Dämonen

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Wir alle sind von Dämonen und guten Geistern umgeben – ob wir uns nun dessen bewusst sind oder nicht. Entscheidend ist, ob wir Ihnen Einlass in unsere Seelen gewähren und sie von uns Besitz ergreifen lassen oder nicht. Gott sei Dank haben sich die Dämonen an mir bisher die Zähne ausgebissen. Aber mir sind schon zahlreiche Menschen bzw. Lebewesen begegnet, die zu wenig Widerstand leisteten oder zu leisten vermochten. Brasilien ist ein Land, in dem gute und böse Geister besonders fröhliche Urständ feiern. Darauf sollte man gefasst sein.

Von klein auf habe ich mich aus unerfindlichen Gründen immer von guten Geistern beschützt gefühlt – und tatsächlich ist mir bis heute nichts widerfahren, was mein Urvertrauen hätte erschüttern können, wenngleich ich gelegentlich durchaus nahe daran war.

Obgleich ich also in dieser Hinsicht seit ich denken kann immer dieses diffuse Gefühl der Geborgenheit hatte, wurde mir die Gegenwart der guten Geister und ihr Wohlwollen zum ersten Mal wirklich deutlich, als ich mich im „Heiligen Jahr“ 2000 auf den Jakobsweg begab.

Nicht, dass dort irgend etwas Spektakuläres vorgefallen wäre. Mir wurde nur besonders klar und bewusst, wie unsere ureigene Art, einen (Lebens-)Weg zu gehen, darüber entscheidet, wie er letztlich verläuft. Jeder geht seinen eigenen Weg, obwohl der klassische Pilgerweg Camino Frances rein äußerlich/geografisch für alle der gleiche ist.

Gehe ich alleine, zu Zweien, in der Gruppe? Habe ich viel oder wenig Gepäck? Gehe ich schnell oder langsam? Mache ich Abstecher nach links oder rechts? Ziehe ich meinen einmal entworfenen Plan gegen alle Widerstände durch oder passe ich ihn den Gegebenheiten und Situationen flexibel an?

Das sind ganz simple aber grundsätzliche Entscheidungen, die man bewusst oder unbewusst fällt und die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. In unserem alltäglichen Leben tun wir nichts anderes, nur dass die Aufgabenstellungen und Herausforderungen mitunter komplexer und komplizierter sind bzw. erscheinen.

Ich ließ mich auf dem Jakobsweg mehr oder weniger treiben und die Dinge auf mich zukommen. Ich hielt Augen und Ohren offen, verließ mich auf meinen Verstand und meinen Instinkt und sah mich von guten Geistern begleitet und geleitet, die mir auf der Reise mannigfach Zeichen und Signale sendeten, die ich zu deuten und zu würdigen hatte.

Mein Jakobsweg wurde so zu einem unvergesslichen Erlebnis und zu einer tiefgreifenden Erfahrung.

In Brasilien erging es mir nicht anders. Von Anfang an habe ich meine zahlreichen Reisen nie sonderlich präzise geplant. Ich wusste zwar, wieviel Zeit und Geld ich zur Verfügung hatte, wo der Flug hin und zurück gehen würde, wo ich die ersten Nächte verbringen würde und wohin die Reise noch gehen könnte.

Doch letztlich kam es immer anders und vor Ort entwickelten sich die Dinge immer in eine andere Richtung. Zweimal verlängerte ich die geplante Aufenthaltsdauer sogar. Beim ersten Mal, weil ich meine spätere Ehefrau kennenlernte, beim zweiten Mal, als ich den Auftrag zu meinem Buchprojekt erhielt.

Mein Leben wäre definitiv anders verlaufen, wäre ich nicht meiner Eingebung gefolgt.

