Brasiliens Zentralbank deutet Ende der Zinssenkungsphase an

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Die brasilianische Zentralbank (Banco Central) hat zum neunten Mal in Folge den Leitzins (Selic) gesenkt. Er wurde um weitere 50 Basispunkte herabgestuft und liegt jetzt auf dem neuen historischen Tief von 7,5 Prozent. Die Zentralbank deutete in ihrer Mitteilung an, dass unter den gegenwärtigen Umständen keine größeren Zinssenkungen mehr zu erwarten sind.

Mit ihrem jüngsten Zinsschritt erfüllte die Bank die Markterwartungen. Sowohl die von Bloomberg wie von Reuters im Vorfeld befragten Analysten hatten einmütig eine Zinssenkung in dieser Größenordnung erwartet. Auch im Zentralbankrat fiel die Entscheidung einstimmig.

Umso gespannter waren die Marktbeobachter auf das so genannte „wording“ des Rates: Würde es Erwartungen an weitere Zinssenkungen schüren oder ein Ende derselben andeuten?

Letzteres ist geschehen. Die Zinssenkungsphase begann im August letzten Jahres. Im Verlauf eines Jahres wurde der Selic um ganze fünf Prozentpunkte gesenkt. Das ist nicht nur einmalig für Brasilien sondern auch im interationalen Vergleich.

Die Zentralbank sieht nun, dass diese Maßnahme zur Stimulierung der heimischen Wirtschaft Wirkung zeigt und hält daher weitere große Zinsschritte auf absehbare Zeit für überflüssig. Wenn überhaupt, würden weitere Senkungen nur mit äußerster Zurückhaltung unternommen werden, teilte das Gremium mit.

Die von der Regierung Dilma unterstützten und gewünschten Maßnahmen der Zentralbank sind Teil eines größeren Maßnahmepaketes der Politik, um Brasiliens Wirtschaft im Umfeld der internationalen Finanzkrise zu stärken.

Die Regierung hat in den vergangenen Monaten milliardenschwere Programme aufgelegt, um die heimische Produktion und den Konsum zu stimulieren. Außerdem investiert die Regierung Milliarden in die Verbesserung der Infrastruktur und des Bildungssystems.

Finanzminister Mantega hat gerade erst angedeutet, dass die Regierung noch weitere Ideen im Köcher hat, wenn notwendig.

Alles in allem zeigt sich, dass es für Brasilien nicht von Schaden ist, mit Dilma Rousseff eine Präsidentin zu haben, die Volkswirtschaften studiert hat.

Sie versteht und kennt die nationalen wie globalen, ökonomischen Zusammenhänge, kommt zu den richtigen Schlüssen, ergreift die richtigen Maßnahmen und weiß sie durchzusetzen und umzusetzen.

Dass einige Maßnahmen – wie z.B. die deutliche Erhöhung der Importsteuern auf ausländische Kraftfahrzeuge – protektionistische Züge zeigen, mag zwar vor allem einige ausländische Unternehmen und Investoren ärgern. Aber Dilma, die sich historisch hoher Zustimmungsraten im eigenen Land erfreut, ist nun einmal zuallererst ihrer Nation und ihrem Wahlvolk verpflichtet.

Dennoch beweist Brasilien, dass es sich seiner internationalen Verantwortung als wichtiges Schwellenland bewusst ist. Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton sagte diese Woche, Brasilien sei für ihn sogar das Schwellenland mit den besten Perspektiven für die Zukunft.

Beim milliardenschweren Infrastrukturprogramm sind ausländische Investoren sogar ausdrücklich erwünscht.

Aus meiner Sicht erweist sich Brasilien inmitten der gegenwärtigen globalen ökonomischen Turbulenzen als Fels in der Brandung. Parabéns!

(Das soll nicht heißen, dass nicht noch eine Menge zu tun bleibt.)

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