Arbeit und Grundeinkommen

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Jetzt, wo die Themen Klimawandel, Artensterben und unsere Art des Wirtschaftens ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt sind, ist es an der Zeit, noch etwas tiefer in die Materie einzudringen. Denn letztlich geht es darum, wie wir ein zukünftiges, nachhaltiges Leben im Einklang mit den Naturgegebenheiten gestalten können und wollen. „Arbeit“ wird in diesem Zusammenhang eine ganz andere Bedeutung bekommen, als sie es heute hat.

Heutzutage und mindestens seit Beginn der Industrialisierung wird der Wert eines Menschen überwiegend bis ausschließlich nach seiner Produktivität, nach seiner beruflichen, marktgerechten Leistung bemessen.

Ich bin kein Karl-Marx-Experte, aber seine Gedanken kreisten schon damals darum, wie sehr der Mensch in seinem ganzen Wesen durch die Arbeitsanforderungen der Industrie von sich entfremdet wurde, indem er ein Mittel zum Zweck wurde, nur noch als Funktionselement in einer durchindustrialisierten, materiell ausgerichteten Gesellschaft diente.

Aber heute ist heute und seit Marx hat sich Vieles in der Berufswelt verändert, wenngleich gewisse Machtmuster sich in verschiedener Verkleidung immer wiederholen.

Tatsache ist, dass auch heute der Mensch (ungeachtet des ideologischen Überbaus) vor allem über seinen Nutzen als Mitglied einer produktiven Gesellschaft definiert wird: wer nicht einer geregelten, produktiven Arbeit nachgeht und die an ihn gestellten Anforderungen bestmöglich erfüllt, gilt als Ausschussware und kann weg. Ja, so brutal muss man es wohl auf den Punkt bringen! Die Mehrheit der Besitzenden fühlt sich in ihrem Tun geradezu gestört von denjenigen, die nicht in ihr Schema passen, es nicht erfüllen können oder wollen und der Gemeinschaft somit „zur Last“ fallen.

Wenn man sich das so vor Augen führt, erkennt man, wie unmenschlich, brutal und herzlos ein solches System ist!

Der Mensch kann und darf nicht darauf reduziert werden, inwiefern er „nützlich“ ist für diejenigen, die eh schon über den Großteil der Vermögen verfügen!

Es wird zwar immer Menschen geben, die mehr oder weniger als andere haben, weil nicht jeder denselben Ehrgeiz hat.

Aber am Ende haben ja alle ein Interesse daran, dass jeder sein Auskommen hat und daher gar nicht neidisch auf den Besitz des Anderen schielen muss, da er selbst genug zum Leben hat.

Das Problem unserer Zeit ist ja nicht, dass es zu wenig für alle gäbe. Das Problem ist, dass das Vermögen so ungleich verteilt ist.

Wir haben ein Verteilungsproblem, kein Mangelproblem.

Und dieses Verteilungsproblem ist so eklatant, dass die Vermögenden zurecht fürchten dürfen, dass die große Mehrheit ihnen das nicht mehr lange durchgehen lassen wird.

Es MUSS eine Umverteilung geben!

Wie auch immer sie im Einzelnen gestaltet wird. Genau darüber muss jetzt auch gestritten und debattiert werden!

Angesichts der digitalen und technologischen Entwicklung, die in einst klassischen Berufen den Menschen zusehens durch Maschinen/Roboter ersetzt, muss man fragen, was mit all den Menschen geschehen soll, die zur Ausschussware verkommen sind, weil sie zur Produktivitätssteigerung nicht mehr benötigt werden (als Konsumenten dagegen schon!).

Allein diese Entwicklung zeigt, dass die Definition eines Menschen nach seiner „Arbeit“ und seinem Beitrag zur „Leistungsgesellschaft“ nicht mehr trägt.

Dabei gibt es so viele gesellschaftliche Bereiche, die trotzdem extrem wichtig für ihren gesunden Zustand sind, ohne dass sie einen unmittelbaren, messbaren Wert haben, wie zum Beispiel all die überwiegend von Freiwilligen geleisteten Tätigkeiten von Feuerwehr über Elternvertreter und Flüchtlingshelfer etc. bis hin zu kreativen und sozialen Berufen.

