Brasilien droht Imageschaden durch Rio+20-Konferenz

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Die im Juni stattfindende UN-Konferenz in Rio de Janeiro zur nachhaltigen Entwicklung stellt Brasiliens Gastgeber-Qualitäten auf die Probe. Die Preise für Unterkünfte in Rio haben so absurde Ausmaße angenommen, dass viele Länder und Organisationen ihre Teilnahme abgesagt oder ihre Delegationen verkleinert haben.

Insgesamt 50.000 Teilnehmer erwartet die „cidade maravilhosa“ zwischen dem 13. und 22. Juni. Laut brasilianischem Hotelverband ABIH zählt Rio aber nur 33.000 Betten, kleine Pensionen und Motels (wo BrasilianerInnen normalerweise nur ihre Schäferstündchen verbringen) eingerechnet. Dementsprechend ist bereits jetzt praktisch alles ausgebucht.

Die Hotels nutzten die hohe Nachfrage und verlangen Mondpreise von R$ 1.600 pro Nacht (gut € 600). Zudem vergeben sie die Zimmer nur im Paket von einer Woche, selbst wenn der Gast nur zwei oder drei Nächte buchen will. Eine elfköpfige Delegation des EU-Parlaments hat daraufhin ihre Teilnahme an dem Umweltgipfel abgesagt, wie beispielsweise globo.com berichtet. Der deutsche EU-Parlamentarier Matthias Groote, SPD, wird in dem Artikel mit den Worten zitiert:

Es ist schade, dass die Organisatoren, und nicht nur sie, uns dahin gebracht haben. Wenn man die ganze Welt zu sich einlädt, dann muss man die Gäste anders behandeln.

Auf der Facebook-Seite von Groote findet sich ein ausführlicheres Statement.

Andere Länder und Organisationen haben ihre Delegationen deutlich verkleinert, so Japan beispielsweise von 500 auf 400 Delegierte, wie G1 berichtet.

Sowohl die staatliche Tourismus-Organisation Embratur als auch das Abgeordnetenhaus in Brasília fordern nun vom Hotelverband eine Erklärung. Embratur-Präsident Flávio Dino hält die Preise für missbräuchlich, beklagte laut panrotas.com.br allerdings, dass es keine Eingriffsmöglichkeiten gebe.

Marco Maia, Präsident des Abgeordnetenhauses, erklärte laut Portal 2014, dass das Parlament die Vertreter des Sektors herbeizitieren werde, um von ihnen eine Erklärung für die hohen Preise zu verlangen.

Rios Bürgermeister Eduardo Paes hat die Cariocas aufgefordert, ihre Privatwohnungen als Unterkunft anzubieten. Auf die Idee sind viele geschäftstüchtige Brasilianer aber schon ganz alleine gekommen. Wie agência latina press berichtet, werden auf einigen Onlineportalen für Apartments schon Preise von umgerechnet 1000 Euro verlangt.

Die Stadtverwaltung hat ein eigenes Portal für die Vermittlung privater Unterkünfte angekündigt, das kommende Woche online gehen soll, wie das Jornal do Brasil berichtet.

Der Bettenmangel und die damit einher gehende Abzocke geben einen Vorgeschmack auf das, was bei den bevorstehenden Großevents Fussball-WM 2014 und Olympische Spiele 2016 passieren könnte.

Offensichtlich verpasst Brasilien schon bei der Rio+20-Konferenz die Gelegenheit, sich als gut vorbereiteter und fairer Gastgeber zu präsentieren.

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5 Gedanken zu „Brasilien droht Imageschaden durch Rio+20-Konferenz“

  1. Der brasilianische Hotelverband (ABIH) hat der Regierung nun für die Zeit von Rio+20 geringere Hotelpreise ohne Paketbindung zugesagt. Der Verband gibt der für Rio+20 beauftragten Agentur Terramar Turismo die Schuld: Sie habe eine Kommission von 30% erhoben und Buchungen für weniger als 7 Tage nicht zugelassen. Nun hat die Agentur die Steuer auf 10 Prozent reduziert und erlaubt Buchungen für so viele oder wenige Nächte, wie der Gast wünscht – auch nachträglich. Hier der ausführliche Bericht von Reuters:

    http://br.reuters.com/article/domesticNews/idBRSPE84E00520120515?utm_source=dlvr.it&utm_medium=twitter

  2. Auch Reuters macht jetzt die Geschichte und erwähnt, dass namhafte Staatschefs wie Barack Obama nicht an der Konferenz teilnehmen werden, während Frankreichs neuer Präsident Hollande und Russlands neu-alter Präsident Putin ihre Teilnahme zugesagt haben. Bundeskanzlerin Merkel wird nicht erwähnt, aber die hat ihre Teilnahme auch abgesagt. Dafür hat sie von Umweltschützern und der Opposition einige Kritik erfahren. Zurecht. Abgesehen davon, dass sie angesichts der Energiewende in Deutschland einen guten Part dort hätte spielen können, zeigt es wieder einmal, dass die gegenwärtige Bundesregierung die Bedeutung Brasiliens immer noch nicht wahrgenommen hat. Merkel und Brasiliens Präsidentin Dilma könnten international ein gutes Tandem sein. Doch die Bundeskanzlerin schenkt dem aufstrebenden Schwellenland kaum Beachtung. Lieber pflegt sie enge Beziehungen zu China, einem Land, das die Menschenrechte mit Füßen tritt und wo die Justiz vom Staat gesteuert wird. In Brasilien kann man mit besserem Gewissen investieren als dort. Das tut die deutsche Wirtschaft auch. Nur wird es politisch nicht entsprechend flankiert. Dass man zuletzt nur Entwicklungshilfeminister Niebel dort hin schickte, ist ein Beleg für diese Ignoranz.

    http://www.reuters.com/article/2012/05/11/uk-brazil-summit-unitednations-idUSLNE84A00P20120511

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