Entschleunigung und Nachhaltigkeit sind das Gebot der Stunde!

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„Esquenta não!“, sagen die Brasilianer, wenn eine Diskussion aus dem Ruder zu laufen beginnt. „Erhitze dich nicht!“ Komm wieder runter! Wir wollen keinen Stress! Denn wenn sich Brasilianer erhitzen, kann’s schmerzhaft enden…Es ist nicht einfach, sich in unserer Zeit auf das Wesentliche zu beschränken angesichts der unzähligen Bilder, Informationen und Eindrücke, die ununterbrochen auf uns einprasseln – teils gewollt, größtenteils aber ungewollt. Umso wohltuender ist es, von dem ganzen Lärm um Nichts abzuschalten, sich zurückzuziehen und alles von weit entfernter Warte zu betrachten.

Hier in Taquari in Brasilien bin ich an dem idealen Ort, um das zu tun. Trotzdem genieße ich die Möglichkeit, mich jederzeit mit der Außenwelt zu verbinden, wenn mir danach ist oder wenn es notwendig ist. Zuhause habe ich kein WLAN eingerichtet, weil ich nur vorübergehend diese komfortable 2-Zimmer-Wohnung angemietet habe, bis ich mein festes Domizil erworben habe. Freundliche Nachbarn haben mir aber Zugang zum WLAN ihrer Geschäfte (Baumaterial-Handel, Bäckerei, Drogerie) gewährt und weiter unten im Tal und im Nachbarviertel empfängt auch das Handy ein Signal.

Ich liebe diese Freiheit, für die Außenwelt und sie für mich erreichbar zu sein, wenn ICH es will. Bei meinen Social-Media- und sonstigen Internet-Aktivitäten sowie Telefonaten beschränke ich mich auf’s Wesentliche. Und das ist am Ende sehr überschaubar und entsprechend entspannt. Der mehrmalige tägliche Blick auf Twitter genügt, um kurz zu checken, was in der Welt los ist. Facebook dient mir dazu, den Kontakt zu Freunden, Bekannten und Familie aufrecht zu erhalten, mich zu unterhalten und zu erfahren, was die Leute, die ich persönlich kenne, so bewegt.

Ansonsten genieße ich diese wunderbare Natur, die mich in meinem Paradies umgibt und mich mit all ihrer Ruhe und Mannigfaltigkeit berührt. Mit großer Ruhe und Gelassenheit prüfe ich die zahlreichen Angebote, die mir hier gemacht werden, was Grundstücke und Immobilien angeht. Das Angebot ist riesig und äußerst verlockend. Wäre ich Millionär, würde ich in Kaufrausch geraten. Aber mein Etat ist begrenzt und so muss ich sorgsam prüfen, bevor ich mich ewig binde.

Nachdem ich etliche Immobilien besichtigt habe, haben sich drei in den engsten Kreis der Kandidaten bewegt, obwohl sie alle nicht exakt dem entsprechen, was ich suche. Unterm Strich käme es zwar billiger, ein Stück Land zu kaufen und ein Haus nach meinen Vorstellungen zu bauen, aber es würde hier etwa ein halbes Jahr dauern, das Haus fertig zu bekommen, plus aller sonstigen Unwägbarkeiten, die sich aus einem solchen Projekt ergeben.

Ich ziehe also ein fertiges Objekt vor, das es mir ermöglicht, zügig mit all meinen Ideen und Projekten zu starten.

Ich bin in der beneidenswerten Lage, zum optimalen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein: viele wollen verkaufen, kaum einer hat aber das Kapital, zu kaufen. Die Preise gehen nach unten und der brasilianische Real ist gegenüber dem Euro so schwach, wie ich es in all den Jahren, die ich Brasilien bereise (seit 2002), noch nie erlebt habe.

Bis zu den Präsidentschaftswahlen im Oktober diesen Jahres wird sich daran nichts groß ändern, eher im Gegenteil. Und dass die brasilianische Wirtschaft über kurz oder lang wieder erstarken wird, ist so sicher wie das Amen in der Kirche, weil Brasiliens Potenzial einfach zu groß und verlockend ist, um dauerhaft am Boden zu liegen. Man muss ja ohnehin immer zwischen den offiziellen Statistiken und der realen Lage unterscheiden. Die Schattenwirtschaft in Brasilien ist enorm und sorgt für eine gewisse Grundstabilität, die einfach darin begründet liegt, dass es riesige Landflächen gibt und hier alles wie blöd wächst, sodass zumindest auf dem Land niemand Hunger leiden muss, denn es wächst alles frei herum und ein paar Hühner zu halten und das Land zu bebauen ist auch für Arme praktikabel. Diese Schattenwirtschaft taucht in den offiziellen Statistiken gar nicht auf. Da geht es um die großen Branchen und Konzerne und Rohstoffe im Lichte der Weltwirtschaft. Sie sind nur bedingt aussagekräftig. Grundsätzlich gilt für Schwellenländer wie Brasilien die Regel: die Ausschläge nach unten und oben fallen immer deutlich stärker aus als in gesättigten Märkten wie Deutschland.

Spätestens der Fernfahrerstreik im Mai hat mindestens in meinem Umfeld zu einem Bewusstseinswandel geführt: sich unabhängig zu machen von solchen unkontrollierbaren Parametern und dem globalen Handel und sich statt dessen lieber im Kleinen zu organisieren und so viel wie möglich selbst anzubauen und zu produzieren.

Hier in Brasilien gibt es die Flächen dafür, um sich auf diese Weise selbst zu verwirklichen. Inmitten einer üppigen, wundervollen Natur, die das ganze Jahr über alles bereitstellt, was dazu nötig ist.

Trotzdem will ich nicht auf die Technologie verzichten, die unser Zeitalter für uns bereithält: Computer, Internet, Handy, Fernsehen, Radio, regenerative Energie, Mobilität.

Beides – Natur und Technik – miteinander zu versöhnen und in Einklang zu bringen, das ist das Gebot der Stunde und die Vision für die Zukunft. Nachhaltigkeit! Die Vielfalt unseres Planeten zu bewahren und uns als Menschen mit unserer Technologie und unserem Wissen optimal an die Naturgesetze anzupassen.

Wir müssen es nur machen und alles andere ersatzlos streichen, was nur auf den kurzfristigen Profit einiger Weniger aus ist.

Es liegt an uns. Wir können es machen und so einer wundervollen Zukunft entgegensehen. Oder es lassen. Dann haben aber WIR das Nachsehen. Der Natur sind wir völlig egal und sie weiß sich zu wehren. Und sie wird sich wehren (sie tut es ja längst). Wer dann den Kürzeren zieht, sind WIR MENSCHEN.

Also:

Friss oder stirb. Das sind die beiden Optionen. Angesichts dieser beiden Alternativen liegt ja für jeden, der über ein bisschen Verstand verfügt, glasklar auf der Hand, welche zu wählen ist. Nicht morgen, nicht übermorgen. Jetzt!

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