Genau genommen, sind es genau diese Leute, welche die Gesellschaft zusammenhalten, bereichern und am Leben erhalten!

Was wäre Deutschland ohne die unzähligen freiwilligen Helfer, welche sich vor Ort z.B. um die vielen Flüchtlinge kümmern und gekümmert haben!! Während der Staat am Rande des Totalversagens stand, haben Menschen vor Ort die größten Umwuchtungen mit ihrem ganz persönlichen Engagement und Einsatz versucht aufzufangen!!

Man kann diesen Menschen nicht oft und herzlich genug danken! Ich habe jedem AfD-Sympathisanten, der mir zu jener Zeit über den Weg lief, genau das ins Gesicht gesagt: statt rumzujammern und rumzuhetzen, pack doch einfach mal mit an und hilf dabei, das Problem zu lösen!

Viele haben ja diese Attitüde: der Staat soll das machen, dafür hab ich die Politiker ja schließlich gewählt. Die Politiker selbst schüren diese Erwartungshaltung, indem sie viel versprechen und suggerieren, sich um alles zu kümmern und entwerfen dann sinnvolle wie unsinnige Regelwerke, die das Handeln institutionalisieren sollen.

Die Flüchtlingskrise 2015 und die Euro-Krise 2010 ff. sind jedoch eindrucksvolle Beispiele dafür, dass der Staat da an seine faktischen Grenzen gerät.

Staat und Bürger sind gleichermaßen aufeinander angewiesen. Es ist Sache einer jeden großen Gemeinschaft, sich ein Regelwerk aufzuerlegen, nach dem sie handelt (das Grundgesetz). Dieses Regelwerk darf aber nicht zu umfangreich werden, weil es dann kontraproduktiv wird, schließlich funktionieren reale Probleme nicht nach Schema F. Je mehr Freiheit die verantwortlichen Einheiten zur Problemlösung vor Ort haben, desto besser. Aber diese Problemlösung muss eben bestimmten, verbindlichen Standards folgen, die jeweils zu definieren sind.

Nimmt man den heutigen Arbeitsmarkt, die gesellschaftlichen Herausforderungen und Mängel als Grundlage, sehe ich eigentlich nur eine praktikable Lösung:

Ein steuerfinanziertes, bedingungsloses Grundeinkommen, auf das jeder Anspruch hat, der nicht arbeitsfähig oder erwerbslos ist!

Der Staat, die Gesellschaft muss denen unter die Arme greifen, die gerade oder mittel- oder langfristig aus welchen Gründen auch immer nicht in der Lage sind, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten!

Diejenigen, die nicht arbeiten können/dürfen, schützt es vor Verelendung und Ausgrenzung.

Diejenigen, die ihre Fähigkeiten noch nicht in bare Münze umwandeln können, hilft es, ihren Weg weiter zu verfolgen.

Außerdem können sich diese Menschen in Bereichen nützlich machen, die aus Sicht von Arbeitgebern nicht geeignet sind, um sie so zu refinanzieren, dass sie für den Lebensunterhalt reichen.

Das ist ein heikles Feld, weil natürlich die reale Gefahr besteht (wie bei den Mini-Jobs), dass Arbeitgeber reguläre Jobs in „Grundeinkommen“-Jobs umwandeln.

Für die Gesellschaft als Ganzes hat ein solches System den Vorteil, dass sie bei Bedarf eine Verfügungsmasse hat, die in einem Fall wie der Flüchtlingskrise ad hoc viele Menschen aktivieren kann, welche die Zeit haben, sich um diese Dinge im Dienst der Gemeinschaft zu kümmern.

Für die Einzelnen hat es den Vorteil, dass sie keine Existenzängste mehr haben brauchen und aus purer Not Dinge tun, die weder ihnen noch der Gemeinschaft gut tun.

Das ist eine Win-Win-Situation!

Zumal ich davon überzeugt bin, dass ein solches bedingungsloses Grundeinkommen ungeahnte kreative Kräfte freisetzt, die der Gesellschaft als Ganzes nachhaltigen Nutzen bringt.

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