Brasiliens Wirtschaftswachstum größer als erwartet

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Die brasilianische Wirtschaft ist im Jahr 2013 stärker gewachsen als erwartet. Wie das Statistikamt IBGE mitteilte, stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Experten waren von lediglich 2,0 Prozent ausgegangen. Dennoch bietet dieser Wert keinen Anlass zum Feiern.

Das vierte Quartal verzeichnete laut IBGE ein Wachstum von 0,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal, der vom Servicesektor (0,7%), dem privaten Konsum (0,7%) und staatlichen Investitionen (0,8%) getragen wurden. Der Agrarsektor stagnierte, die Industrieproduktion ging sogar zurück (-0,2%).

„2013 war ein schwieriges Jahr voller Herausforderungen“, sagte Finanzminister Guido Mantega laut Reuters auf einer Pressekonferenz in der Hauptstadt Brasília, „und einer der Gründe waren die Andeutungen der US-amerikanischen Zentralbank, die Stimulierungsmaßnahmen für die amerikanische Wirtschaft zu reduzieren, was zu Turbulenzen bei den Wechselkursen führte mit Folgen für alle Länder, vor allem den Schwellenländern.“

Der brasilianische Real begab sich auf Talfahrt und verlor auf Jahressicht fast 20 Prozent an Wert. Dieser Wertverlust heizte die ohnehin hohe Inflation an, dem die Zentralbank mit steigenden Leitzinsen begegnete. Lag der SELIC im April noch auf dem historischen Tief von 7,25 Prozent, ist er am vergangenen Mittwoch auf inzwischen 10,75% angehoben worden.

Vor dem Hintergrund einer globalen Erholung der Wirtschaft sieht Finanzminister Mantega auch die brasilianische Wirtschaft weiter auf Wachstumspfad. Auf eine Ziffer wollte er sich allerdings nicht festlegen. Zumindest hält er weitere Stimulierungsmaßnahmen seitens der Regierung für unnötig und erwartet im Jahresverlauf wieder eine Lockerung der Zinspolitik. Mantegas Prognosen haben sich eigentlich noch nie bewahrheitet, weswegen ihnen auch keiner große Bedeutung beimisst.

Experten sind mit ihren Vorhersagen skeptischer. Emerging Markets-Spezialist Craig Botham von der Londoner Fondsgesellschaft Schroders erwartet für 2014 laut Forbes nur ein Wachstum von 1,8 Prozent. Daran werde auch die WM 2014 nichts ändern, die ohnehin nur einen geringen Einfluss auf die Wirtschaft habe.

2014 ist auch Wahljahr in Brasilien. Im Oktober stehen die Präsidentschaftswahlen an. Und bis dahin werden laut Botham zumindest internationale Investoren die Füße still halten.

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff wird dagegen alles daran setzen, bei der Bevölkerung zu punkten, um wiedergewählt zu werden. Auch wenn ihr bisher keiner der möglichen Gegenkandidaten wirklich gefährlich werden kann, ist ihre Bilanz bisher wenig überzeugend. Und die WM birgt ein enormes Popularitätsrisiko, wenn es wie beim Confed Cup 2013 wieder zu Massenprotesten kommen sollte. Die Regierung setzt bereits alles daran, solche Proteste zu unterbinden, indem sie die Militärpolizei martialisch aufrüstet und Protestgruppen infiltriert.

Was nun, Frau Rousseff?

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