Jauch zeigt seine Klasse

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Multi-Talent Günther Jauch hat mit seiner gestrigen Sendung bewiesen, dass er auch Polit-Talkshow kann. Sein Gast war niemand geringeres als die Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Das Thema: Die Euro-Krise, die (In-)Stabilität der Koalition.

Ich möchte jetzt nicht nacherzählen, wie das ganze Gespräch im Einzelnen verlaufen ist (eine gute Zusammenfassung gibt es in der SZ).

Sondern möchte einfach nur festhalten, dass es Jauch gelungen ist, die komplexe Thematik so herunterzubrechen, dass Otto-Normal-Verbraucher dem Gespräch folgen konnte, ohne gelangweilt oder überfordert zu werden.

Jauchs schlichter Ansatz forderte seinen einzigen Gast dazu heraus, die Antworten ebenfalls so zu formulieren, dass Otto-Normal-Verbraucher sie versteht.

Jauchs Fragen waren einige Male so treffend und gut formuliert, dass er dafür sogar Szenenapplaus bekam.

Für die Zuschauer, für Jauch und für die Kanzlerin war die Sendung ein Gewinn. Die Kanzlerin konnte sicher bei vielen Zuschauern Vertrauen zurück gewinnen. Jauch hat bewiesen, dass er einer solchen Gesprächssituation mehr gewachsen ist als viele andere Talkshow-Moderatoren. Und die Zuschauer haben Einblick in die Entscheidungsfindungen der Kanzlerin bekommen und wichtige Zusammenhänge erklärt bekommen.

Das Einzige, was mir zu kurz gekommen ist, ist der am selben Abend zu Ende gegangene Papst-Besuch. Mich hätte schon sehr interessiert, ob und welchen Gewinn die Kanzlerin für sich aus der Begegnung mit dem Papst gezogen hat. Ob sie Beistand in dieser schwierigen Zeit von ihm erfahren hat. So hätte man den Talk beginnen können und wäre dann gleich beim eigentlichen Thema gewesen.


Ist Jauch wirklich so unambitioniert?

Jauchs Talkshow-Premiere in der ARD

3 Gedanken zu „Jauch zeigt seine Klasse“

  1. Für die Kanzlerin war es wie eine Regierungserklärung vor Millionenpublikum: Mit einem Auftritt bei Günther Jauch hat Angela Merkel die Euro Schicksalswoche eingeläutet, in der über den vergrößerten Rettungsschirm abgestimmt wird. Ihre Botschaft: Die Lage ist ernst, aber unter Kontrolle. Sodele, warum sollten wir das glauben. Wurde uns nicht auch versichert, dass wir nicht für die Schulden anderen zahlen sollen. Und nun zahlen wir für die Griechen, Italiener, Spanier, und und und. Ich glaube den Politikern nichts mehr.

    1. Die Zeiten ändern sich. Schließlich stand die Union auch einmal für Wehrpflicht und Atomenergie. Das hat die Kanzlerin doch ganz überzeugend dargelegt. Und sie hat diesen Konstruktionsfehler bei der Währungsunion, den sie nicht zu verantworten hat, eingestanden. Ausserdem hat sie doch recht überzeugend dargelegt, wieso es zur Gemeinschaftswährung keine Alternative gibt. Was fehlt, ist ein Instrumentarium, um Schuldensünder zur Verantwortung zu ziehen. Aber daran wird ja gearbeitet. Letztlich sind die Schulden der anderen in einer Währungsunion immer auch die eigenen Schulden – ob es einem passt, oder nicht. Daher werden am Ende des Weges auch die von manchen so verteufelten Euro-Bonds kommen. Allerdings erst, wenn ein Instrumentarium zur Durchsetzung der Euro-Interessen installiert ist.

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