Ein filmreifes Wochenende in Belo Horizonte

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„Erstens kütt et immer anders, und zweitens als man denkt!“ Diese Kölsche Lebensweisheit hat sich diesmal wieder bestätigt. Das Leben ist ein Großes Überraschungsei, das sich gerne eine andere und bei Weitem bessere Variante ausgedacht hat. Das verlängerte Wochenende, das ich jedenfalls gerade in Belo Horizonte verbracht habe, war mal wieder outstanding und absolut genial!

Ich kenne Belo ja schon länger. Die Hauptstadt des Bundesstaates Minas Gerais (von Rio aus landeinwärts…) ist seit dem Jahr 2005 mein brasilianischer Bezugspunkt, weil ein Großteil der Familie meiner Ex-Frau dort lebt. Mit meiner Ex-Frau habe ich zwar aus Gründen nullkommanull Kontakt, aber mein Verhältnis zu ihrer großen Familie belastet das kaum. Abgesehen von zwei Außenseitern, die es eh nur auf ihr Geld abgesehen haben, steht die Familie auf meiner Seite, weil sie die ganze Geschichte kennen und sie entsprechend einordnen können.

Das Motiv meiner Reise von meinem Wohnort bei Paraty zum 600 km entfernten Belo Horizonte war vornehmlich triebgesteuert. Ich hatte erst vergangene Woche Bekanntschaft mit drei Grazien aus Belo gemacht, die mir einen Überraschungsbesuch abgestattet hatten. Nun wollte ich sie unbedingt wiedersehen. Außerdem gedachte ich, auf der Rückfahrt meine Ex-Schwieger“mutter“, Uroma meiner deutsch-brasilianischen Kinder, mit nach Paraty zu nehmen, damit sie mein neues Haus und die Gegend kennenlernen könnte.

Am Ende kam aber alles anders. Kaum am Freitagnachmittag in Belo angekommen, erfuhr ich, dass für den nächsten Abend eine große Party angesetzt war: die Tochter einer Ex-Schwägerin hatte ihr zweites Lebensjahr vollendet, und das sollte am Samstag auf der Veranda des großen Einfamilienhauses auf der Spitze eines Hügels mit großem Stadtpanorama gebührend gefeiert werden!

Diese Feier war für mich eine eindrucksvolle Demonstration dessen, was Brasilien ausmacht: seine Spontanität, seine Großzügigkeit, seine Gastfreundlichkeit, seine Professionalität!

Als ich am späten Samstagvormittag das Haus verlassen hatte, war die Veranda zwar schon geputzt und sauber, aber ansonsten stand sie leer.

Als ich am Abend zurückkehrte und die Feier bereits begonnen hatte, war alles geschmückt und hergerichtet und der Grillmeister (Vater des Geburtstagskindes) war bereits in Aktion.

Wie stets, hatte ich meine Musikbox, die ich aus Deutschland mitgebracht habe (Block Party Live made in China), auf Reisen immer dabei. Und da die spektakuläre Veranda des Hauses immer mein Stammplatz ist, wenn ich in Belo bin, stand sie natürlich schon bereit. Ich verknüpfte sofort mein Handy per Bluetooth mit dem Lautsprecher, der außerdem über eine halbe Discokugel auf seiner Kopfseite verfügt, und legte los!

Im Nu trudelten die anderen Gäste ein und es wurde richtig voll. Hatte die Mutter mir im Vorfeld etwas von 30 Personen gesagt, waren es am Ende mit Sicherheit um die 100, die sich auf’s ganze Haus verteilten.

Ich habe ein Video gedreht, als sich die Party auf dem Höhepunkt befand. Die Bilder sagen mehr als tausend Worte. Lebensfreude pur. Dafür liebe ich dieses Land und seine Menschen!

Das war natürlich nicht alles.

Der Samstag fing damit an, dass ich mich mit einer der drei Grazien über WhatsApp verabredete. Als ich sie mit meinem Auto in der Nähe des Hauses, in dem sie wohnt, abholte, hatte sie zwei gleichaltrige Freundinnen im Schlepptau. Wir fuhren in ein Shopping Center, um etwas zu Mittag zu essen und ein bisschen in den Läden rumzustöbern, dann machten wir uns in ein Motel auf.

Motels sind in Brasilien sehr populär und gibt es in allen Preisklassen und allem erdenklichen Komfort, auch äußerst simpel und billig.

Brasilianer suchen Motels auf, um dort in aller Diskretion ein Schäferstündchen zu halten.

Ich hatte noch einen guten Freund im Schlepptau, der sich eine der zwei Begleiterinnen reserviert hatte. Doch meine Grazie und ihre Freundin waren heute für mich da. Die Grazie war mir noch etwas schuldig, schließlich hatte ich sie und ihre zwei Freundinnen drei volle Tage in Paraty in meinem Haus untergebracht, versorgt und Touren veranstaltet. Es gab mit ihr eine nervige Diskussion darüber, ob sie mir etwas schuldig sei. Aber unterm Strich stand sie mir zur Verfügung.

Wir suchten ein Motel an der Ringautobahn von Belo auf. Eine Suite mit Dampfsauna und kaltem Abtauchbecken stand uns für mehrere Stunden für 115 Reais (ca. 25 Euro) zur Verfügung.

Die Mädels machten es sich gemütlich, bedienten sich an der Motelbar, drehte sich einen Joint, entledigten sich ihrer Klamotten und schossen unzählige Fotos am Pool. Wir machte die Soundanlage an und sie führten einen sinnlich exzessiven lasziven Tanz auf.

Der Rest verstand sich von selbst.

Gut gelaunt und in bester Stimmung verließen wir schließlich den Ort und kehrten nach Hause zurück, wo ich die Mädels absetzte. Es war Zeit, die anberaumte Geburtstagsfeier im Hause der Uroma  aufzusuchen…

Am Montag besuchte ich eine Freundin, die im etwa 60 km entfernten Betim lebt. Sie befand sich gerade mitten in einem Umzug. Ich dachte, wir würden einfach ein paar Bier zusammen trinken und quatschen und relaxen. Nun wurde ich nolens volens zum Umzugshelfer.

Aber die Sache war innerhalb von zwei Stunden erledigt.

Wir konnten endlich unser Bier zu uns nehmen und verabredeten spontan, dass sie mich zurück nach Paraty begleiten würde. Da sie aber bei aller Spontanität vorher doch noch das Eine oder Andere erledigen musste, bat sie um einen Tag Aufschub, den ich ihr gewährte.

Wie verabredet, erschein ich am Dienstag um 17 Uhr vor ihrem Haus, um sie und ihre Sachen ins Auto zu packen. Doch zu meiner Überraschung erfuhr ich von ihrer Mitbewohnerin, dass sie nicht da sei und bei der Polizei sei, um eine dringende und ernste Angelegenheit zu erledigen. Kurz darauf erhielt ich eine Nachricht der Freundin, dass sie angesichts der Umstände doch nicht mit mir reisen könne.

Ich war sauer und enttäuscht. Wieso hatte sie mir nicht eher ein Signal gegeben? Jetzt war ich völlig umsonst nach Betim gefahren!

Aber: Shit happens! Ich kehrte unverrichteter Dinge nach Belo zurück, bereitete alles für meine Abreise am nächsten frühen Vormittag vor.

Gesagt, getan. Um 6 Uhr morgens brach ich auf und kam gegen 17 Uhr zu Hause an.

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