Bolo (Kuchen) oder Bosta (Sch…)?

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Das ist hier die Frage. Ist Bolsonaro jetzt eine Katastrophe oder eine Verheißung für Brasilien? Die Ansichten darüber gehen weit auseinander, wenngleich in der nationalen wie internationalen Medienlandschaft die Meinung vorherrscht, dass das alles ganz ganz schlimm ist…

Ich bin weit davon entfernt, Bolsonaro als Messias für Brasilien anzusehen, wie meine jüngsten Blogposts im Zusammenhang mit den Wahlen 2018 in Brasilien belegen.

Aber ich verweigere mich dieser allgemeinen und globalen Empörungsindustrie, die immer sehr schnell mit einem moralischen Urteil zur Stelle ist. Die Dinge sind meistens doch erheblich komplexer und komplizierter.

Wie auch immer man zu Bolsonaro steht: Er hat die Präsidentschaftswahlen mit klarer, unangefochtener Mehrheit gewonnen.

Dafür gibt es Gründe. Und zwar Millionen. So viele wie es Wähler gibt, die ihm ihre Stimme gegeben haben.

Mancher hat schon kurz danach seine Meinung wieder geändert, andere fühlen sich bestärkt.

Jede Wahl ist immer nur eine Momentaufnahme, in Brasilien ganz besonders, weil Brasilianer im Allgemeinen sehr intuitiv handeln und sich wenig Gedanken machen und daher aus dem Bauch heraus entscheiden.

Bolsonaro hat heute wie früher bekanntlich schon viel dummes Zeug verzapft, ähnlich wie Donald Trump in den USA.

Trotzdem macht man es sich zu einfach, wenn man Bolsonaro plakativ als den „Trump der Tropen“ tituliert.

Bolsonaro ist nicht Trump, auch wenn beide miteinander sympathisieren und Trumps Chefstratege Steve Bannon auch bei Bolsonaros Kampagne die Strippen gezogen hat.

Brasilien ist nicht die USA und vice versa.

Bolsonaro ist ein Patriot, in einem positiveren Sinne als Trump. Trump ist ein verzogener Upper Class Idiot, der die Fassung verliert, wenn man ihm sein Spielzeug wegnimmt.

Bolsonaro ist Brasilianer und ein Mann des Volkes. Seine leidenschaftliche Liebe für sein Vaterland nehme ich ihm ab, weil die meisten Brasilianer sie genauso empfinden.

Nun ist einiges faul im Staate Brasilien: Sicherheit, Korruption, Bildung, Gesundheit, Wirtschaft, Politik undundund.

Es gibt keinen Politiker, der in all diesen Fragen die Meinungsführerschaft besitzt. Die Meinungen in der Bevölkerung gehen weit auseinander und nicht jedes Thema hat für die Allgemeinheit Priorität.

Insofern muss man auch nicht alles, was Bolsonaro tut oder sagt, auf die Goldwaage legen, denn vieles ist nur für die Galerie und um Aufmerksamkeit zu erheischen. Und fairerweise muss man auch sagen, dass nicht alles, was Anhänger im Namen Bolsonaros tun zwangsläufig von ihm abgesegnet ist.

Die Dinge werden, sollten sich einpendeln.

Bolsonaro will mit einigen Dingen in Brasilien aufräumen und findet damit in weiten Teilen der Bevölkerung Zustimmung. Das sind Kriminalität und die Clique der Korrupten, die das System vergiftet haben. In der Tat war Bolsonaro als Parlamentarier nie bedeutend genug, um in diesen erlauchten Kreis der Begünstigten aufgenommen zu werden. Daher schlägt ihm von dieser mächtigen Seite auch viel Hass und Verachtung entgegen.

Die ständige Debatte darum, ob der ehemalige Präsident Lula der Arbeiterpartei zurecht im Gefängnis sitzt oder eine Art politischer Häftling sei, ist auch so unnötig wie ein Kropf. Unter der Herrschaft von Lula und PT ist die Korruption in Brasilien durch die Decke gegangen – unmittelbar wie mittelbar tragen Lula und PT Schuld daran (die sie bis dato mit Unschuldsmiene und Empörung von sich weisen!).

Deswegen glich der zweite Wahlgang für jeden vernunftbegabten und verantwortungsbewussten Staatsbürger ja auch der Wahl zwischen Pest und Cholera.

Hätte ich wählen dürfen, hätte ich vermutlich ungültig gestimmt (in Brasilien gibt es eine Wahlpflicht).

Ich bin kein Prophet und bin selbst gespannt, wohin diese Gemengelage am Ende führen wird.

Ich wünsche Brasilien wie immer das Beste und bin zuversichtlich, dass sich die Dinge schon einrenken werden. Brasilianer haben mit Politik eigentlich wenig am Hut und genießen wann immer möglich das Leben. Und mit Streit ist am Ende niemandem gedient.

Also wäre allen damit gedient, sich nicht zu sehr in die Dinge reinzusteigern, sich nicht auseinanderdividieren zu lassen und einfach das Richtige und Notwendige zu tun und alles andere zu unterlassen. Fertig.

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