Beim Radio

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Neuerdings bin ich freier Nachrichtensprecher, – redakteur und -reporter beim Radio. Und zwar nicht bei irgendeinem Radiosender, sondern bei 104.6 RTL, dem meist gehörten Radiosender in Berlin und bei 105’5 Spreeradio, ebenfalls unter den Top-Sendern der Hauptstadt.

Für mich schließt sich damit gewissermaßen ein Kreis: Als ich meine journalistische Laufbahn begann, bewarb ich mich beim WDR in Köln für eine Programm-Hospitanz und hatte als Wunschredaktionen nur welche aus dem Bereich Radio angegeben.

Angesichts der Vielzahl der Bewerber machte ich mir kaum Hoffnung, am Ende zu den wenigen auserwählten Studenten zu gehören, die für acht Wochen (bezahlt!) Einblick ins professionelle Rundfunk-Business bekommen würden.

Es war ein kalter Winter Ende 1991. Ich war gerade von der Uni Köln an die FU Berlin gewechselt, mit der Absicht, dort mein geisteswissenschaftliches Studium zu beenden. Ich wohnte zwei Jahre nach dem Mauerfall im Osten der Stadt in einer Wohnung mit Kachelofen, ohne Bad und ohne Telefon, als mich ein Telegramm meines Vaters erreichte: Der WDR habe sich gemeldet. Ich solle bitte mal Herrn XY aus der Ausbildungsredaktion anrufen.

Ich stapfte durch den Schnee zu einer der wenigen Telefonzellen aus DDR-Zeiten und rief die entsprechende Nummer an. Dort zeigte man sich beeindruckt von mehreren Artikeln, die ich kurz nach der Wende während eines Praktikums bei zwei Ost-Berliner Zeitungen veröffentlicht hatte und wollte mich haben. Allerdings würden die Wunschredaktionen nach Alphabet auf die Kandidaten vergeben und bedauerlicherweise seien daher alle meine Wunschredaktionen schon vergeben. Ob ich mir denn vorstellen könne, auch beim Fernsehen zu hospitieren?

Ich war verdutzt und sprachlos. Fernsehen. Das hatte ich ja gar nicht auf dem Schirm gehabt. Der freundliche Herr aus der Personalabteilung ergänzte, es gäbe da eine neue Sendung im WDR-Fernsehen mit dem Namen Parlazzo, die von Carmen Thomas moderiert werde und eine Mitmachsendung mit dem Fokus auf Medien sei. Carmen Thomas war mir als langjähriger WDR2-Hörer natürlich ein Begriff, nicht wegen „Schalke 05“, sondern wegen der sehr populären Sendung Hallo Ü-Wagen. Ich sagte natürlich sofort ja. Völlig wurscht ob Radio oder Fernsehen, Hauptsache Hospitanz beim damals höchst angesehenen WDR.

Als ich im Februar 1992 in den Semesterferien in der Parlazzo-Redaktion aufschlug, war Carmen Thomas bereits durch Bettina Böttinger ersetzt und Redaktionsleiterin war Annette Dittert. Ihre resolute Art verschüchterte mich zwar zu Anfang, aber am Ende konnte ich mich bewähren und bekam das Angebot, künftig regelmäßig als sogenannter „fester freier Mitarbeiter“ dazuzugehören. Ich kehrte in meine Heimatstadt Köln zurück und landete so für viele Jahre endgültig beim Fernsehen.

Mein Wunsch, beim Radio zu arbeiten, kam nicht von Ungefähr. Meine Stimme hatte schon früh für Aufmerksamkeit gesorgt: Als Kind hatte ich einen glockenreinen Sopran, der mich schon in der Grundschule zum Vorsänger im Musikunterricht beim Schuldirektor machte.

Während meiner ereignisarmen Jugend in einem Dorf im Bergischen Land liebte ich es, auf Kassetten meine eigenen „Radiosendungen“ aufzunehmen, mit Musik und skurrilen/parodistischen Texten. Ich spielte sie meinen Familienmitgliedern im Autoradio vor.

Am Ende meiner Gymnasialzeit gründete ich mit vier Schulfreuden ein a capella-Quintett im Stile der Comedian Harmonists, mit dem wir bald große Erfolge feierten und neben unserem Studium gutes Geld verdienten.

Und als späterer TV-Redakteur bei N24 habe ich unzählige eigene Beiträge vertont und wurde auch gerne für die Vertonung von Beiträgen anderer Kollegen herangezogen.

Nun hat also endlich auch das Radio meine Stimme entdeckt und ich wurde aus einer Vielzahl von Bewerbern ausgewählt.

Klasse! Es ist eine große Herausforderung und aller Anfang ist schwer. In meinen ersten Einarbeitungstagen musste ich feststellen, dass man an unglaublich viele Dinge gleichzeitig denken muss und der Job als Nachrichtensprecher und -redakteur bei aller Erfahrung, die ich mitbringe, kein leichter ist. Als ich im Dezember endlich On Air gelassen wurde, blieben einige Radiopannen daher nicht aus.

Nun denn: Shit happens. Und das meiste „versendet“ sich. Zuhörer und Zuschauer finden solche Pannen sowieso immer ganz amüsant. Und die meisten passieren ohnehin nur ein Mal und nie wieder. Alles in allem macht es einen riesen Spaß, live on air zu sein. Vor tausenden, hunderttausenden, Millionen Zuhörern…

Es ist schon etwas anderes, für’s Radio statt für’s Fernsehen zu sprechen. Die Stimme hat einen ganz anderen Stellenwert (das berühmte „Kino im Kopf“). Sie ist viel präsenter als im TV. Sie ist das A und O.

Ich arbeite noch daran, meinen unverwechselbaren Stil zu finden. Aber ich bin auf einem guten Weg.

About me

Die Zukunft der Medien

2 Gedanken zu „Beim Radio“

  1. Lieber Gregor,ich kenne dich schon seit weit über zwanzig Jahren, ich habe dich als einen Menschen kennen gelernt mit Ecken und Kanten. Sicherlich nicht immer einfach. Aber eine Sache,die kann dir niemand nehmen: Du hast einen aufrichtigen Charakter,bist ehrlich und absolut fair und wenn du eine Sache anfängst, machst du sie ganz oder gar nicht!! Feuer und Flamme…auch fürs Radio…guten Journalismus kann man überall umsetzen. Leider wirst du auch immer wieder Menschen finden, die einem nicht in die Augen schauen können. Lass dich nicht beirren.Geh weiter deinen Weg…! Erhobenen Hauptes…!!!!!Dein Freund Dirk

  2. Das war ein kurzes Intermezzo. Habe die Mitarbeit gekündigt, weil sie mir unter den gegebenen Umständen und Bedingungen keine befriedigende Beschäftigung bot. Bei allem Spaß, den es mir macht, am Mikrofon zu stehen, war es eine lehrreiche und aufschlussreiche Erfahrung, um ein für alle mal zu der Einsicht zu gelangen, dass die gegenwärtige Medienbranche perspektivlos ist, zumal für Leute wie mich. (Eigentlich wusste ich das schon vorher, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.) Wünsche den Kollegen, die mich überwiegend freundlich aufgenommen haben, alles Gute.

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