Goodbye Deutschland – Seit einem Jahr in Brasilien

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Heute vor genau einem Jahr bin ich in Brasilien gelandet, um für immer zu bleiben! Das Jahr ist sehr schnell vergangen, war sehr intensiv, aufregend und so überwältigend, dass es meine Planungen und Erwartungen mehr als übertroffen hat.

Ich landete in Belo Horizonte, der Landeshauptstadt des Bundesstaates Minas Gerais. Dort habe ich dank meiner Ex-Frau seit Jahren enge familiäre und freundschaftliche Bindungen und dort musste ich zunächst die letzten bürokratischen Angelegenheiten erledigen, um u.a. meine permanência (unbefristete Aufenthaltserlaubnis) zu bekommen.

Das ging schneller als erwartet und so hatte ich noch vor Weihnachten zehn Tage zur Verfügung, um definitiv zu klären, an welchem Ort in Brasilien ich mich dauerhaft niederlassen würde.

Jahrelang liebäugelte ich mit dem touristisch gut erschlossenen Porto Seguro im nordöstlichen Bundesstaat Bahia.

Doch nach meiner unfreiwilligen Rückkehr nach Deutschland nach einem gescheiterten ersten Versuch im vergangenen Jahr kam ich nochmal ins Grübeln. Ein vierwöchiger Aufenthalt im April 2017 in Porto Seguro hatte mir vor Augen geführt, dass die Konkurrenz bei Touristenunterkünften sehr groß ist und es außerhalb der Hauptsaison wenig Aussichten gibt, mit der Vermietung an Touristen genug Geld zu verdienen. Außerdem liegt Porto Seguro für internationale Touristen weit ab vom Schuss. Der Internationale Flughafen von Salvador da Bahia ist 700 km entfernt, Rio de Janeiro gar 1100 km!

Außerdem sind die Strände der Region zwar atemberaubend schön, aber damit hat es sich praktisch auch. Keine Wasserfälle, keine sonstigen Attraktionen.

Ich bin ja schon viel in Brasilien gereist und so besann ich mich in Deutschland der Region von Paraty, die ich im Jahr 2007 zusammen mit Frau, vier Monate altem Sohn und Mutter kurz besucht hatte: eine kleine Küstenstadt zwischen Rio de Janeiro und São Paulo, die mich mit ihrem kolonialen Stil an das wunderschöne Ouro Preto im Landesinneren von Minas Gerais erinnerte, darüber hinaus aber an der Küste liegt, über unzählige Strände, Inseln und Wasserfälle verfügt und sehr gut zu erreichen ist.

Diesem Paraty wollte ich nun einen Besuch abstatten, um vor Ort in Augenschein zu nehmen, ob er nicht besser sei, um sich mit touristischen Ambitionen niederzulassen.

Noch am Tag der Ankunft war die Entscheidung gefallen: Ja! Unbedingt!

Den Jahreswechsel verbrachte ich in Belo Horizonte, wo meine Ex-Frau mit unseren Kindern und zweitem Ehemann zu Besuch war.

Danach kehrte ich nach Paraty zurück, nun mit der Absicht, mich nach einer vorübergehenden Wohnung umzuschauen und zu klären, wo genau ich mich dauerhaft niederlassen möchte: in Paraty selbst oder in der Umgebung.

Ich baute mein Zwischenlager auf einem inzwischen nicht mehr existierenden Campingplatz im Ortsteil Jabaquara auf, der in der Nähe des einzigen halbwegs guten Stadtstrandes von Paraty lag.

Es war Hauptsaison, der Campingplatz war voll mit Dauercampern (die ich schon vom Dezember her kannte) sowie Kurzzeitcampern aus aller Welt, vor allem aus Südamerika. Es war sehr lustig und kurzweilig. Aber auch extrem heiß! Tagsüber war es auf dem Campingplatz nicht zu ertragen. Und der nahegelegene Strand brachte keine Abkühlung, weil das Wasser sehr flach und ruhig ist und daher warm wie eine Badewanne wird. Bei dem ebenfalls häufigen abendlichen Platzregen begann sich der Platz in eine Matschwiese zu verwandeln. Stechviecher feierten fröhliche Urständ.

Ich brauchte dringend eine feste Unterkunft, zumal in Kürze der Container mit Möbeln aus Deutschland im Hafen von Rio de Janeiro freigegeben werden sollte. Ich war auf dringender Wohnungssuche!

Schon bei meinem Besuch im Dezember hatte ich durch eine Zufallsbekanntschaft mit einem Einheimischen den 23 Kilometer entfernten Ort Taquari kennengelernt, der nicht nur über einen Strand verfügt sondern darüber hinaus über fünf Wasserfälle in Fußnähe. Hier war es selbst in der größten Hitze auszuhalten!

