klein anfangen zu können, nimmt dir der Staat weg, bevor du es überhaupt ganz investiert und überhaupt einen Gewinn erzielt hast!!

Das ist für mich das Kernproblem in unserem ach so fortschrittlichen und modernen Deutschland! Wir haben uns viel zu lange auf den Lorbeeren ausgeruht und gedacht: „Was soll’s? Mir geht’s doch gut. Soll’n die anderen jammern. Was geht mich das an?“

Augen zu und so tun, als wäre das alles normal und als gingen einen die globalen Probleme nichts an.

Tun sie aber. Denn sie haben am Ende unmittelbare und direkte Auswirkungen, auch wenn sie wie bei einer Welle zeitverzögert eintreffen, weil es ja angeblich so weit weg ist. Ist es aber nicht. Das alles geschieht gewissermaßen vor unserer Haustür. Und es wird dich betreffen, ob es dir nun passt, oder nicht.

In Brasilien habe ich mich von der ersten Minute an, als ich 2002 diesen Boden zum ersten Mal betrat, unfassbar befreit gefühlt.

Bei allen realen und tatsächlichen und unbestreitbaren Problemen (die es überall auf der Welt gibt) haben Brasilien und seine Bewohner eine Art gemeinsamen Vibe, der einen sehr mitreisst, wenn man ihn spürt und sich mitnehmen/entführen lässt.

Diese Vibes haben mich auf all meinen Reisen und Besuchen begleitet und mich an so viele spektakuläre Orte geführt, dass ich unzählige Bücher darüber schreiben könnte. Aber wen interessiert’s? Jeder hat so seine eigene Lebensreise vor Augen und befindet sich in einem komplett anderen Film.

Mein persönlicher Film ist, seit ich hier lebe, eine nicht enden wollende Wunder- und Abenteuergeschichte, die mich jeden Tag auf’s neue überrascht und verblüfft und unfassbar dankbar werden lässt für alles, was ich hier Großartiges erleben darf.

Nach etlichem Hin und Her fuhren wir endlich in das Parkhaus des extrem schicken ShoppingCenters VillageMall in Barra da Tijuca ein. Es liegt wie viele andere bekannte ShoppingMalls wie Barra Shopping an der Avenida das Americas, der wichtigsten Tangente des Viertels.

Der Apple Store war schnell gefunden und meine Probleme schnell und effizient gelöst. Der Service war gut und professionell. Mit meinem alten Laptop konnten sie mir allerdings nicht weiterhelfen und verwiesen mich auf einen spezialisierten und lizensierte Laden auf der anderen Straßenseite, der mir eventuell weiterhelfen könne. Das Problem sei aber generell die Nicht-Verfügbarkeit der entsprechenden Ersatzteile.

Für diesen Fall hatte ich aber schon Plan B parat, dass das Case bitte geöffnet werde und die darin befindliche Festplatte mit meinen Daten herausgenommen werde, damit ich Zugriff auf sie bekäme.

Gesagt, getan. Marios Schulfreund tauchte auf und begleitete uns spontan zu dem Laden, der in der Tat nicht mehr garantieren konnte, als die Festplatte zu entfernen und mir alles auszuhändigen Es wurden maximal zwei Arbeitstage dafür angesetzt. Es war Donnerstag. Also bis Samstag, dem Tag der geplanten Abfahrt, wäre das Problem gelöst!

Ich war euphorisch und Marios Schulfreund führte uns in meinem Auto zu seinem Kleinwagen auf dem Parkplatz von Barra Shopping, wo wir meinen Wagen zurückließen und in seinen einstiegen, um den Rest des Tages – es war gerade Mittagszeit – zum Sightseeing zu nutzen!

Monclar erwies sich als der beste Guide, den man sich vorstellen kann: Einheimischer Carioca, der die Stadt wie seine Westentasche kennt, viele Geschichten erzählen kann und ein spannendes Berufsleben in vielen wichtigen Positionen vorzuweisen hat. Ein anregender Gesprächspartner – wenn man Portugiesisch kann! Denn der Mangel an Fremdsprachenkenntnissen betrifft leider auch die brasilianische, „gebildete“ Elite. Englischkenntnisse sind oft bestenfalls rudimentär vorhanden und erschweren zwangsläufig die entspannte internationale Kommunikation.

In meiner Begleitung wird jedoch ein Dreamteam daraus! Denn Monclar hat noch viel mehr zu bieten, als das, was wir in der zur Verfügung stehenden kurzen Zeit bewältigen konnten!

Was wir trotz der zeitlichen Begrenzung dennoch innerhalb von 48 Stunden abgeklappert haben, gleicht einem Husarenritt über’s Meer! Das war nur möglich, weil wir einen so ortskundigen und erfahrenen Guide an unserer Seite hatten wie Monclar. Mario und ich hätten das niemals geschafft, zumal uns beiden diese Orte oder Zugänge unbekannt waren.

