Passagiere beklagen Unsicherheit an Rio de Janeiro’s zentralem Busbahnhof

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Wer in den späten Abend- oder frühen Morgenstunden schonmal an Rio’s zentralem Busbahnhof Novo Rio war, kann das nachempfinden: 82 Prozent der Reklamationen von Passagieren beziehen sich auf ein mangelndes Sicherheitsgefühl in und um den stark frequentierten Umschlagplatz. Das ergab eine Erhebung des Consórcio Novo Rio, wie O Globo berichtet.

Viele Passagiere, deren Bus erst am späten Abend oder frühen Morgen abfährt, ziehen es laut dem Bericht daher vor, zu belebteren Zeiten am Bahnhof einzutreffen und dort, soweit möglich, bis zur Abfahrtszeit zu schlafen. Allerdings beklagen die Kunden, dass der Bahnhof kaum Komfort böte, um die Wartezeit angenehmer zu gestalten.

In Puncto Sicherheit beschwerten sich die Kunden vor allem über Crack-Abhängige, illegale Taxis, illegale Ticketverkäufer, Prostitution und Überfälle.

Rio’s Busbahnhof ist sowohl für Einheimische wie Touristen ein bedeutender Umschlagplatz, besonders zu Ferienzeiten und großen Events.

Im Hinblick auf die bevorstehenden sportlichen Großereignisse ist die Erhebung zum Busbahnhof von Rio also über Brasilien hinaus von Belang.

Größere Strecken kann man in Brasilien nur mit dem Auto, Überlandbus oder Flugzeug zurücklegen. Flugzeug ist für viele zu teuer, ein eigenes Auto erst recht. Bleibt also der Bus.

Und er ist nicht einmal das schlechteste Verkehrsmittel. Es gibt nämlich drei verschiedene Preis- und Komfortklassen:

  1. Convencional: Einfacher Bus ohne großen Komfort, i.d.R. ohne Klimaanlage.
  2. Executivo: Reisebus mit gepolsterten Sitzen und Klimanlage.
  3. Leito: Sehr komfortabler Reisebus mit breiten Sitzen (fast wie 1. Klasse im Flieger), deren Rückenlehne sich zum Schlafen komplett absenken lässt. Kühlschrank, Toilette, Kissen, Decken. Je nach Busunternehmen gibt es auch noch weitere Giveaways.

Wer in Brasilien also größere Strecken zurücklegen will oder muss, fährt mit einem Leito überaus bequem und sicher zu einem vergleichsweise günstigen Preis. Für sehr lange Strecken ist aber selbst der Leito nicht zu empfehlen, weil die Reisezeit einfach zu lang wird (24 Stunden und mehr).

In der Nähe des Busbahnhofs von Rio entsteht der Porto Olímpico, also der olympische Hafen für die Sommerspiele 2016.

Das wird das Bahnhofsviertel in Zukunft sicher verändern und aufwerten.

Das zuständige Konsortium für die Revitalisierung des Viertels stellt dem Bericht zufolge für Anfang des Jahres Maßnahmen in Aussicht, welche die Sicherheit an diesem Verkehrsknotenpunkt erhöhen sollen.

So sei im Gebiet des Olympischen Hafens ein Gelände auserkoren, auf dem demnächst eine Einheit für Öffentliche Ordnung (Unidade de Ordem Pública) stationiert sein könnte. Der Präsident des Konsortiums sagte gegenüber O Globo:

Ein temporärer Sitz für diese Einheit ist in der Nähe der Cidade do Samba (dem Karnevalszentrum, Anm. d. Verf.) bereits fast fertig. Zu Beginn des kommenden Jahres werden wir auf dem Gelände arbeiten, welches den Olympischen Hafen beherbergen wird und wo es einen großen permanenten Sitz geben wird, der von der Präfektur in der Nähe des Busbahnhofs genutzt werden kann.

Die Cidade do Samba liegt laut Google Maps 1,9 km vom Busbahnhof entfernt.

Auch sonst klingen die Worte des Präsidenten noch ziemlich vage.

Das Konsortium wollte laut Bericht die konkreten Sicherheitsbeschwerden der Kunden nicht kommentieren, verwies aber auf die 55 Überwachungskameras, die den inneren Bahnhofsbereich 24 Stunden überwachten, die 17 Wachleute sowie die Streifen der Militärpolizei.

Die Guarda Municipal wies darauf hin, dass sie zu Ferien- und Eventzeiten ein besonderes Sicherheitsschema anwende mit erhöhter Präsenz von Sicherheitskräften.

Die Brasilianer feiern in diesen Tagen ein verlängertes, sechstägiges Feiertagswochenende. Das sorge dem Bericht zufolge am Busbahnhof für insgesamt 403.000 Passagiere, 13.334 Busse seien im Einsatz mit 2.500 zusätzlichen Abfahrtszeiten.

Das ist natürlich auch eine Menge Holz und man kann sich vorstellen, was für ein Trubel an solchen Tagen am Busbahnhof herrscht.

Das gilt im Übrigen nicht nur für Rio, sondern für alle Städte, die über einen überregionalen Busbahnhof verfügen.

Ich habe solche Tage auch schon an diversen Busbahnhöfen in Brasilien erlebt. Und staunte nicht schlecht, wie schnell und verhältnismäßig pünktlich der Andrang abgefertigt wurde. Es ist ein kreatives Chaos, das an solchen Tagen herrscht. Und wenn irgendwas nicht so klappt, wie gedacht, findet sich trotzdem noch ein Weg.

Das ist eben dieses „sempre tem um jeito“, das so typisch ist für Brasilien.

Für Ortsfremde und ausländische Touristen, die der Sprache nicht mächtig sind, dürfte es dagegen ein Alptraum sein.

Der Bericht von O Globo erweckt den Eindruck, als seien die verantwortlichen Behörden und Stellen der Meinung, es werde bereits alles Notwendige getan.

Das ist aus der Entfernung schwer zu beurteilen. Nach meiner Erfahrung kann man sich in Rio’s Busbahnhof relativ sicher fühlen, wenn man seine Sachen im Blick behält. Sobald man ihn verlässt, sieht es allerdings schon anders aus.

Niemals sollte man auf die Idee kommen, das Gelände auf eigene Faust zu Fuß zu verlassen, schon gar nicht nachts. Wenn man niemanden kennt, der einen hinbringt oder abholt, sollte man definitiv ein Taxi nehmen.

Was den Komfort vor Ort angeht, entspricht er keinen modernen Maßstäben. Aber das tun (Bus-)Bahnhöfe in den meisten Teilen der Welt nicht. Dennoch würde es nicht schaden, hier mehr zu investieren. Schließlich ist ein Busbahnhof auch eine Visitenkarte und prägt den ersten touristischen Eindruck.

Brasilien sollte sich darauf gefasst machen, dass die Busbahnhöfe spätestens zu Zeiten der Fussball-WM 2014, eventuell auch schon des Confed Cup 2013, einen enormen Ansturm erleben werden. Ich habe aber auch keinen Zweifel, dass zumindest für die nötige Sicherheit gesorgt werden wird.

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2 Gedanken zu „Passagiere beklagen Unsicherheit an Rio de Janeiro’s zentralem Busbahnhof“

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