Bundespräsident auf Bewährung

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Bundespräsident Christian Wulff hat am Nachmittag die schon lange erwartete Erklärung zu den Vorwürfen gegen ihn abgegeben. Er hat sich in aller Form entschuldigt und beteuert, niemandem „einen unberechtigten Vorteil gewährt“ zu haben.

Hier die zentrale Passage im Wortlaut:

Mir ist klar geworden, wie irritierend die private Finanzierung unseres Einfamilienhauses in der Öffentlichkeit gewirkt hat. Das hätte ich vermeiden können und müssen. Ich hätte auch den Privatkredit dem Niedersächsischen Landtag damalig offenlegen sollen. Das war nicht gradlinig und das tut mir leid. Ich sehe ein: Nicht alles was juristisch rechtens ist, ist auch richtig.

Ich sage aber auch deutlich: Zu keinem Zeitpunkt habe ich in einem meiner öffentlichen Ämter jemandem einen unberechtigten Vorteil gewährt. Persönliche Freundschaften sind mir gerade auch menschlich wichtig. Sie haben aber meine Amtsführung nicht beeinflusst, dafür stehe ich.

Ob er durch die erhaltenen Vergünstigungen tatsächlich niemandem einen Vorteil gewährt hat, bleibt dahingestellt. Solange das Gegenteil nicht belegt ist, gilt die Unschuldsvermutung. Aber es wurde durchaus ja schon die Frage aufgeworfen, wieso der am Hauskredit beteiligte Unternehmer Geerkens Wulff auf Dienstreisen begleitete, obwohl er unternehmerisch in Niedersachsen gar nicht mehr aktiv war.

Wulff scheint sich auch nicht bewusst zu machen, dass es seine Ämter sind, die ihn für seine mächtigen und reichen Freunde interessant machen. Also hat zumindest er sich qua seines Amtes mit dem günstigen Privatkredit einen Vorteil verschafft.

Aber vielleicht schafft es Wulff tatsächlich, mit dieser Erklärung einen Vertrauenskredit bei der Bevölkerung  zu bekommen. Zuletzt hielten in einer ARD-Umfrage 44 Prozent der Deutschen Wulff für „nicht glaubwürdig“. Gleichwohl sprachen sich 70 Prozent gegen einen Rücktritt aus. (Ich habe in meinem Blog eine andere Meinung vertreten.)

Insofern wird ihm die Bevölkerung wohl verzeihen – solange nicht neue Vorwürfe ans Tageslicht kommen.

Ein Bundespräsident auf Bewährung.

Und allen ein friedliches Weihnachtsfest! Wer weiß, wie das nächste wird.

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