DFB unschlüssig über Quartier während WM 2014 in Brasilien

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Auch nach seiner vierten Brasilien-Inspektion ist sich Teammanager Oliver Bierhoff weiter unschlüssig, wo die deutsche Nationalmannschaft während der FIFA-WM 2014 ihr Hauptquartier aufschlagen wird. Im Interview mit dem kicker schloss er nicht aus, „dass wir uns erst nach der Auslosung auf ein Quartier festlegen“.

Die Auslosung findet erst am 6. Dezember in Costa do Sauípe statt, gut 100 km nördlich von Salvador da Bahia. Dann entscheidet sich, an welchen der insgesamt zwölf Austragungsorte der Fussball-WM die deutsche Mannschaft ihre Gruppenspiele absolvieren wird – vorausgesetzt, dass sie sich qualifiziert, woran aber niemand ernsthaft zweifelt.

Während des Confederations Cup war Bierhoff mit Bundestrainer Joachim Löw und weiteren DFB-Verantwortlichen in Brasilien unterwegs, um einige Lokalitäten zu inspizieren.

War Bierhoff zuvor noch davon ausgegangen, „eine vorzeitige Quartier-Entscheidung“ treffen zu wollen, lieferte der Confed-Cup „Aspekte, die in dieser Hinsicht nachdenklich stimmen“, sagte Bierhoff dem kicker in seiner aktuellen Ausgabe (Nr. 55/4. Juli 2013):

Vor allem die Stimmen von Trainern und Spielern beim Confed-Cup über die hohe Beanspruchung machen mich besorgt. Wenn Italiens Trainer Cesare Prandelli sagt, seine Spieler seien bis an die Grenzen gegangen angesichts der unglaublichen Belastungen, der enormen Reise- und Transportstrapazen, der unterschiedlichen Standards bei den Unterkünften und der einen oder anderen Hürde in der Organisation, muss man das ernst nehmen.

Die großen Distanzen und das Klima bezeichnete Bierhoff als „die ganz großen Knackpunkte“. Vor drei Monaten hatten diese Knackpunkte ihn bereits zu der Aussage veranlasst, der WM-Titel für Deutschland in Brasilien sei „eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit“. Nun zieht er die Konsequenz, „dass wir keine Kompromisse eingehen sollten. (…) Vielleicht führt das Erlebte auch zur Entscheidung, dass wir uns erst nach der Auslosung auf ein Quartier festlegen“, so Bierhoff gegenüber dem kicker.

Abgesehen davon, dass der DFB damit Gefahr läuft, nur noch nehmen zu können, was übrig geblieben ist, dürfte diese Aussage etlichen Leuten, die von einer solch späten Entscheidung ebenfalls betroffen wären, die Schweißperlen auf die Stirn treiben. Schließlich dürften auch etliche Fans der deutschen Nationalmannschaft ihre Quartierwahl davon abhängig machen, wo die Nationalmannschaft ihr Base Camp errichtet, um ihren Idolen auch in den Trainingsphasen möglichst nah zu sein. Reiseveranstalter, Hospitality-Anbieter, Medien und Transportunternehmen haben weiterhin keine Planungssicherheit und werden zögern, Kapazitäten zu sichern, die am Ende keiner haben will. Je weiter der Entscheidungspunkt nach hinten rückt, desto schwieriger und teurer dürfte es aber werden, Kapazitäten zu sichern.

Die WM in Brasilien stellt Organisatoren, Mannschaften, Medien und Fans vor besondere Herausforderungen. Das ist aber nichts Neues. Schließlich sind die großen Distanzen und die starken klimatischen Unterschiede bekannt. Was auch immer bei der Auslosung herauskommt, wird die deutsche Nationalmannschaft nicht umhin kommen, große Distanzen zurücklegen zu müssen, erst recht, wenn man bis zum Finale kommen will. Das lässt sich nur abmildern, indem man ein Hauptquartier auswählt, das strategisch günstig gelegen ist. Wenn man außerdem aus klimatischen und Entfernungsgründen – wie bereits geschehen – den Norden und den Süden Brasiliens ausschließt, ist das Zielgebiet schon deutlich eingegrenzt.

So bleiben nur die Nähe zu einem Flughafen, die Trainingsbedingungen und die Qualität der Mannschaftsunterkunft als Ausschlusskriterien übrig.

Ich bin Anfang des Jahres zweimal an den DFB herangetreten, um eine klare Empfehlung zu geben. Man hielt es aber nicht für nötig, darauf zu reagieren. Umso mehr überraschte mich, in einem kürzlich erschienenen Interview mit Jogi Löw zu lesen, dass dieser Ort offenbar in der engeren Auswahl ist. Der DFB sollte nicht zögern, sich beizeiten festzulegen. Dieser Ort ist auch angesichts der Massenproteste, die es während des Confed Cups gab, ein gutes Rückzugsgebiet, sollte es bei der WM zu ähnlich chaotischen Zuständen kommen.

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