#EheFuerAlle – Die Liebe kommt, die Liebe geht

Flattr this!

Seit vorgestern dürfen gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland heiraten. Homosexuelle Ehen werden damit heterosexuellen gleichgestellt. Schwule und Lesben dürfen nun auch Kinder adoptieren. Befürworter bejubeln dies als historische Errungenschaft, Gegner sehen darin einen weiteren Beleg für den Untergang des Abendlandes. Womit sie gewisserweise Recht haben, denn nichts ist mehr so, wie es früher einmal war. Aber ist das so schlimm? Die Welt dreht und verändert sich. Das muss man einfach mal akzeptieren.

Ich selbst breche über die sogenannte „Ehe für alle“ weder in Jubel noch in Verzweiflung aus. Wundere mich eher mit einem Schmunzeln über das ganze Geschrei. Ich habe selbst schon eine gescheiterte Ehe hinter mir und meine Eltern trennten sich, da war ich gerade mal Fünf gewesen. Shit happens.

Aufgrund meiner persönlichen Erfahrung betrachte ich diese ganze Überhöhung der Ehe zu einem göttlichen Gut sowieso als eine Übertreibung. Schön, wenn’s zwischen zwei Leuten so passt, dass man tatsächlich ein ganzes Leben lang einen Weg gemeinsam geht. Aber solche Leute hat man auch, wenn man nicht verheiratet ist, seien es Vater oder Mutter, Geschwister, Freunde.

Zumindest die standesamtliche Ehe ist doch zuerst einmal eine juristisch und steuerrechtlich wirksame Verbindung. Und da sollte es keine ideologisch begründeten Einschränkungen geben, schließlich gibt es das marktwirtschaftliche Prinzip der Vertragsfreiheit.

Und wenn jemand jemand anderen so sehr liebt, dass er mit ihm/ihr auch in emotionaler Hinsicht einen Bund für’s Leben schließen will – warum nicht?

Ist mir doch egal. Was hat das mit meinem persönlichen, individuellen Glück zu tun?

Ich sehe das nüchtern. Ich bin ernüchtert, nach offiziell gut 10 Jahren Ehe (die Trennung erfolgte schon nach sieben Jahren). Aber ich hadere nicht mit meinem Schicksal. Wozu auch? Was soll das bringen?

Ich habe getan, was ich tun konnte. Es hat nicht funktioniert. Also habe ich danach auch alles getan und versucht, um dieses Unglück so gut es geht abzufedern, vor allem was die Folgen für die Kinder angeht.

Gott sei Dank hat meine Ex zumindest in diesem Fall am Ende auch am selben Strang gezogen. Die Kinder sollten so wenig wie möglich darunter leiden. Oft habe ich meine eigenen Interessen und Egoismen zurückstellen müssen, um dieses höherrangige Ziel erreichen zu können. Das war oft frustrierend, aber so ist es halt. Rechthaberei und zwanghafter Durchsetzungswille sind nicht produktiv. Mir einen endlosen, nervenaufreibenden Sorgerechtsstreit aufzuhalsen, nur um mir am Ende auf die Schulter zu klopfen nach dem Motto: „Super, ich habe mich durchgesetzt!“, verschafft am Ende niemandem Befriedigung. Man muss auch mal zurückstecken können. Das setzt allerdings voraus, dass auch der andere mal von seinem hohen Ross herunterkommt. Und wenn nicht?

Dann hilft nur Geduld und Gottvertrauen. Das Richtige findet immer seinen Weg, das Falsche ist immer zum Scheitern verurteilt. Am Ende können Wunden und Beschädigungen bleiben. Aber auch diese können wieder heilen. Das Leben geht weiter.

Ich habe die Scheidung meiner Eltern auch überlebt, obwohl sie ein Paradebeispiel dafür war, wie man es nicht machen sollte.

Das war für mich Ansporn, es anders zu machen. Wenn meine Ehe schon gescheitert war, dann sollte die Trennung wenigstens so harmonisch und in gegenseitigem Einvernehmen verlaufen, dass der Schaden so gering wie möglich gehalten wird.

Meine Ex-Frau und ich sind heute gute Freunde. Es ist überdeutlich, dass wir völlig anders sind und nicht zusammenpassen. Aber deswegen muss ich sie ja nicht hassen.

Wir haben in vielen Dingen völlig konträre Ansichten. Auch und besonders in Erziehungsfragen. Aber was soll’s. Meinen Kindern fehlt es an nichts. Sie haben in materieller Hinsicht mehr, als sie brauchen. Und es gibt unzählige Leute, von denen sie geliebt und gehätschelt werden.

Ich selbst habe im Elternhaus meines allein sorgepflichtigen Vaters und seiner zweiten Ehefrau nicht die Liebe erfahren, die ich mir gewünscht hatte. Darunter habe ich damals gelitten. Aber ich habe mir die Liebe dann eben woanders geholt. Es gab genug Leute, die mir die fehlende Aufmerksamkeit entgegenbrachten. Ich habe es überlebt.

Man sollte die Kirche also einfach im Dorf lassen und nicht alles so dramatisieren.

Ich glaube, dass eine Ehe, die aus emotionalen, romantischen Gründen geschlossen wird, eher zum Scheitern verurteilt ist, als eine Ehe aus rein vernunftgesteuerten, pragmatische Gründen.

Die Liebe kommt, die Liebe geht. Die Liebe ist ein flüchtiges Gefühl. Doch wenn es ganz pragmatische Interessen gibt, dann kann eine Ehe lange halten. Das beweisen ja schon all die aus Staatsraison geschlossenen Ehen in Fürsten- und Königshäusern.

Da bleibt die Liebe zwar meistens auf der Strecke. Aber die kann man sich ja auch woanders holen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.