Rechts und Links

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Also, ich bin ja Linkshänder, oder -händler oder wie das heisst? Falls das irgendwas zur Sache beiträgt. Ich mache ja alles andersrum und gehöre damit zu einer kleinen Minderheit der Menschheit, der man aber immerhin besondere Fähigkeiten zuspricht. Als Grundschüler hat mich meine Linkshändigkeit kurz irritiert, als mein Klassenlehrer ankündigte, dass wir jetzt Rechtschreibung machen würden. Ich fragte ganz entsetzt, ob das für mich denn möglich sei, wo ich doch Linkshänder sei!! Er konnte mich aber ad hoc beruhigen, indem er mir erklärte, dass das eine mit dem anderen nichts zu tun habe. Ich beruhigte mich wieder und begann nach fünfjähriger Kindheit in Spanien als achtjähriger Junge, die deutsche Sprache in Wort und Schrift zu beherrschen. Bei der gegenwärtigen gesellschaftlichen Debatte um Rechts oder Links scheint eine ähnliche Sprachverwirrung zu herrschen.

Der Deutsche Bundestag hat gestern selbst im dritten Anlauf die Kandidatin Mariana Harder-Kühnel der als rechts-konservativ bis rechts-extremistisch eingestuften AfD zur Bundestagsvizepräsidentin mit überwältigender Mehrheit abgelehnt. Der Tagesspiegel aus der Hauptstadt Berlin fasst es so zusammen:

Die 44-Jährige bekam am Donnerstag in geheimer Abstimmung nur 199 Ja-Stimmen, 423 Abgeordnete votierten gegen sie, 43 enthielten sich. Im dritten Wahlgang wäre nur die Mehrheit der abgegebenen Stimmen nötig gewesen. In den beiden vorausgegangenen Wahlgängen war die absolute Mehrheit der 709 Bundestagsabgeordneten nötig.

„Linke“ (Ex-PDS, Grüne, SPD) und Konservative (CDU/CSU) sowie Liberale brüsten sich damit, die gemäßigte Vertreterin der AfD-Fraktion abgeschmettert zu haben und feiern sich als Frontkämpfer der Freiheit, der Rechtsstaatlichkeit und des Widerstands gegen Rechts! #NazisRaus !

Ich bin ja auch gegen Nazis. Ich kann mit Rassisten nichts, aber auch rein gar nichts anfangen. Das sind Leute, die irgendwo hängen und zurückgeblieben sind und irgendwie gar nicht checken, wie die Welt tatsächlich ist oder es einfach nicht akzeptieren wollen.

Sie hat sich geändert. Rasant. Wir leben im Jahr 2019, nicht 1900 und irgendwas!

Diese sogenannte „rechte“, nationalistische Bewegung, die wir weltweit beobachten können, möchte mit aller Gewalt und ohne Rücksicht auf Verluste in eine Zeit zurück, wo die Frau sich um Kind und Küche kümmert, alles heile heile und kitschig schön ist, wo es keine Schwule und Lesben gibt, keine Party, wo jedes abweichende Verhalten mit Folter oder dem Tode bestraft werden darf!

DAS ist doch der Kern des Faschismus, der menschenverachtend, lebensfeindlich ist, weil er sich in großer Intoleranz und Ignoranz zur Vielfalt auf dieser Welt verhält!

„Sozialisten“ sind dagegen schon seit jeher mehr auf internationale Brüderlichkeit und das Gemeinwohl aus. Sie wollen, dass es allen gut geht, nicht nur ein paar wenigen. Sie wollen, dass der vorhandene Reichtum fair und gerecht verteilt wird. Denn dieser Planet mit all seinen natürlichen Ressourcen gehört uns nicht! Wir haben ihn alle (vom Schöpfer, dem Zufall oder was oder wem auch immer) geschenkt bekommen.

Niemand von uns ist mit irgendeinem Besitz (den er sich selbst erarbeitet hätte) auf die Welt gekommen als dem eigenen Leben. Und genau so wird ein jeder von uns diese Welt auch wieder verlassen, wohin auch immer!

Von daher ist es absurd, dass unser Planet heute sich nur im Besitz einiger Weniger befindet, die über unser aller Köpfe hinweg nur ihre eigenen egoistischen, strategischen Interessen verfolgen.

Wobei ich beileibe nicht alle Reichen/Wohlhabenden/Mächtigen über einen Kamm scheren will. Im Gegenteil. Viele sind völlig zurecht und aus eigener Kraft zu diesem Reichtum und Einfluss gekommen, weil sie einfach das Richtige zur richtigen Zeit gemacht haben. Davor habe ich größten Respekt. Viele der Reichen sind einfach ihrer Leidenschaft gefolgt und haben sich nicht im Mindesten Gedanken darüber gemacht, ob und wann sie damit jemals reich werden würden. Sie hatten teilweise einfach Glück, dass das, was sie mit Liebe machten, auch anderen gefiel.

Nicht jeder hat dieses Glück. Im Gegenteil. Das Leben ist für die Meisten ein Überlebenskampf, daran kann man nicht rütteln. War allerdings schon immer so, hat sich über die letzten Jahrzehnte aber auch schon enorm verbessert.

Es ist, wie immer, kompliziert, und je nach Perspektive stellen sich dieselben Dinge völlig unterschiedlich dar.

Die Fähigkeit, sich in andere hineinversetzen zu können, Empathie und Mitgefühl zu zeigen, ist zweifelsfrei die herausragende Eigenschaft, die einen Menschen überhaupt erst zum wahren Menschen macht! Menschen, die keine Empathie besitzen sind arme Schweine. Schlimmer noch. Sie sind noch unterhalb der Tier- und Pflanzenwelt anzusiedeln, denn die ganze Natur ist voller Gefühle und Sinne, selbst die schäbigste Küchenschabe ist da sozialer eingestellt.

Es gibt keinen Anlass, seinen Mitmenschen mit Hass und totaler Ablehnung zu begegnen, solange der andere das auch unterlässt.

Und wenn ich jemanden (aus guten Gründen) für so unerträglich halte, dass ich seine Gegenwart nicht ertrage, dann separiere ich mich entweder von ihm oder wenn er trotzdem nicht nachlässt, muss man eben zu härteren Maßnahmen greifen.

Zu Gewalt muss man nicht aufrufen, die bricht von ganz allein aus, wenn eine gewisse Grenze überschritten ist. Und so wie die Debatte zwischen links und rechts inzwischen geführt wird, fehlt ja nicht mehr viel, bis das Fass zum Überlaufen kommt und der Dampf im Kessel explosionsartig entweicht. Das sind Gesetze der Dynamik, die auch in komplexen Gesellschaften gelten.

In welche Richtung auch immer sich das Ganze bewegen wird, aufzuhalten ist es von uns Einzelnen nicht, nur von der Masse.

Wenn also alle anfangen, verbal mal abzurüsten, nicht gleich jeden als Nazi oder Sozialist beschimpfen, sondern einfach das tun, was getan werden muss, um die gegenwärtigen Probleme der Welt sachgerecht und pragmatisch zu lösen, dann ist das möglich.

Es müssen  nur alle mitmachen. Jeder auf seine Weise. Es muss nicht viel sein, oft reicht schon ein Lächeln, ein Gruß, ein freundliches Wort, eine Aufmerksamkeit. Nicht rumschreien und hetzen und Lärm machen, sondern einfach die Klappe halten und sich produktiv und konstruktiv einbringen.

Es ist so simpel, dass ich mich frage, wie verstrahlt die Menschheit eigentlich schon ist, dass wir es nicht schon längst alle so handhaben?

Es kostet doch nichts!

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