Brasilien: Regierung stimuliert Konsum für mehr Wachstum

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Die brasilianische Regierung hat weitere Maßnahmen verkündet, um die schwächelnde Wirtschaft zu stimulieren. Auf diese Weise soll eine Wachstumsrate von mindestens 2,5 Prozent für das Gesamtjahr erreicht werden, so Finanzminister Mantega.

Kernstück der neuen Maßnahmen ist das Programm zur Wachstumsbeschleunigung namens PAC Equipamentos. Der Staat nimmt 8,4 Mrd. Reais (€ 3,2 Mrd) in die Hand, um damit Busse, Lastwagen, Bagger, Ambulanzen und Schulmöbel zu kaufen, heißt es auf dem Regierungsportal. Dort wird Finanzminister Guido Mantega mit folgenden Worten zitiert:

Die europäische Krise verschlechtert sich weiterhin und belastet das weltweite Wachstum. Vor dem Hintergrund dieses Szenarios ergreift die brasilianische Regierung Maßnahmen zur Stimulierung der Wirtschaft, um unsere Investitionen auszuweiten, die Nachfrage zu stimulieren, das Vertrauen zu stärken – denn das Vertrauen in der Welt sinkt zur Zeit erheblich – und, schlussendlich, um unser Wachstum zu beschleunigen. Vor diesem Hintergrund müssen wir unsere Politik der Stimulation weiter fortsetzen.

Präsidentin Dilma Rousseff verteidigte diese Maßnahme gegen mögliche Kritik und bezeichnete den staatlichen Konsum als ein ökonomisch anerkanntes Mittel, um die Wirtschaft zu stimulieren.

Die jüngste Maßnahme reiht sich ein in eine Reihe vorangegangener Schritte wie der Senkung der Steuer auf Industrieprodukte (IPI) und einer Kreditlinie von R$ 20 Mrd. für die Bundesstaaten, wie G1 berichtet.

Noch weitreichender und grundsätzlicher ist die bereits begonnene Phase deutlicher Leitzinssenkungen durch die brasilianische Zentralbank. Um hier den Weg für weitere Senkungen zu ebnen, hat die Regierung im Mai den historisch garantierten Zins auf Sparbücher fexibilisiert. Derzeit steht der Selic schon auf einem historischen Tief von 8,5%, weitere Leitzinssenkungen stehen offenbar bevor.

Im ersten Quartal diesen Jahres betrug das brasilianische Wirtschaftswachstum gerade mal 0,2 Prozent – das ist für ein Schwellenland sehr mickrig. Die Finanzmärkte erwarten für 2012 insgesamt nur 2,18% Wachstum.

Brasilien macht für die stagnierende Wirtschaft v.a. die globale Finanz- und Wirtschaftskrise verantwortlich mit ihrem Krisenzentrum Europa. Das ist, wie Brasilienkenner wissen, nur die halbe Wahrheit. Schließlich mangelt es der brasilianischen Industrie an internationaler Wettbewerbsfähigkeit, das Steuersystem ist kompliziert und unüberschaubar, das Bildungssystem mangelhaft, die Infrastruktur ebenfalls.

Immerhin hat die Senkung der Leitzinsen den erheblichen Wertverfall der zuvor überbewerteten Landeswährung Real befördert und damit auch den Export brasilianischer Produkte und Dienstleistungen.

Eine Politik, die jedoch allein auf eine Stimulierung des Konsums setzt, birgt erhebliche Risiken und erzeugt nur kurzfristige Effekte.

Man darf also gespannt sein, welche Schritte Brasilien noch unternehmen wird, um für nachhaltigeres Wachstum zu sorgen.

Brasiliens Regierung ebnet Weg für weitere Leitzinssenkung

6 Gedanken zu „Brasilien: Regierung stimuliert Konsum für mehr Wachstum“

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