Jauchs Talkshow-Premiere in der ARD

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Günther Jauch feierte seinen Einstand als Talkshow-Moderator bei der ARD. Das Datum gab das Thema vor: 9/11. Und natürlich konnte er – wie er selbst schon im Vorfeld angekündigt hatte – „übernatürliche Erwartungen nicht erfüllen“.

Auch nicht meine. Schließlich habe ich in meinem Blog an anderer Stelle die Erwartung geäußert, dass er US-Präsident Obama wenn schon nicht im Studio dann doch wenigstens per Live-Schalte hat.

Statt dessen begann er die Sendung mit einem Einspieler über Mary Borders. Ihr Foto, das sie nach dem Einsturz der Twin Towers über und über mit Staub bedeckt zeigte, ging um die ganze Welt.

Wir erfuhren, dass sie erst jetzt, zehn Jahre später, ihr Leben wieder in den Griff bekommen hat, nachdem sie jahrelang den Drogen verfallen war.

Nach dem Einspieler war sie sogar im Studio, war für das etwa fünf Minuten währende Gespräch eigens aus New York angereist. Hatte zum ersten Mal seit damals einen Flieger bestiegen. Sie wird sich wohl im Nachhinein gefragt haben, ob es diesen Aufwand wert war.

Weitere Gäste waren:

  • Jürgen Klinsmann, der uns als Wahl-Amerikaner die Befindlichkeiten und Seelenlage der Amerikaner näher bringen sollte;
  • Literatur-Kritikerin und Kriegsgegnerin Elke Heidenreich;
  • Springer-Chef und Jauch-Nachbar in Potsdam Mathias Döpfner, der als Amerika-Freund vorgestellt wurde und vor etwa einem Jahr mal einen Artikel in Die Welt zum Thema Islamismus veröffentlicht hatte;
  • Peter Struck, damals SPD-Fraktionsvorsitzender im Bundestag, der noch immer zu seinem Satz steht, dass unsere Sicherheit (nicht Freiheit, wie er Jauch korrigierte) am Hindukusch verteidigt wird;
  • Jürgen Todenhöfer, entschiedener Gegner der US-amerikanischen Feldzüge.

Später wurde per Einspieler noch Tanja Menz vorgestellt, die Mutter eines im Afghanistan-Krieg getöteten deutschen Soldaten, die anschließend auch noch im Studio saß und Jauch mit ihrer lebensbejahenden Einstellung verblüffte und gegenüber dem Attentäter, der ihren Sohn getötet hatte, keinen Groll hegte.

Eine wirkliche Kontroverse kam nicht auf. Das Gespräch plätscherte so vor sich hin. Im Hintergrund konnte man ständig ein störendes Geräusch hören, das wie eine zu laute Klimaanlage klang. Vermutlich ist die Akustik in dem Schöneberger Gasometer, wo die Sendung gemacht wird, nicht so leicht zu handeln.

Jauch brachte das Ganze professionell über die Bühne und war überhaupt kein Fremdkörper in der ARD. Seine Betulichkeit passt sogar überraschend gut zu dieser gerontokratischen Institution. Positiv ist, dass die Dramaturgie der Gesprächsrunde durch mehrere Einspieler aufgelockert wurde.

Am Ende der Sendung lud Jauch die Zuschauer dazu ein, ihre Meinung per Mail an ihn zu schicken. Das ist doch reichlich altbacken in Zeiten des Web 2.0 !

Jauchs Talkshow-Premiere in der ARD

Ist Jauch wirklich so unambitioniert?

5 Gedanken zu „Jauchs Talkshow-Premiere in der ARD“

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