Ist Jauch wirklich so unambitioniert?

Gasometer in Berlin-Schöneberg

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Gasometer in Berlin-Schöneberg
Jauch sendet ab September aus dem Gasometer in Berlin-Schöneberg

„Ich werde eine Sendung machen, in der Menschen sich vorzugsweise auf Deutsch unterhalten und dazu auf Stühlen mit je vier Beinen sitzen“, so Günther Jauch im aktuellen SPIEGEL-Interview. Er habe „keinerlei Ambitionen“, mit seiner ARD-Polit-Talkshow „alles auf den Kopf zu stellen“, so der Moderator weiter. Jauch stapelt tief. Sollte er wirklich so unambitioniert sein?

Ich kann es mir kaum vorstellen. Ich WILL es mir auch nicht vorstellen.

Klar: Auch ein so begabter und erfolgreicher TV-Mann wie Jauch kann das Genre Polit-Talkshow nicht neu erfinden. Denn allzu viele Variationsmöglichkeiten bietet dieses Format nicht.

Aber einfach nur mit den üblichen Verdächtigen im Halbrund sitzen und das Thema der Woche durchkauen – das kann’s ja wohl auch nicht sein. Von einem so gestandenen TV-Macher wie Jauch muss man mehr erwarten.

Ich hoffe, Jauch stapelt bewusst tief und will mit seinen Aussagen nur die überzogenen Erwartungen dämpfen, damit der eine oder andere zum Start der Sendung im September dann doch positiv überrascht wird.

Das wird nicht einfach. Das Maß aller Dinge ist dabei für mich die Sendung hart aber fair mit Frank Plasberg. Hier ist es gelungen, die Statik des Polittalks mit Einspielern und Zuschauerreaktionen zu durchbrechen und aufzulockern. Mit dem „Faktencheck“ wird ein zusätzlicher Service geboten, bei dem umstrittene Aussagen von Talkgästen nach der Sendung einer Prüfung unterzogen werden.

Dieses Konzept ist – auch dank der souveränen Anwendung durch Moderator Plasberg – so überzeugend, dass andere Talkshows wie Anne Will (ARD) und Maybrit Illner (ZDF) nicht umhin können, es in Ansätzen zu kopieren.

Für Jauch kann dieses Konzept freilich keine Blaupause sein, denn dann wäre seine Sendung nichts anderes als eine Kopie.

Dennoch braucht auch sein Format Elemente, welche die Starre einer reinen Talkrunde aufbrechen.

Es wäre sicher kein Fehler, wenn er sich dabei an dem Konzept von stern TV orientieren würde, einer Sendung, die er bekanntlich fast 21 Jahre lang moderiert hat.

Ich denke hier insbesondere an längere Einspieler, die mit Fallbeispielen und Hintergründen das aktuelle Thema ergänzen und beleuchten.

Auch eine Interaktion mit den Zuschauern sollte die Sendung bieten, ähnlich wie bei hart aber fair, nur noch intensiver:

Wir leben schließlich in Social-Media-Zeiten. Gerade junge Zuschauer wenden sich immer mehr vom klassischen Fernsehen ab, rufen ihre Lieblingssendungen oder Ausschnitte davon lieber über’s Internet ab und wollen interagieren und kommentieren.

Während hart aber fair nur in einem begrenzten Zeitfenster sein „Gästebuch“ öffnet, in das die Zuschauer während der Sendung ihre Fragen, Kommentare und Anregungen eintragen können, sollte Jauch in dieser Hinsicht neue Maßstäbe setzen. Sein „Gästebuch“ sollte permanent für die User geöffnet sein.

Zu guter Letzt erwarte ich von Jauch auch, dass er zumindest hin und wieder Gäste in seine Sendung bekommt, bei denen sich die Redakteure anderer Talkshows vergeblich die Finger wund wählen.

Für die erste Sendung wäre eine Angela Merkel ja wohl das Minimum.

Aber wie wär’s mit einem Barack Obama? Zumindest per Bild-Schalte?

(Würde ja auch perfekt zum Datum der ersten Sendung passen: 9/11.)

Dann würde ich voller Respekt den Hut ziehen…



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Jauchs Talkshow-Premiere in der ARD

8 Gedanken zu „Ist Jauch wirklich so unambitioniert?“

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