Am ersten Tag schafften wir es entlang der berühmten Strandpromenaden von Barra da Tijuca, Ipanema, Copacabana, Botafogo bis nach Urca, wo der berühmte Zuckerhut steht. In Urca erlebten wir einen spektakulären Sonnenuntergang mit Blick auf die Christusstatue. Hier die großartigen Bilder dazu:

Danach schafften wir es noch durch Lapa hinauf ins berühmte Künstlerviertel Santa Teresa, das man auch aus dem Animationsfilm Rio kennt, eine Kopfsteinpflasterstraße, auf der eine Straßenbahn hinaufzuckelt… O Bondinho, wie der Volksmund sagt.

Auf der obersten Anhöhe des Hügels thront ein berühmtes Haus, dessen Ruine zu einem Aussichtspunkt modernisiert worden ist und nun den Parque das Ruínas beherbergt, ein für Konzerte, Events und Ausstellungen bereitstehender Platz. Die Ruine beherbergte früher einmal ein berühmtes Bordell, in dem die Zucker-, Kaffee- und sonstigen Barone ihren luxuriösen Sünden frönten.

Der Ausblick von oben über die Stadt ist wirklich spektakulär (und kostenlos).

Es wurde dunkel und wir traten den Heimweg an, nicht ohne unten im Künstler- und Bar-Viertel wenigstens für ein paar entspannte Minuten die Atmosphäre zu genießen.

Wir mussten im Feierabendverkehr zurück zu unserem Auto am anderen Ende der Stadt. Der Weg war weit, aber mit Monclar am Steuer schnell bewältigt, wobei er uns immer mal wieder kurz aussteigen ließ, um eine bestimmte Straße entlangzuschlendern oder eine Attraktion aus der Nähe zu betrachten. Als wir endlich am Barra Shopping eintrafen, bestiegen Mario und ich mein Auto und folgten Monclar, der uns zumindest bis zur Estrada dos Bandeirantes lotsen wollte, wo der Rest ohne seine Hilfe zu bewältigen war. Aber selbst er als Ortskundiger und mit GPS ausgestattet wurde mehrmals in die Irre geleitet. Was mir wieder einmal bewies, dass Rio für Nicht-Ortskundige ein wirklich herausforderndes Pflaster ist. Wenn man sich auskennt, ist alles okay. Die Straßen sind sehr gut ausgebaut, die Beschilderung effizient, die Polizei an allen Verkehrsknotenpunkten präsent. Ich habe mich in dieser kurzen Zeit jedenfalls extrem sicher und gut aufgehoben gefühlt. Aber bitte: Nicht nachmachen!! Nur mit ortskundiger Leitung!!

(Die Monclar und ich natürlich jedermann/-frau anbieten, wenn der Preis stimmt. Einfach eine Mail an parabenstv〈at〉gmail.com, und wir können miteinander ins Gespräch kommen. Ich spreche Portugiesisch, Spanisch, Englisch und natürlich Deutsch. Mein Französisch ist eingeschlafen, aber könnte u.U. wiedererweckt werden.)

Endlich in unserem Apartment angekommen, fanden wir jetzt überhaupt erst Zeit, eine Mahlzeit zu uns zu nehmen. Lediglich am Zuckerhut hatten wir vorher einen kurzen Imbiss eingenommen, der extrem gut und günstig war. Das bleibt aber unser Geheimtipp, der künftigen Gästen vorbehalten bleibt (wie viele andere auch).

Dritter Tag – Niterói

Auch der nächste Tag stand im Zeichen einiger Besorgungen, doch das Wichtigste war bereits erledigt und so konnten die anderen Dinge gewissermaßen auf dem Weg erledigt werden.

Monclar holte uns am Vormittag vor unserer Unterkunft mit seinem spritzigen Kleinwagen ab und führte uns über die kilometerlange Brücke hinüber ans andere Ufer, nach Niterói, das vor allem wegen seiner architektonischen Monumente von Oscar Niemeyer berühmt ist.

Die Videos sprechen für sich und dokumentieren unseren zweiten, kompletten Besuchstag vom 20. September 2019.

What a beautiful Day! What a beautiful Life! What a beautiful Trip!!

Wir wollten bis Montag verlängern, doch das Wetter wurde schlecht, mein Auto zeigte Macken, wir fanden kurzfristig keine passende Unterkunft. Und so brachen wir wie geplant am Samstagmittag nach Hause auf, nachdem wir meinen alten Laptop abgeholt und in Barra Shopping zu Mittag gegessen und ein paar letzte Besorgungen gemacht hatten.

Alles war wunderbar gelaufen und so kamen wir heil und glücklich wieder in Paraty an. Voll von neuen Eindrücken, Erlebnissen, Kontakten und Dankbarkeit.

Rio hat für mich seinen vermeintlichen Schrecken verloren und ich bin tief beeindruckt, was für eine tolle und lebenswerte und kennenlernswerte Weltstadt das doch ist! Parabéns!!

(Wer etwas Ähnliches erleben will, kann mich gerne über Mail kontaktieren: parabenstv 〈at〉gmail.com)

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