Die Legende von den Weissen Elefanten

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Ich war schon oft in Brasilien. Und auch wenn ich bei Weitem nicht überall war, bin ich mir ziemlich sicher, dass es in Brasilien keine weissen Elefanten gibt. Trotzdem hört man in letzter Zeit so viel von ihnen. Ich denke, es wird Zeit, mit dieser Legendenbildung aufzuräumen.

Mit Weissen Elefanten sind diejenigen brasilianischen WM-Stadien gemeint, die in Städten gebaut wurden, in denen es keine erstklassigen, u.U. nicht einmal zweitklassige Fussball-Clubs gibt. Dazu zählen vor allem die Arena Amazônia in Manaus, die Arena Pantanal in Cuiabá und das Mané Garrincha in der Bundeshauptstadt Brasília.

Diese Arenen wurden mit Millionen, ach Milliarden Steuergeldern errichtet und es ist durchaus berechtigt, die Frage nach dem Sinn und Zweck desselben zu stellen. Dass die Kosten für die Stadien völlig aus dem Ruder gelaufen sind, ist ja auch Fakt. Und dass man das viele Geld sicher auch sinnvoller hätte ausgeben können, kann auch nicht bestritten werden.

Dennoch ist es zu kurz gedacht, nur, weil es keine großen Clubs in der Stadt gibt, deswegen gleich das ganze Stadion für nutzlos zu erklären.

Diese Mär kommt ja nicht von Ungefähr. Selbst und gerade in Brasilien gibt es Leute wie den sehr populären Ex-Weltfussballer Romário, die von Weissen Elefanten sprachen und sprechen und dies anprangern.

Nun ist Romário inzwischen Politiker und ein ziemlich polemischer obendrein. Da er von Anfang an ein vehementer Gegner dieser ganzen FIFA-Veranstaltung mit ihren FIFA-Auflagen war, ist es natürlich recht und billig, die Sinnlosigkeit solcher Investitionen anzuprangern, indem man die Tatsachen verkürzt.

Romário und die Brasilianer wissen aber sehr wohl, dass es in Brasilien noch viele andere Events gibt, die riesige Stadien füllen. Fussballspiele nämlich füllen selbst in Rio de Janeiro oder São Paulo selten ganze Stadien, jedenfalls nicht in der Liga. Da muss schon die Copa das Libertadores (das Pendant zu unserer Champions League) her oder andere fussballerische Großevents.

Wegen der bösen Rivalitäten zwischen den Clubs ist es ohnehin üblich, die Fans einer Mannschaft vom Stadionbesuch auszuschließen, damit es nicht zu Zusammenstößen kommt.

Aber es gibt ja eine riesige Mega-Konzert-Kultur in Brasilien. Ob heimische oder ausländische Superstars – sie füllen die Stadien bis zum allerletzten Platz. Nicht von ungefähr zieht es seit Jahren die allergrößten Superstars der Pop- und Rockmusik nach Brasilien.

Brasilien ist ein riesiger Markt und die Leidenschaft und Begeisterungsfähigkeit der Brasilianer für Musik ist selbst für erfahrene Weltstars ein unvergessliches Erlebnis.

Im Mai war die international sehr erfolgreiche Boygroup One Direction (1D) zum Beispiel auf Brasilien-Turnee.

Im ausverkauften Morumbi-Stadion von São Paulo (es war der FIFA ein bisschen zu klein für die WM, obwohl es sonst alle Auflagen erfüllt hätte) erlebte die Band mit über 64.000 Fans das meistbesuchte Konzert ihrer Karriere. Die Fans wie die Band-Mitglieder waren außer sich. In Brasilien grassiert zur Zeit die 1D-Epidemie. Hier ein paar Eindrücke von der Stimmung:

Man könnte jetzt unzählige YouTube-Videos hinzufügen, die demonstrieren, was für musikalische Mega-Events es in Brasilien gibt.

Für mich unvergessen bliebt z.B. der Auftritt von Coldplay bei Rock In Rio im Oktober 2011.

Aber es gibt unzählige Konzerte mehr.

Wer mal in Brasilien ist, sollte sich das nicht entgehen lassen, auf so ein Konzert zu gehen (aber bitte nicht allein und auf eigene Faust, wenn man Brasilien nicht kennt.)

Ich mache mir also wenig Sorgen, dass man für die Weissen Elefanten keine Verwendung finden wird. Ob dies am Ende den Aufwand rechtfertigt, lasse ich dahin gestellt und kann ich nicht beurteilen.

Aber zu behaupten, ohne entsprechende lokale Fussballclubs seien die Stadien nach der WM nutzlos, ist einfach Quatsch.

Gigantisch: Coldplay bei Rock in Rio

Gasparzinho live in Porto Seguro (mit Video)

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