Ausflug zum Korallenriff

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Es gibt eigentlich nichts, was man hier in Porto Seguro nicht machen kann. Ein beliebtes Ausflugsziel ist das äußere Korallenriff, das Recife de Fora. Gestern war ein perfekter Tag dafür.

Das hatte mir am Tag zuvor ein freundlicher Kellner aus der Strandbar Jubarte, von der aus man im Oktober bis November Blauwale sehen kann, empfohlen. Ich war zu Fuss von der Praia Mundaí dort hin und wieder zurück gelaufen (insgesamt ca. 10 km). Das Meer war sehr still und friedlich und sollte auch am nächsten Tag so bleiben. Gute Voraussetzungen, um zu schnorcheln und Fische und sonstige Meeresbewohner zu beobachten.

Der Kellner sagte, die Ausflugsschiffe würden von der Anlegestelle im Zentrum aus starten, und zwar sehr früh um sechs Uhr. Kostenpunkt 80 Reais.

Ich stand also mal wieder sehr früh auf (entwickelt sich langsam zur Routine) und fuhr mit dem Rad ins Zentrum.

In der Nähe der Anlegestelle an der Praça do Relogio (Platz der Uhr) fand ich ein Kassenhäuschen, das noch nicht besetzt war. Dafür fand ich dort einen Fahrplan ans Fenster geklebt, der mich darüber aufklärte, dass die Abfahrtszeiten sehr unterschiedlich sind. Für den gestrigen Samstag war 11 Uhr angekündigt. Na, super!

Ich hatte also gute fünf Stunden im Zentrum von Porto Seguro totzuschlagen (mit dem Fahrrad nach Hause und dann wieder zurück hatte ich keine Lust). Die Zeit verging am Ende aber relativ schnell.

Ich sah einen wunderschönen Sonnenaufgang über dem Meer, setzte mich auf die Kai-Mauer bei der Fähre nach Arraial d’Ajuda, weil man dort früh morgens des Öfteren Delphine rumschwimmen und -springen sieht, was mir leider bisher nicht vergönnt wurde. Ich hoffte, vielleicht welche beim Ausflug ans Riff zu entdecken.

Die Stadt erwachte langsam zum Leben. Ich radelte und lief etwas ziellos umher und entdeckte schließlich auf diese Weise die zentrale Markthalle. Da war vielleicht was los! Am ungewöhnlichsten waren die noch lebenden Caranguejos, die dort zu mehreren zusammengebunden auf Käufer warteten.

In der Zwischenzeit hatte auch die Agentur, welche die Tickets für den Schiffsausflug verkaufte, geöffnet. Ich machte eine Anzahlung von 10 Reais, den Rest von insgesamt 70 Reais (nicht 80, wie der Kellner gesagt hatte) sollte ich kurz vor Ausflugsbeginn begleichen.

Taucherbrille und Schnorchel kosteten 5 Reais extra, wer wasserfeste Gummischuhe haben wollte, um ohne Verletzungen über die kantigen Steine am Riff laufen zu können, zahlte weitere 5 Reais. Auch Schutzkästchen für Fotoapparate wurden angeboten für 20 Reais das Stück. Ich verzichtete auf Schuhe und Schutzkästchen, da Letzteres eh nicht für mein Handy geeignet war.

Ich hoffte, wegen meiner journalistischen Tätigkeit Rabatt oder freie Fahrt zu bekommen. Die Mitarbeiter hielten das für angemessen, aber verwiesen darauf, dass die Chefin das entscheiden müsse, die sei aber erst am Montag wieder da. Nun denn, so bezahlte ich also wie alle anderen auch.

Das Schiff war voll. Praktisch alles Brasilianer. Durchsagen, Sicherheitshinweise, touristische Informationen gab es alles nur auf Brasilianisch. Ich lernte eine sehr nette Familie mit zwei Söhnen aus São Paulo kennen, für die es der letzte Urlaubstag nach einer Woche in Porto Seguro war. Wendel, der Vater, sah mit Sonnenbrille aus wie Xavier Naidoo. Er war früher Profifussballer in der ersten brasilianischen Liga, musste nach einem Autounfall, bei dem sein linkes Bein schwer verletzt worden war, aber die Karriere an den Nagel hängen. Jetzt trainiert er eine Jugendmannschaft der zweiten Liga in São Paulo. Er lud mich ein, sie zu besuchen und São Paulo kennenzulernen. Ich könne auch bei ihnen wohnen. Wirklich unglaublich nett. Aber so sind sie eben, die Brasilianer.

