Brasilien: Senat lehnt FIFA-Valcke als Gesprächspartner ab

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Die Kommission für Bildung, Kultur und Sport im brasilianischen Senat hat gegen die Teilnahme von FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke an einer öffentlichen Verhandlung des WM-Rahmengesetzes (Lei Geral) gestimmt. Die Senatoren wollen nur FIFA-Präsident Sepp Blatter höchstselbst als Gesprächspartner akzeptieren.

Damit stehen die Zeichen also weiter auf Konfrontationskurs. Das WM-Rahmengesetz war vergangene Woche nach langem Hin und Her im Abgeordnetenhaus verabschiedet worden. Nun muss es noch von drei Senatskommissionen durchgewunken werden, um im Senat zur Abstimmung zu gelangen und dann von Präsidentin Dilma unterschrieben zu werden.

Doch offenbar will die Senatskommission für Bildung, Sport und Kultur die Gelegenheit nutzen, den Konflikt mit FIFA-Generalsekretär Valcke wieder aufleben zu lassen. Der hatte Anfang März in Brasilien für große Verärgerung gesorgt, als er in einer Pressekonferenz gesagt haben soll, dass die Brasilianer „einen Tritt in den Hintern“ benötigten, um mit den WM-Vorbereitungen mal voran zu kommen. Brasiliens Sportminister Aldo Rebelo erklärte Valcke daraufhin praktisch zur unerwünschten Person, Valcke sagte seine geplante zweite Visite der WM-Stätten kurzfristig ab.

Konflikt mit Valcke offenbar nicht gelöst

Valcke entschuldigte sich und beteuerte, falsch übersetzt worden zu sein. FIFA-Präsident Blatter schrieb ebenfalls einen Entschuldigungbrief und eilte nach Brasilien, um mit Präsidentin Dilma persönlich das Missverständis aus der Welt zu schaffen. Doch das Thema Valcke wurde bei dem nach außen hin „harmonischen“ Treffen offenbar elegant ausgespart.

Wie man sieht, ist das Konfliktthema nicht aus der Welt. Valcke will dieser Tage die abgesagte Visite nachholen und bei dieser Gelegenheit die FIFA beim Senat vertreten. Doch der Senat ist nicht auf Versöhnungskurs. Im Gegenteil.

Das Portal 2014 zitiert Senator Roberto Requião (PMDB-PR) mit provozierenden Worten:

Wir akzeptieren nicht den Pförtner der FIFA. Das Gesuch ging an Blatter, nicht an diesen Büttel der FIFA. Wenn es nach mir geht, bekäme er einen Fusstritt in seine runden Ausstülpungen.

Ob Valcke seinen Satz mit dem „Tritt in den Hintern“ nun wirklich so gesagt hat oder nicht: Das Verhalten des Senats zeigt einmal mehr, wie recht er eigentlich hat.

Zwei Drittel der Stadien nicht einmal zur Hälfte fertig

Ein neuer Zwischenbericht, den die Regierung heute veröffentlicht hat, soll belegen, dass der Stadionbau 800 Tage bis zum Anpfiff voll im Plan liegt.

Wie estadao.com.br auf dieser Basis berichtet, sind acht der zwölf WM-Stadien nicht einmal zur Hälfte fertig. Im Detail sieht das so aus:

  1. Fortaleza: 60,4%
  2. Belo Horizonte: 55%
  3. Salvador da Bahia: 55%
  4. Brasília: 54%
  5. Curitiba: ≈ 50% (nicht genau angegeben)
  6. Cuiabá: 43%
  7. Rio de Janeiro: 39%
  8. Manaus: 38%
  9. Recife: 32%
  10. São Paulo: 30%
  11. Natal: 20,5%
  12. Porto Alegre: 20%
Eine erst kürzlich veröffentlichte Studie des Rechnungshofes hatte dagegen nur zwei Stadien auf der Liste, die schon mehr als zur Hälfte fertig sind. Ausserdem kritisierte der Rechnungshof die explodierenden Kosten.
Und das sind nur die Stadien. Bei den Infrastrukturprojekten und den Unterkünften sieht es ja noch düsterer aus…
Statt also alle Anstrengungen in die WM-Vorbereitungen zu legen, verplempert die Politik wertvolle Zeit lieber mit Diskussionen und Konflikten, welche die Dinge noch mehr verzögern und erschweren.
Wenn Brasilien so weitermacht, dann macht die FIFA am Ende noch von ihrer Option Gebrauch, bis Juli die WM in ein anderes Land zu verlegen, ohne schadensersatzpflichtig zu sein. Eine Option, die im britischen Guardian schon offene Zustimmung findet…

 

 

5 Gedanken zu „Brasilien: Senat lehnt FIFA-Valcke als Gesprächspartner ab“

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