Die Paradoxie des Daseins – Prädestination und Freier Wille

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Eine ungelöste und immer noch hoch umstrittene Kernfrage der Philosophie und Naturwissenschaften ist ja, ob unser Leben vorbestimmt ist oder ob wir Menschen (im Gegensatz zum Tier) einen Freien Willen haben. Wieviel ist vorgegeben? Wie groß ist mein eigener, unmittelbarer Einflussbereich? Habe ich Einzelne/r überhaupt eine Macht und die Kraft, den Lauf der Welt und der Dinge zu beeinflussen? Meine Antwort:

Ja.

Und nein.

Das ist das Paradoxon des Lebens.

Blicke ich – völlig subjektiv und trotzdem möglichst objektiv – auf mein eigenes Leben zurück, dann stelle ich rückblickend einen roten Faden fest, der sich durch mein Leben zieht. Rückblickend erkenne ich, dass bis hierhin alles einen gewissen Sinn ergibt und rückblickend gar nicht anders hätte verlaufen können.

(Das ist gewissermaßen tautologisch: denn da ich ja noch lebe, ergibt sich zwangsläufig ein roter Faden = Weg, den ich bisher gegangen bin.)

Mein Name sei Gantenbein (Max Frisch) ist das Gegenkonzept dazu: „Es hätte/kann doch alles ganz anders kommen/können!“

Hätte, hätte, Fahrradkette.

Kam es aber nicht. Wieso?

Es kam so, weil es genau so kommen musste. Weil das genau der Weg war, der zu gehen war. Weil die Gesamtheit aller (mir nicht in ganzer Fülle bewussten Umstände) zu eben genau diesem Resultat führen mussten!

Ursache(n) und Wirkung. Knallhart. Gnadenlos. Wie eine Stechuhr. Nicht aus dem Tritt zu bekommen.

Alles andere waren Umwege, Irrungen, Wirrungen.

Doch sie führten am Ende immer auf den mir zugewiesenen Weg zurück.

Vorausschauend weiß ich zwar nicht, wohin mich mein Weg genau führen wird (außer in den aller Erfahrung nach sicheren Tod ;-), aber am Ende des Weges werde ich wissen, ob es der richtige oder falsche war: Eine Sackgasse oder der Weg zum Ziel. (Oder gar ins Jenseits/Paradies oder was auch immer man sich da noch vorstellen mag…)

Der Weg ist das Ziel.

Das war die ebenso simple wie nahezu tautologische Einsicht, nachdem  ich im „Heiligen“ Jahr 2000 den Jakobsweg absolviert hatte.

Es kommt nicht so sehr darauf an, WO du am Ende ankommst (das Ziel Santiago de Compostela ist allerdings normalerweise von vornherein gesetzt, könnte aber durch jedwede Variable ersetzt werden), sondern WIE!!

Auf das Wie kommt es an!

WIE gehst du vor? Wie BEREITEST du dich vor? Welche Mittel nimmst du dir zu Hilfe? Welche Mittel stehen dir zur Verfügung?  Welche Strategie wendest du an? Wie setzt du sie um? Welche Risiken musst du beachten? Wie groß sind sie? Wie kannst du sie vermeiden?

Was bringt mir das am Ende??

Und und und.

Ein Lebensentwurf ist ein Strategieplan.

Ich setze mir ein Ziel.

Ich setze es bestmöglich um.

Wobei das bestmöglich sich für jeden anders darstellt.

Der Eine will zum Beispiel so schnell wie möglich sein. Eine persönliche und allgemeine Bestmarke aufstellen.

Der/die Andere will die Zeit möglichst ruhig und entspannt genießen und sich einfach treiben lassen.

In der Art und Weise, WIE Du Deine Pläne/Dein Leben am Ende umgesetzt und realisiert hast, zeigt sich, wer Du tatsächlich bist.

Ob Du schlau oder dumm, ob du aufmerksam oder ignorant, ob du schnell oder langsam warst.

Wobei weder das Eine noch das Andere eine Werturteil ist. Sondern reine Statistik.

Angekommen?

Ok.

Verspätet?

Vermerkt.

Verschollen?

Notiert.

Am Ende zählt, was hinten rauskommt.

Ganz sachlich und emotionslos.

Wie bei einem Vorstellungsgespräch.

Es gibt gewisse Einstellungskriterien. Sind sie erfüllt?

Ja oder Nein?

In welchem Umfang?

Was bleibt unterm Strich nach Abwägung aller Fürs und Widers?

Sein oder Nichtsein?

Das ist hier die Frage.

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