Der Papst ist weg…

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…und lässt viele Menschen ratlos, andere bewegt und erfüllt, andere enttäuscht, wieder andere gleichgültig zurück.

Diejenigen, die nicht gleichgültig sind, können weiterlesen.

Eine ganz interessante Bilanz haben einige namhafte Leute gezogen, die von der Berliner Boulevard-Zeitung B.Z. befragt wurden:

www.bz-berlin.de/papstbesuch/der-papst-ist-wieder-weg-was-bleibt

Ich persönlich habe den Besuch nur am ersten Tag in Berlin intensiver verfolgt. Mich interessierte vor allem die Rede vor dem Bundestag, die keine der vielen, im Voraus artikulierten Erwartungen erfüllte.

Sie hob sich in ihrer philosophischen, theologischen und sprachlichen Tiefe komplett von dem ab, was sonst an politischen Rednerpulten zum Besten gegeben wird und strafte all jene Lügen, die glaubten, schon im Voraus zu wissen, dass diese Rede dem „Hohen Haus“ nicht angemessen sein würde.

Enttäuschungen beruhen auf falschen Erwartungen

Sicher ist die Enttäuschung mancher über die vermeintliche Unbeweglichkeit in Sachen Ökumene nachzuempfinden. Doch sie beruht – wie jede Enttäuschung – auf falschen Erwartungen.

Um den Papst zu verstehen – wenn man sich denn die Mühe dazu machen will – muss man sich die Kirchengeschichte anschauen und das Selbstverständnis des Papstes über seine Rolle in der jahrhundertealten Geschichte.

Ein Papst denkt nicht in vermeintlich modernen, angesagten und modischen Kategorien. Der Papst zieht größere Zeiträume in Bedacht.

Und er ist einer Wahrheit auf der Spur, die über den heutigen Tag hinausweist und ihren Ursprung in der Bibel und in Jesus Christus hat.

Ob die vom Papst vertretene Wahrheit letztlich diesem Anspruch gerecht wird, das wird erst die ferne Zukunft erweisen.

Jedenfalls hat der Papst auf seine Art und Weise eine Antwort auf die heutige Zeit gegeben. Ob sie dem einen oder anderen genügt, muss jeder selbst für sich entscheiden.

Aus seiner Perspektive müssen sogar etliche der an ihn geäußerten Erwartungen anmaßend geklungen haben. Was nimmt sich ein Bundestagspräsident oder ein Bundespräsident heraus, vom Papst konkrete Antworten auf bestimmte persönlich motivierte Fragestellungen zu verlangen (mehr Tolerenz gegenüber geschiedenen und neu verheirateten und gemischt konfessionellen Paaren zu zeigen)?

Die Politiker, die glauben, einem Papst gegenüber Forderungen erheben oder Erwartungen formulieren zu können, sollten erstmal selbst ihre Hausaufgaben machen! Sie reiten mit ihrer Unentschlossenheit und Verantwortungslosigkeit in Sachen Schuldenkrise schließlich gerade die Weltwirtschaft in die Grütze.

Sie hätten eher demütig fragen sollen, ob der Papst vielleicht eine Antwort oder einen Rat auf ihre brennenden Fragen weiß. Oder wenigstens einen Fingerzeig. Angela Merkel zumindest hat viel Zeit in seiner Gegenwart verbracht. Vielleicht suchte sie ja göttliche Eingebung.

Die Bedeutung der Demut

Ich finde jedenfalls sehr gut, dass der Papst die Bedeutung der Demut so in den Vordergrund gestellt hat. Denn wir leben in wahrhaft un-demütigen Zeiten, für den einen oder anderen schon eher demütigenden Zeiten.

Wir haben die Demut vor dem Anderen, die Demut vor der Natur, die Demut vor Gott abgelegt und glauben, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben und mit Erfolg die Naturgesetze außer Kraft setzen zu können.

Aber die Natur ist stärker und Gott viel mächtiger als wir alle zusammen.

Die christliche Kirche – egal welcher Glaubensrichtung – fusst auf der simplen Überzeugung: Wer an Gott glaubt und Jesus folgt, der wird am Ende erlöst werden.

Und diese Erlösung findet nicht erst nach dem Tod in dem in Aussicht gestellten Himmelreich statt. Nein, sie geschieht schon auf Erden.

Denn wer der von Christus postulierten Moral der Nächstenliebe folgt, der wird sein Glück und seine Befriedigung schon zu Lebzeiten erfahren. Weil es glücklich und zufrieden macht, wenn man sich in Gott aufgehoben fühlt, egal was einem widerfährt.

Niemand ist perfekt. Wir sind alle arme Sünderlein. Doch was zählt, ist das Bemühen und das Ringen um das richtige und wahrhaftige Leben, das seine Befriedigung nicht in materiellen Dingen und in allgemeiner Anerkennung und Bewunderung sucht.

So sehr der Papst von tausenden Gläubigen angehimmelt und bewundert wurde – er selbst ist weit davon entfernt, bewundert werden zu wollen. Dafür ist auch die Verantwortung und damit die Bürde seiner Amtes viel zu groß und schwer.

Immerhin repräsentiert er mehr als eine Milliarden Menschen auf der Welt. Die Worte, die er wählt, sind wohl gewogen.

Der Papst ist weg

Wir sind nicht Papst

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