Brief aus einem sicheren Hafen (Porto Seguro)

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Erstens kommt immer alles anders, und zweitens, als man denkt. Eine Kölschen Weisheit, die sich auch im fernen Brasilien bewahrheitet.
Es passiert hier jeden Tag so viel, dass ich mit dem Schreiben gar nicht hinterherkomme. Jeder Tag ist eine neue Geschichte. Das ist einer der vielen Gründe, wieso ich Brasilien so liebe. Es ist das pralle, volle Leben!! Mit allen Risiken und Nebenwirkungen. Mit allen Hochs und Tiefs. Mit allem Jubel und allem Trauma. Himmel und Hölle. Sehr intensiv. Sehr kräftig, sehr stark. Überwältigend und lähmend. Euphorisch und deprimierend.


Bin seit dem 17. März in Porto Seguro, einer der Top 5-Destinationen Brasiliens laut Traveller’s Choice von TripAdvisor.
Ich bin hier schon oft gewesen, zuletzt im August vergangenen Jahres mit meinen Kindern. Vor vier Jahren kam ich für zwei Wochen und blieb zwei Monate mit dem unwiderstehlichen Wunsch, für immer hier zu bleiben.
Das war damals aus familiären Gründen aber nicht realisierbar.
Nun bin ich hier, um nach einer dauerhaften Bleibe und Geschäftsmöglichkeiten zu schauen. Dabei kommen mir meine langjährigen, engen Kontakte mit Einheimischen zugute, die ich jetzt wieder auffrischen und erweitern konnte.

Ich habe in den vergangenen zwei Wochen immer tiefere Einblicke in die hiesigen Bedingungen bekommen.

Porto Seguro ist von historischer Bedeutung: Hier hat die Flotte des portugiesischen Seefahrers Pedro A. Cabral im Jahr 1500 die Küste des Landes entdeckt, das sie später Brasilien nennen sollten.

Freilich gab es bereits Einwohner. An dieser Küste war es u.a. der Stamm der Pataxó, der die Neuankömmlinge herzlich aufnahm. Noch heute ist die Region von ihrer Kultur geprägt, vor allem an der Küste Richtung Norden leben sie nach wie vor in geschützten Reservaten sowie mit der restlichen Bevölkerung vermischt. Aus Sicht eines  Wahl-Berliners mit langjähriger Erfahrung als Kunde in der Supermarktschlange war es eine – sagen wir – ungewöhnliche Erfahrung, in einem Supermarkt von Coroa Vermelha völlig selbstverständlich an der Kasse zu stehen mit traditionell gekleideten Indianern und Indianerinnen. Gerade für Kinder eine wundersame Begegnung. Kölner Kinder würden vermutlich denken, es sei immer Karneval in Brasilien.

Auch am Strand sieht man viele Nachfahren der Ureinwohner, die dort ihr Kunsthandwerk den Touristen anbieten, mit großer Anmut und Freundlichkeit.

Porto Seguro hat sich seit den 70er Jahren kontinuierlich zu einem der touristischen Hotspots Brasiliens entwickelt. Es gibt wenige Regionen in Brasilien, die touristisch so gut erschlossen sind wie Porto Seguro.

Das Angebot an Unterkünften, Hotels und Ferienwohnungen und -häusern ist gigantisch. Vor allem um die Jahreswende und zur Karnevalszeit platzt die 140.000-Einwohner-Stadt aus allen Nähten, dann findet man nicht mal eine Hundehütte, die nicht vermietet ist.

Dem Expansionsdrang sind auf der anderen Seite enge Grenzen gesetzt, die dem Naturschutz geschuldet sind. Kein Gebäude darf höher als acht Meter sein. Die Küste von Porto Seguro mit ihren traumhaften Stränden beheimatet mit wenigen anderen Regionen die letzten Reste atlantischen Regenwaldes, die Brasilien noch zu bieten hat. Sie stehen unter strengstem Schutz. Das macht das gewaltige Naturerlebnis aus, das Porto Seguro trotz des temporären Rummels ebenfalls zu bieten hat.