So gefährlich Brasilien statistisch und wirklich auch ist: Auf all meinen Reisen ist mir nie etwas passiert. (Eine Ausnahme: Kurz nachdem ich meine spätere Ehefrau kennengelernt hatte, wurden wir mitten in der Pampa auf unserem ersten gemeinsamen Ausflug von einem maskierten Mann mit Pistole bedroht. Wir gaben ihm das wenige Geld, das wir dabei hatten und kamen glimpflich davon. Im Nachhinein wirkt auch das wie ein Wink mit dem Zaunpfahl: Achtung! Mit dieser Frau wirst Du noch einiges erleben!….haha).

Da ich mich ansonsten immer auf meinen Instinkt verlassen konnte und Warnungen nicht in den Wind stieß – auf welchem Wege sie mich auch immer erreichten – war jede meiner Brasilienreisen ein außergewöhnliches und positives Erlebnis.

Der Brite Andy Smith radelt seit Mitte Januar alle zwölf WM-Städte von Süden nach Norden ab. Eine unfassbare Strecke von 8000 Kilometern durch ein Land, in dem er vorher noch nie war und dessen Sprache er bis dahin nicht sprach! Er dokumentiert seine Tour de Force auf diversen Social-Media-Kanälen, insbesondere auf seinem smudgersambacycle-Blog.

Inzwischen hat er das 11. WM-Stadion in Fortaleza hinter sich gelassen, sein Bruder aus England ist dazu gestoßen und gemeinsam radeln sie nun Richtung Belém, um dort ein Schiff zur Amazonas-Metropole Manaus zu nehmen, der 12. und letzten Station.

Kaum hatten Andy und sein Bruder Fortaleza verlassen, lag ihnen der monströse Kadaver eines toten Esels im Weg. Erst am Tag zuvor war ihnen bei ihrem beeindruckenden Besuch des WM-Stadions Castelão in Fortaleza ein lebender Esel begegnet, was Andy Smith auf seinem Blog als merkwürdige Koinzidenz beschreibt.

Ich kommentierte daraufhin seinen Blogeintrag und warnte ihn, dass Brasilien voller Zeichen und Signale, voller Dämonen und guter Geister sei. Er brauche sich zwar nicht zu fürchten, denn ich sei überzeugt, dass er einen guten Schutzengel bei sich habe, aber er solle seine Augen und Ohren offenhalten und seinem Instinkt vertrauen.

Gestern postete er einen neuen Eintrag, wonach sein Tablet-Computer kaputt gegangen sei, was es ihm vorerst nahezu unmöglich mache, seine Social-Media-Aktivitäten wie gewohnt zu verfolgen.

Bisher war seine Reise – abgesehen von wenigen kleineren Fahrradpannen – erstaunlich problemlos verlaufen. Das einschneidenste Erlebnis war, wie vor seinen Augen ein Mann überfahren und durch die Luft geschleudert wurde. Dank Andy’s Erster Hilfe hat der Mann überlebt.

Andy „Smudger“ Smith ist in Brasilien schon fast eine Berühmtheit. Sowohl lokale wie nationale Medien covern seine Geschichte und bereiteten ihm herzliche Empfänge, wenn er in den WM-Städten ankam. Auch seitens der Bevölkerung schlägt ihm viel Neugier und eine große Gastfreundschaft entgegen.

Nun scheint sich das Blatt ein wenig zu wenden. Bleibt ja auch nicht aus, wenn man eine solche Unternehmung auf sich nimmt. Zumal in Brasilien.

Brasilien hat abseits der Traumstrände, der grandiosen Natur und umwerfenden Freundlichkeit auch eine dunkle Seite, und sie nicht erfahren zu haben, würde das Erlebnis unvollständig machen.

Ich drücke ihm die Daumen, dass am Ende alles gut geht. Mit Gottes Hilfe, oder wie die Brasilianer sagen: Sí Deus quizer (wenn Gott will).

Auf Vieles haben wir im Leben keinen Einfluss. Da hilft nur Gottvertrauen. Wer Gute Geister zur Seite hat, der wird am Ende unbeschadet und gestärkt die unvermeidlichen Prüfungen überstehen. Das ist jedenfalls bis dato meine Erfahrung.

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