Mit Udo Lindenberg in der Waldbühne Berlin

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Gestern war ich in der Waldbühne auf dem ersten von zwei Udo Lindenberg Konzerten in Berlin. Tolle Location, perfektes Wetter, gute Stimmung, coole Truppe.

Um 20 Uhr sollte es losgehen, kurz nach 18 Uhr stand ich am Rand einer riesigen Menschentraube, die sich vor dem Haupteingang gebildet hatte.

Der Einlass dauerte schier endlose eineinhalb Stunden. Aber die Wartenden nahmen es überwiegend locker, viele waren noch älter als ich. Jungseniorentreff….

Absurd war, dass man keine Rucksäcke mit reinnehmen durfte, nur Taschen im DIN A 4 Format. Das sorgte für viel Unmut, Verwirrung und Unverständnis.

Das Konzert fing dann auch schon an, als ich gegen 20:15 Uhr meinen frei wählbaren Sitzplatz im dritten Rang einnahm.

Es war nett, das Wetter perfekt, alle gut drauf. Udo war cool wie immer und will noch mindestens 30 Jahre weiter rocken mit seiner Panikband.

Nun war ich ja nie ein großer Fan, aber ich kenne natürlich viele seiner Songs. Einer meiner liebsten ist Cello, weil ich selbst viele Jahre Cello gespielt habe.

Es war nett, ihn mal live erlebt zu haben, aber euphorisiert hat es mich nicht. Sowohl seine Sangeskunst als auch sein Talent als Pop-Poet sind ja etwas beschränkt (nicht, dass ich es besser könnte…).

Udos Texte sind schlicht und haben eine einfache Message. Aber gerade das macht ja wahrscheinlich auch seinen Erfolg aus. Einfach, gradlinig, nicht komplex. Lasst uns alle lieb zueinander sein in dieser bunten Republik. Udo ist der Präsident dieser Panik-Republik mit klarer politischer Haltung. Weg mit Nazis und diesen AfD-Rassisten!

Für viele im Publikum vertretende Ex-Ossis hat Udo natürlich nochmal eine ganz andere Bedeutung als für Wessis.

Udo war ein Politikum, an dem sich Stasi und Politbüro irgendwie die Zähne ausgebissen haben, weil er sie mit seinen Schmeicheleien und Spöttereien in ein Dilemma brachte: Verbieten oder erlauben? Das Volk wollte ihn definitiv und zweifelsfrei hören und wollte vom vermeintlichen Arbeiter- und Bauernstaat nicht bevormundet werden. WIR sind das Volk und WIR WOLLEN UDO!!!

Nun hat Udo also mit seinem Ufo und seinen Indianern auf seiner Panik Tour 2017 in der Waldbühne Zwischenstation gemacht. Alles davor sei nur Aufwärmen für Berlin gewesen, schmeichelte Udo dem Publikum. Aber das nehme ich ihm gar nicht ab. Wieso auch? Udo hat überall in Deutschland und darüber hinaus seine Fans. Im Publikum um mich rum saßen einige davon, für die Udo wohl eine tiefere Bedeutung hat. Aber ausgerastet ist keiner von ihnen. Wir sind ja auch schon erwachsen. Viele waren vermutlich wie ich vor allem aus Neugier gekommen, und um der Tatsache Rechnung zu tragen, dass Udo irgendwie ein Wegbegleiter in der eigenen Biografie war und ist. Und wer weiß, wann er wiederkommt? Und wie lange er noch so gut drauf ist?

Man weiß es ja nie. Aber dass er demnächst wegen Altersschwäche abnippeln würde, diesen Eindruck erweckte er bei Weitem nicht, auch wenn das aufregende Leben, Alkohol und Zigarren nicht spurlos an ihm vorübergegangen sind…

Darauf ein Eierlikörchen zum Gurgeln!

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