Brasilien hat die teuersten WM-Stadien der Welt

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In keinem WM-Land sind die Kosten für die Stadien so aus dem Ruder gelaufen wie in Brasilien. Das berichtet estadao.com.br unter Berufung auf eine Studie der KPMG. In der Studie wurden die offiziellen Baukosten auf die vorhandenen Sitzplätze heruntergebrochen.

Von den zwanzig teuersten Stadien stehen dem Bericht zufolge zehn in Brasilien. Laut europäischen Studien lägen die Ausgaben für die WM in Brasilien jetzt schon höher als für die Weltmeisterschaften in Deutschland (2006) und Südafrika (2010) zusammen.

Laut Berechnungen der Unternehmensberatung KPMG steht das teuerste Stadion allerdings nicht in Brasilien, sondern in England. Im modernisierten Wembley-Stadion in London habe jeder einzelne Sitzplatz gut zehntausend Euro gekostet.

An zweiter Stelle stehe das Emirates Stadium von Arsenal London mit einem Preis pro Sitzplatz von 7.200 Euro.

Schon an dritter Stelle stehe aber das Mané Garrincha in der brasilianischen Bundeshauptstadt Brasília. Die Gesamtkosten von 1,43 Milliarden Reais ergäben pro Sitzplatz 6200 Euro. Diese Kosten sind umso absurder, als das Stadion als „weißer Elefant“ gilt: Mangels namhafter Fussballclubs dürfte die künftige Auslastung abseits von WM und dem bereits vorangegangenen Confed Cup gering sein.

An siebter Stelle stehe das runderneuerte Maracanã in Rio de Janeiro, an zehnter die Arena Amazônia in Manaus, wo jüngst zwei Bauarbeiter ums Leben kamen. Dann geht es Schlag auf Schlag: An zwölfter Stelle folge die Arena Corinthians in São Paulo, ebenfalls von einem tragischen Unglück überschattet, dann die Stadien in Cuiabá (Arena Pantanal), Recife (Arena Pernambuco), Salvador (Fonte Nova) und Belo Horizonte (Mineirão).

Würde man die Gesamtkosten zum Maßstab nehmen statt sie auf die vorhandenen Sitzplätze herunterzubrechen, stünden das Mané Garrincha an zweiter und das Maracanã an vierter Stelle, so der Bericht.

Laut einer Erhebung des europäischen Instituts Braudel betragen die durchschnittlichen Investitionskosten bei den zwölf brasilianischen WM-Stadien pro Sitzplatz 5800 USD. Das sei deutlich mehr als bei den vorangegangen drei Weltmeisterschaften. In Südafrika lag der Wert laut Bericht bei 5200 USD, in Deutschland bei 3400 USD und in Japan bei 5000 USD.

Mit den bisherigen offiziellen Gesamtausgaben von über acht Milliarden Reais (€ 2,5 Mrd) sei die WM in Brasilien jetzt schon teurer als die vorangegangenen zwei in Südafrika und Deutschland zusammen.

Die Autoren der europäischen Studie haben für die Kostenexplosion in Brasilien laut estadao.com.br keine Erklärung.

Ich würde sie unter dem landläufig bekannten, pejorativen Begriff „o custo brasil“ (brasilianische Extra-Kosten) subsummieren, worunter u.a. Ineffizienz, Korruption, enorme Steuerbelastungen und mangelhafte Infrastruktur verstanden werden.

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2 Gedanken zu „Brasilien hat die teuersten WM-Stadien der Welt“

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