Mein neuer Freund, der selbst in Jabaquara lebt, dort einen Strandkiosk und ein Restaurant betreibt, empfahl mir von Anfang an, mich lieber in Taquari umzuschauen. Das sei ruhiger, entspannter, attraktiver und außerdem günstiger.

Langfristig wollte ich ja ein Stück Land bzw. ein Haus kaufen, das mir die nötige Infrastruktur bieten sollte, um Gäste aufzunehmen und ihnen als Guide zur Verfügung zu stehen.

Taquari gefiel mir auf Anhieb, doch ich war zunächst noch im Zweifel, ob internationale Gäste einen solchen Ort 23 km vom bekannten Paraty entfernt akzeptieren würden.

Nach mehreren Tagen auf dem Campingplatz bei Hitze und Platzregen platzte mir Mitte Januar der Kragen und ich baute mein Zelt ab, packte meine Sachen und brach mit meinem einheimischen Freund nach Taquari auf, um mich dort nach einer vorübergehenden Bleibe umzuschauen.

Ich hatte schon mehrere entsprechende Schilder an Häusern und Wohnungen gesehen und war zuversichtlich, schnell eine Unterkunft zu finden, zumal ich kurzfristig auch im Wochenendhaus des Freundes unterkommen konnte.

Kaum in Taquari angekommen, stieg ich aus meinem Auto und wurde von einem der Bewohner angesprochen, der einen Baustoffhandel betreibt und im Ort als „Mineiro“ bekannt ist, also aus dem Bundesstaat Minas Gerais stammt. Er war auf mein Nummernschild aufmerksam geworden, das wie er aus der Landeshauptstadt Belo Horizonte stammt und fragte, ob ich ebenfalls „Mineiro“ sei?

– „Je nach dem“, antwortete ich zögerlich. „Hier in Brasilien gewissermaßen schon. Ansonsten bin ich eigentlich Deutscher.“

„Ich habe dich gesucht!“, war seine Antwort.

Ich schaute verblüfft. „Wie das? Wir kennen uns doch gar nicht!“

„Ich habe eine Wohnung für dich!“

Es verschlug mir kurz die Sprache. „Wie kannst du wissen, dass ich zur Wohnungssuche hierher gekommen bin? Das habe ich doch heute Morgen erst entschieden?“

Der Mineiro überging diese Frage geflissentlich.

„Die Wohnung ist ganz neu, du wärst der erste Mieter: zwei Zimmer, eines davon eine Suite mit angeschlossenem Badezimmer, das andere mit getrenntem Badezimmer, großes Wohnzimmer mit Küche, unmöbliert. Gerade fertig geworden. Möchtest du sie sehen?“

„Ja, klar! Sofort!“

Immer noch baff ob dieser merkwürdigen Fügung folgte ich dem Mineiro zu der ebenerdigen Wohnung. Sie befand sich in der Nähe und innerhalb einer Art Condomínio, einer geschlossenen Wohnsiedlung aus zwei großen, zweistöckigen Häusern, die gemeinsam acht Wohnungen ergaben, vier unten und vier oben. Die obere Etage war allerdings noch nicht ganz fertig, es fehlten Innenausbau und Verputz.

„Meine“ Wohnung befand sich rechts hinten und entsprach exakt dem, was ich aktuell für meine Möbel aus Deutschland brauchte. Auf Anhieb war zu erkennen, dass alles perfekt und gut gebaut war. Ich fragte den Mineiro, was er dafür monatlich haben wolle und er antwortete 650 Reais inklusive Strom (ca. 150 €)! (Wasser gibt es dank der Wasserfälle umsonst!). Sie war sofort bezugsfertig.

Ich schlug ohne Nachzudenken ein und war einfach nur baff, wie  einfach sich diese Wohnungssuche gestaltet hatte! Das war mir in 50 Lebensjahren nicht widerfahren!!

Wir verabredeten, dass ich die Wohnung offiziell beziehen würde, sobald die Möbel in Taquari eingetroffen seien. (Ich rate übrigens dringend davon ab, sich diese Mühe zu machen und diese Kosten auf sich zu nehmen. Es war nur in meinem ganz speziellen Fall eine halbwegs akzeptable Option…)

Wenige Tage darauf, am 20. Januar, traf der Umzugswagen mit dem Container ein und meine Wohnung wurde möbliert.

Ich schloss schnell Freundschaft mit Bewohnern und Nachbarn, die mich allesamt sehr freundlich und herzlich aufnahmen. Ich erkundete die Region und machte mich daran, mich nach einem geeigneten Eigentum umzuschauen.

