1000 Euro Betreuungsgeld für Eltern!

Flattr this!


„Herdprämie“! „Rückkehr ins Mittelalter!“ In Politik und Gesellschaft wird derzeit mit polemischen Worten um das Betreuungsgeld gestritten. Soll man Eltern 100 bis 150 Euro im Monat dafür zahlen, dass sie ihre Vorschulkinder selbst erziehen statt in eine Krippe/Kita zu schicken? Ich sage nein: Man sollte 1000 Euro zahlen!

Die Idee des Betreuungsgeldes kommt von der CSU und wurde im schwarz-gelben Koalitionsvertrag festgeschrieben. Es soll denjenigen Eltern eine Kompensation und Wahlfreiheit bieten, die ihre unter dreijährigen Kinder lieber oder gezwungenermaßen zu Hause erziehen, statt von dem ab 2013 geltenden Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz Gebrauch zu machen, wenn denn überhaupt ein solcher Platz verfügbar ist.

Politik sucht billigen Ausweg aus Kita-Dilemma

Und da fängt das Problem ja schon an. Denn etliche, vor allem westliche Bundesländer sind weit davon entfernt, die benötigten Kindergartenplätze bis 2013 vorhalten zu können. Die leer ausgehenden Eltern dann nolens volens mit 100 bzw. 150 Euro abzuspeisen, könnte da ein bequemer und preiswerter Ausweg für die Politik aus dem Dilemma sein. Schließlich kostet die Betreuung in einer Kita weit mehr. Allein die Betriebskosten belaufen sich je nach Kindesalter, Dauer und Umfang der Betreuung auf 500 bis 1500 Euro pro Kind und Monat (Quelle: Mittelstand und Familie).

Von B90/Grünen und der SPD wird kräftig gegen das Betreuungsgeld gewettert, obwohl die SPD während der Großen Koalition das Projekt mitgetragen hat. Das Betreuungsgeld wird von den Gegnern polemisch als „Herdprämie“ diffarmiert. Der Begriff ist deswegen so diffarmierend, weil er einem alten Rollenbild folgend unterstellt, dass ausnahmslos Frauen sie in Anspruch nehmen und ihren Beruf an den Nagel hängen würden.

Ausserdem unterstellen die Gegner, dass am Ende nur „bildungsferne“, sprich „asoziale“ Familien von dem Angebot Gebrauch machen würden und somit gerade diejenigen Kinder von den Kitas fernbleiben würden, die am meisten davon profitieren könnten (womit wiederum unterstellt wird, dass Kitas für Kinder grundsätzlich besser sind als die eigenen Eltern und „bildungsferne“ Eltern grundsätzlich schlechtere Eltern sind).

Diese Art der Polemik ist abstoßend, diskriminierend und diffarmierend.

  • Sind Eltern, nur weil sie nicht dem bildungsbürgerlichen Milieu entspringen, deswegen grundsätzlich schlechtere Eltern?
  • Können Eltern, nur weil sie arbeitslos oder arm sind, ihre Kinder nicht gut erziehen?
  • Sind Eltern, denen ihr Arbeitsleben und ihre Karriere wichtiger sind als die Erziehung ihrer Kinder, die besseren Eltern?
  • Sind Kinder in Kitas grundsätzlich besser aufgehoben als im eigenen Elternhaus?

Grundsätzlich muss man all diese Fragen mit Nein beantworten. Es kommt immer auf den Einzelfall an.

Der Besuch einer Kita kann für die Entwicklung eines Kleinkindes sinnvoll sein, sofern der Betreuungsschlüssel eine echte Betreuung überhaupt möglich macht. Und er wäre sicher besonders sinnvoll für Kinder, die in sogenannten „Problemfamilien“ aufwachsen.

Umgekehrt kann eine Kita nicht die Geborgenheit, Aufmerksamkeit und Liebe ersetzen, die ein Kind idealerweise in der eigenen Familie erfährt.

Eltern sollten Wahlfreiheit zwischen Kita-Platz und Betreuungsgeld haben

Solange die Eltern erziehungsberechtigt sind, sollten sie daher die Wahlfreiheit haben, ob, wann und in welchem Umfang sie ihre Kinder in eine Kita geben.

Diejenigen Eltern, welche ihre Kinder lieber selbst erziehen oder die Erziehung in die Hände von Personen ihres Vertrauens legen wollen, (Au Pair, Tagesmutter, Großeltern etc.) sollten dafür eine Kompensation in Form eines Betreuungsgeldes erhalten.

Und dieses Betreuungsgeld müsste weit höher ausfallen als die veranschlagten 100 bis 150 Euro, die geradezu ein Witz sind. Nicht einmal „asoziale“ Familien würden sich wegen eines so lächerlichen Betrages für mehr Kinder entscheiden, nur um sie dann auch noch selbst betreuen zu müssen!

Deutschland hat ein massives Problem mit seiner Altersstruktur. Nachwuchs wird dringend gebraucht, damit die Gesellschaft nicht vergreist und die Sozialsysteme nicht in sich zusammenbrechen.

Deswegen muss der Staat alle Anstrengungen unternehmen, um die Familie zu fördern.

Kinder aufzuziehen ist eine sehr anspruchsvolle, zeitaufwändige, verantwortunsgvolle und übrigens auch sehr erfüllende Tätigkeit.

Kind-und-Karriere-Modell ist ein Irrweg

Das von der Gesellschaft idealisierte Modell, wonach Kind und Karriere unter einen Hut zu bringen sein sollen, erweist sich nach meinem Dafürhalten zunehmend als Illusion und Irrweg, der Väter und Mütter unter einen enormen Druck stellt und letztlich nur zu Frustration und schlechtem Gewissen führt.

Wer Kinder hat, weiß, dass man Kindern und Karriere nicht in gleichem Maße gerecht werden kann. Eltern, die beide berufstätig sind, können davon ein Lied singen. Kaum sind die Kinder mal krank, was gerade in den ersten Lebensjahren häufig vorkommt, gerät das Modell schon ins Wanken. Denn mit kranken Kindern steht man auch vor Kitas vor verschlossenen Türen. Vom Arbeitgeber zu erwarten oder zu verlangen, dass er den Ausfall der Arbeitskraft klaglos hinnimmt, ist auch zuviel verlangt.

Sind die Kinder im Schulalter, kommen sie in die Pubertät, gehen sie ihren Hobbies nach, wird der Betreuungsaufwand sogar noch größer.

Er ist verantwortungsvoll nur zu leisten, wenn ein Elternteil (zumindest halbtags) zu Hause bleibt, während das andere sich um das Einkommen kümmert – wobei diese Rolle sowohl dem einen wie dem anderen Elternteil zukommen darf und soll.

Ich denke, es gäbe viele Väter und Mütter, die sich gerne mit Leib und Seele der Erziehung ihrer eigenen Kinder widmen würden, wenn es für sie finanziell denn machbar wäre.

Bedingtes Grundeinkommen für Eltern!

Ich plädiere daher für ein deutlich höheres Betreuungsgeld von etwa 1000 Euro pro Monat für das erste Kind. (Das Kindergeld könnte man im Gegenzug ja abschaffen.) Für jedes weitere Kind könnte es u.U. Abstufungen nach unten geben (€ 800 für’s zweite, € 600 für’s dritte…).

Das wäre sowas wie ein bedingungsloses Grundeinkommen für Eltern – nur, dass es nicht bedingungslos ist, sondern an die Bedingung geknüpft ist, seine Zeit der Erziehung der eigenen Kinder zu widmen.

1000 Euro Betreuungsgeld für Eltern

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.