Für jeden, der noch nie in Brasilien war, ist Porto Seguro ein hervorragender Einstieg.
Viele Ausländer, vor allem aus Europa, speziell Italien, haben sich hier niedergelassen. Die Italiener reklamieren sogar für sich, die Region mit ihrer Erfahrung überhaupt erst richtig erschlossen zu haben, womit sie wohl Recht haben dürften.
Gott sie Dank ist Porto Seguro aber trotzdem noch sehr weit entfernt von allem Touristenrummel und -bauten, wie wir es aus den Touristenhochburgen Europas kennen. Und das wird es wohl Dank der Naturschutzauflagen auch für immer bleiben.
Diese Mischung macht Porto Seguro so einzigartig.

Nicht umsonst hat die Deutsche Nationalmannschaft bei der WM 2014 in Brasilien ihr Hauptquartier in dieser Region aufgeschlagen. Ich bin überzeugt, dass die Wahl dieser auch strategisch hervorragend gelegenen  Region einen wesentlichen Anteil an dem Erfolg der Mannschaft hatte.

Wer wie ich mit den Einheimischen in engem Kontakt steht, wird viele persönliche Geschichten aus dieser Zeit hören. Der Kontakt zwischen  Bevölkerung und dem Team war ausgesprochen eng und herzlich, nicht selten auch sehr intim, wie ich erfahren durfte. Die Jungs haben im Campo Bahia in Santo André offenbar nichts anbrennen lassen…

Das ist leicht nachzuvollziehen. Die Natur und das Klima sind einfach traumhaft, die Menschen herzlich und kontaktfreudig, die Frauen schön und sexy. Was will man mehr?

Nichts. Höchstens das nötige Kleingeld, um all dies in vollen Zügen genießen zu können.

Aber ich habe hier bei früheren Besuchen schon viele großartige Wochen erlebt, ohne allzuviel Geld auszugeben. Uns kommt ja auch der Umtauschkurs zugute, wonach wir mehr als drei BRL für einen EUR bekommen, aktuell 3,3. Für die Brasilianer ist ein Real im Alltag allerdings so viel Wert wie für uns ein Euro in Europa. Für uns macht das alles billig, umgekehrt ist für Brasilianer alles kaum erschwinglich teuer, was importiert ist.

Porto Seguro ist von Europa aus einfach zu erreichen. Porto Seguro verfügt über einen eigenen Flughafen, der mit allen wichtigen Regionen Brasiliens verbunden ist. Für Europäer sind die internationalen Flughäfen von São Paulo, Rio de Janeiro und Salvador da Bahia relevant. Die wiederum werden alle von TAP Portugal und allen anderen europäischen Fluglinien angeflogen. Ich fliege am liebsten mit der TAP, weil sie einen guten Service bietet und man pro Person zwei Koffer á 32 kg mitführen darf. Das ist gerade für Langzeitreisende wie mich ein ganz klarer Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Der normale Tourist ist mit einem Koffer pro Person eher ausreichend bedient, wobei TAP auch bei Zusatzgepäck wie Gitarre oder Surfbord sehr kulant ist. Ich fliege am liebsten mit der TAP (ich bekomme übrigens kein Geld dafür, dass ich die TAP hier empfehle. Wenn sie’s mir anbieten sollten, würde ich es aber annehmen.)

Aber mit welcher Gesellschaft auch immer man am Ende in Porto Seguro gelandet ist:

Wenn man hier in der frühen Abendsonne aus dem Flugzeug auf das Flugfeld hinabsteigt, das satte Grün des atlantischen Regenwaldes und die wundervolle Bucht mit Blick auf Arraial d’Ajuda vor Augen, dann weißt Du, Dir steht eine wundervolle Zeit bevor, die Du Dein Leben lang nicht vergessen wirst!

Aber Vorsicht: Suchtgefahr!

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