Rangliste der populärsten Staats- und Regierungschefs auf Twitter

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Obama is king. Kein anderer Politiker weiß den Kurznachrichtendienst Twitter so gut zu nutzen wie der wiedergewählte US-Präsident. Kein Politiker hat so viele Follower. Immer mehr Politiker haben dieses spezielle Nachrichten-Netzwerk für sich entdeckt. Drei Viertel der Staats- bzw. Regierungschefs unterhielten 2012 einen persönlichen oder offiziellen Account, hat  das Washingtoner Digital Policy Council nun ermittelt. Im Jahr zuvor war es nur jeder Fünfte.

Fore more years twitterte US-Präsident Obama am 7. November um 5:16 Uhr nach einer langen Wahlnacht zusammen mit einem Foto, auf dem er seine Frau Michelle innig umarmte. Er war somit der erste, der die Nachricht von seinem Sieg exklusiv in die Welt hinausschickte.

Der Tweet mit dem Foto wurde über 819.000 Mal von anderen retweetet und fast 305.000 Mal favorisiert. Obama hat heute über 25 Millionen Follower allein auf Twitter. (Für Twitter-Unkundige: Über 25 Mio. Nutzer des Dienstes folgen seinem Profil und erhalten somit alle seine Mitteilungen auf ihrer eigenen Startseite. Diese Kurznachrichten können die jeweiligen Follower dann wiederum an ihre eigenen Follower weiterschicken/retweeten, als wichtig markieren/favorisieren oder dem Absender antworten.)

Betrieben wird der Obama-Account von seinem Wahlkampfteam. Gelegentlich schreibt der Chef auch selbst. Der Tweet ist dann mit -bo gekennzeichnet. Über 8000 Tweets wurden seit Beitritt im Mai 2007 verschickt.

Seit 2009 untersucht das us-amerikanische Digital Policy Council die Präsenz von Politikern auf dem Kurznachrichtendienst. Auf Basis der Anzahl der jeweiligen Follower hat der Thinktank eine aktuelle Rangliste der Staats- und Regierungschefs erstellt.

Ein sogenannter Klout-Wert zeigt darüber hinaus, wie hoch die Durchschlagskraft des Twitterers in der sozialen Netzwelt ist. Obama hat hier den Top-Wert von 99 von 100 möglichen Punkten.

Aussagen über die Inhalte der Tweets macht die Untersuchung nicht.

Auch so ist die Rangliste interessant. Es ist schon erstaunlich, wen man unter den Top-Ten der politischen Top-Twitterer so findet.

Gleich an zweiter Stelle, allerdings mit deutlichem Abstand, rangiert Venezuelas Staatschef Hugo Chávez. Die Gallionsfigur der Sozialisten hatte im Dezember 2012 etwas über 3,8 Millionen Follower. Seit dem 2. November hat der schwer krebskranke Anti-Imperialist allerdings nicht mehr getweetet. Ob er es jemals wieder tut, scheint angesichts seines kritischen Gesundheitszustandes derzeit fraglich.

Unter den Top-Ten befinden sich gleich fünf Staatschefs aus Lateinamerika.

Brasiliens Präsidentin Dilma rangiert mit 1,75 Millionen Followern stabil auf Platz 6. Ihre Amtskollegin aus Argentinien Cristina Kirchner folgt gleich auf Platz 7 mit 1,46 Millionen Followern.

Es folgen Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos und Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto.

Zwischen diesen und Hugo Chávez rangieren auf Platz 3 der türkische Präsident Abdullah Gul, auf 4 die jordanische Königin Rania und auf 5 der russische Ministerpräsident Medwedew.

Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel hat keinen eigenen Account. Sie lässt seit Mai 2011 aber ihren Regierungssprecher Seibert twittern. Der hatte Ende 2012 knapp 82.000 Follower und rangiert damit auf Rang 36 weltweit.

Seibert hat seit Beitritt über 3000 Tweets verbreitet und eine Durchschlagskraft von 80.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück ist mit seinem Wahlkampfteam erst seit dem 8. Dezember 2012 dabei, hat seitdem über 10.000 Follower eingesammelt. Damit würde er sich (wäre er Regierungschef) nach heutigem Stand auf Platz 61 der Rangliste einordnen, zwischen Ugandas Präsident Museveni und Estlands Präsident Toomas Hendrik Ilves.

Dass die lateinamerikanischen Führer auf Twitter so populär sind, wertet das Digital Policy Council als Zeichen dafür, dass die lateinamerikanischen Internetnutzer die Sozialen Medien schnell angenommen haben. 90 Prozent der Internetuser aus dieser Weltregion seinen 2012 in mindestens einem Netzwerk aktiv gewesen.

An anderer Stelle hatte ich ja schonmal darauf hingewiesen, dass die Sozialen Netzwerke in Brasilien rasante Wachstumsraten aufweisen. Die größte Volkswirtschaft der Region rangiert bei der Anzahl seiner Nutzer sowohl bei Facebook wie bei Twitter inzwischen auf Platz 2 weltweit.

Mit der reinen Präsenz ist es für einen Promi allerdings nicht getan. Man muss das Medium und seine Möglichkeiten auch zu nutzen wissen.

Wer Prominenten egal welcher Profession auf Twitter folgt, möchte das Gefühl haben, dieser Person persönlich näher zu kommen und wenigstens gelegentlich exklusive Informationen und Einblicke aus erster Hand bekommen.

Immer nur andere für sich twittern zu lassen, schafft keine Nähe und somit auch keine Bindung. Zu schweigen, wenn wichtige Ereignisse passieren, die den Prominenten betreffen oder berühren sollten, ist ebenfalls schlecht. Durchsichtige Propaganda wird genauso bestraft.

Man muss dem Promi auch abnehmen, dass es ihn wirklich persönlich interessiert, mit seinen Followern zu kommunizieren. Ein hervorragendes Beispiel dafür ist der brasilianische Schriftsteller Paulo Coelho, der allein auf Twitter über 6,6 Millionen Follower hat.

Das Wichtigste ist – und das gilt für alle Sozialen Netzwerke – authentisch zu sein und einen gewissen Mehrwert zu bieten.

Viele deutsche Spitzenpolitiker, -sportler und sonstige Promis tun sich damit noch schwer.

Für mich persönlich ist Twitter eine ausgezeichnete Nachrichtenquelle. Indem ich bestimmten Personen und Institutionen folge, erhalte ich Informationen, die meinen speziellen Interessen entsprechen und die ich sonst nicht so schnell und leicht finden würde.

Meine eigenen Tweets halten sich in Grenzen und ich habe auch nicht den Ehrgeiz vieler anderer Twitter-Nutzer, möglichst viele Follower zu haben oder möglichst vielen Promis zu folgen.

Ein Promi bekommt natürlich dank seines Namens schneller viele Follower. Als Promi wenige Follower zu haben, dürfte auf Dauer eher imageschädigend sein. Da täte dann eine Analyse Not, woran das liegen kann.

Facebook setzt rasantes Wachstum in Brasilien fort

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