Habe bisher immer einen riesen Bogen um São Paulo gemacht, bin dort nur aus Deutschland kommend zwischengelandet, musste einmal mit dem Linienbus quer durch die Stadt von einem zum nächsten Flughafen. Mich reizt es nicht sonderlich, mich in diese luftverschmutzte Mega-Metropole mit ihren Dauer-Staus zu stürzen, wenngleich es keine Stadt in Brasilien gibt, die so viel zu bieten hat an Kultur und Gastronomie und Wohlstand wie São Paulo. Aber Rio de Janeiro holt auf. Die cidade maravilhosa bietet einfach mehr Lebensqualität und work-life-balance. Und dann ist da noch Belo Horizonte, die Hauptstadt des Bundesstaates Minas Gerais, die von internationalen Konzernen noch immer viel zu sehr vernachlässigt wird. Aber auch das wird sich auf absehbare Zeit ändern. Denn BH ist ein hervorragender Standort.

Nach etwa einer Stunde Schiffsfahrt waren wir am Ziel angekommen. Die Küste konnte man in der Ferne immer noch erkennen. Zwei weitere Ausflugsschiffe waren fast zeitgleich schon vor uns angekommen.

Man sah Menschen über’s Wasser laufen oder darin sitzen. Denn hier draußen befindet sich eine große Sandbank. Über die Sandbank kommt man zu einem von drei natürlichen „Schwimmbecken“, das für die Öffentlichkeit freigegeben ist. Die anderen Korallenriffe stehen unter absolutem Schutz.

Mitarbeiter des Naturparkes unterwiesen die Neuankömmlinge darin, wie sie sich zu verhalten hätten: Vor allem Abstand zu den Korallen halten, nicht anfassen, nicht drauf treten. Die wachsen nämlich nur einen Zentimeter pro Jahr und mit einem Tritt macht man jahrzehntelanges Wachstum kaputt. Ein anderer hatte eine Ansammlung von kleinen Meeresbewohnern wie Seesternen und Seeigeln parat und erklärte Kindern und Erwachsenen, was es so mit denen auf sich hat.

Ich schnappte mir meine Taucherbrille und meinen Schnorchel und schwamm los. Das Korallenriff, an dem man entlangtauchen konnte, bildete einen Kreis mit einem großen Durchmesser. Zwei Stunden hatte man Zeit. Und die reichten allemal, sich das bunte Treiben unter Wasser anzuschauen. Ich sah zwar keine Delphine und auch keine Meeresschildkröten, dafür aber viele verschiedene bunte Fische, kleine, große, einfarbige, mehrfarbige, gestreift, gepunktet undundund. Ein schöner Anblick.

Schließlich ging es wieder zurück. Zu Essen und zu Trinken gab es auch an Bord zu akzeptablen Preisen.

Ich unterhielt mich mit Wendel über Fussball (sehr wichtiges Thema in Brasilien!). Außerdem erzählte er mir, dass er mit seiner Familie am Abend zur Nachbarstadt Santa Cruz Cabrália fahren werde. Dort erinnert ein riesiges Kreuz sowie überlebensgroße Statuen daran, dass am 26. April 1500 die portugiesischen Eroberer hier ihre erste katholische Messen zelebrierten. Wendel wollte aber dort hin, weil in Cabrália bereits der Karneval begonnen hat (ansonsten hätte man gegen Porto Seguro eh keine Chance…). Wendel bekräftigte seine Einladung nach São Paulo und gab mir seine Handynummer für alle Fälle.

Alles in allem also ein absolut gelungener Ausflug!

Fotos vom gestrigen Tag und Santa Cruz Cabrália gibt es auf meiner Facebook-Seite.

Porto Seguro – Pra Sempre!

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