Es sprach sich schnell herum, welche Ambitionen ich hatte, so mangelte es nicht an Angeboten, sowohl was Grund als auch Immobilien anging. Aber auch Taquari hat seine Tücken. Wer zu voreilig auf vordergründig gute Angebote eingeht, hat am Ende die Arschkarte. Denn in der Regenzeit gibt es Grundstücke, die von plötzlich auftretendem Hochwasser geflutet werden oder durch Erdrutsche beeinträchtigt werden können.

Im Verlauf eines halben Jahres hatte ich praktisch den ganzen Immobilien- und Grundstücksmarkt der Region abgegrast, hatte ein breites Bild von den Möglichkeiten und Preisen bekommen.

Ich wollte möglichst ein fertiges Gebäude mit großem Grundstück finden, um nicht noch mehr Zeit mit Bauplanung und -tätigkeit zu verlieren. Am Ende standen zwei Optionen im Raum, die weitestgehend meine Anforderungen erfüllten. Das eine Haus war mir aber eigentlich zu teuer (auch wenn es das Geld wert war) und das andere zu klein, zumal die Besitzerin zu keiner professionellen Verhandlungsführung fähig war. Die Kommunikation mit ihr war ein permanentes Ärgernis.

Der Verzweiflung nahe liebäugelte ich schon mit der Idee, tatsächlich ein unbebautes Grundstück zu kaufen, um nach meinen Vorstellungen zu bauen. Inzwischen wusste ich immerhin schon, welche vertrauenswürdigen Leute im Ort für ein solches Projekt heranzuziehen wären.

Am Tag, als ich eines der möglichen Grundstücke besichtigte, kam ich in derselben Straße, die ich bisher nie unter Augenschein genommen hatte, an einem bebauten Grundstück vorbei, an dessen Gartenzaun eine Maklerfirma ein Verkaufsschild befestigt hatte. Allein von Außen betrachtet weckte dieses Objekt sofort meine Neugier. Ich rief sofort die Maklerfirma mit Sitz in Paraty an, und als ich die Details zu Grundstück und Bebauung erfuhr sowie den Preis, war ich sofort elektrisiert und verabredete umgehend einen Besichtigungstermin.

Das Objekt entsprach nahezu perfekt meinen Vorstellungen! Und der Preis war angesichts meiner Kenntnisse über den regionalen Immobilienmarkt sehr attraktiv (und ließ sich auch noch etwas runterhandeln…).

Ich erklärte meine Kaufabsicht und da es weit und breit angesichts der Wirtschaftskrise in Brasilien keinen anderen flüssigen Käufer gab, machte sich die Maklerfirma gleich daran, die vertraglichen Angelegenheiten zu regeln.

Das Geschäft wurde schnell und reibungslos abgewickelt. Auch die Überweisungen aus dem Ausland gelangen dank TransferWise problemlos. Ich profitierte zudem von einem schon historisch zu nennenden schwachen Kurs des brasilianischen Real (BRL) gegenüber Euro und Dollar. Seit ich Brasilien bereise, habe ich noch nie einen so schwachen Real erlebt. Ausgerechnet in der Phase der Überweisungen von meinem deutschen Konto nach Brasilien rückte der BRL nah an 5:1 heran. Wobei eigentlich schon alles, was über 4,0 geht, sehr günstig ist.

Dieser Wechselkurs hat meiner Meinung nach aus realwirtschaftlicher Sicht keine Berechtigung. Ein fairer Wert wäre 1:1, denn ein/e Brasilianer/in muss etwa genauso viel arbeiten wie ein Deutscher, um 1000 Reais bzw. 1000 Euro zu verdienen und hat vergleichbare Ausgaben.

Mir soll’s freilich recht sein. Ein vergleichbares Haus und Grundstück in ländlicher Region hätte mich in Europa mindestens 500.000 Euro gekostet, hier habe ich nichtmal 500.000 Reais bezahlt!

Ich habe also nicht den geringsten Grund, mich zu beklagen. Ich habe meinen Platz für den Rest meines Lebens gefunden.

Nun bin ich hier und gehe nicht mehr weg!

Never ever.

(Se Deus quizer/So Gott will…)

Wer Interesse hat, ein paar Tage oder Wochen hier zu verbringen, kann sich gerne an mich wenden. Einfach Mail an parabenstv(at)gmail.com

Das Haus eignet sich sowohl für einen rein touristischen Aufenthalt als auch als Working Place für Leute, die an jedem Platz der Welt arbeiten können, sofern sie WLAN zur Verfügung haben, und auf work-life-balance stehen.

Es verfügt über eine separate Suite mit trennbarem Doppelbett und eigenem Bad. Das Haupthaus verfügt über eine Suite mit Doppelbett und ein Einzelzimmer mit separatem Bad.

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